Und einmal, als sie so beisammen waren in ein und demselben Traum, schien der Alte, das Haupt hintenübergebeugt und die Augen weit geöffnet, zu lauschen nach etwas, das nur er allein zu hören vermochte.

„Was siehst du? Was hörst du?“ fragte Ahasverus, der hinzusprang.

Aber der Alte sprach kein Wort. Und da geschah es, daß Ahasverus, als er durch das Fenster über den harten, weißen Boden blickte, auf dem die Sonne funkelte, im Winde Gestalten von Licht sah mit schneeigen Flügeln, höher als die Bäume, und eine übernatürliche Musik schwebte und wirbelte mit diesen Gestalten in die Höhe, und dann war nichts mehr als ein ferner Klang dieser Musik im Winde.

Ahasverus schlug seine Hand vor die Augen und lauschte in sich selbst hinein; ihm war, als ob das Leben nun für immer still stünde. Aber dann hörte er wieder das Klopfen seines Herzens und das Knistern des Feuers, wo einige Kartoffeln zum Rösten in der Asche lagen, — und in der wahrhaften Stille, durch die hindurch die gewohnten Geräusche vernehmbar waren, fühlte er noch die unsagbare Süßigkeit der Erinnerung an jene Musik . . .

„Ist einer meiner undenkbaren Gedanken lebendig geworden? . . . Sollte mein Ende auch nahe sein? . . .“ jubelte er innerlich, mit einer Freude, die alles an ihm leichter machte. Es war, als ob seine Seele über ihn selbst hinaus entrückt wäre, so daß sein ungestümes Begehren und das glühende Nagen in seiner Brust eine Winzigkeit wurde, die ihm nichts anhaben konnte, ein Leid, das zufällig nun das seine war, aber einst verschwinden würde mit dem wenigen, das sein Leben ausgefüllt hatte.

„Das Licht! Das Licht! . . .“ Es war nichts mehr in ihm als ein Gedanke, der nackt und frei emporstieg zu diesem Licht. Die Klause und der Klausner, sie schienen ihm auch plötzlich so seltsam zufällig, eine Wirklichkeit, die keine war, das Bild eines Augenblicks . . .

Hinaus ins Freie! in die Luft! auf die Höhe! wo er vor nichts anderem mehr stehen würde als vor den durchscheinenden Weiten und dem klaren Abgrund des Himmels, wie inmitten eines großen Kristalls von Licht.

Und seine Seele und dieses Licht waren ein und derselbe Gesang, den er hörte.

Gott schien ihm näher als sein eigener Leib.

Zu seinen Füßen waren die hügeligen Wälder und die ganze Welt nichts mehr als das Bild eines Augenblicks.