Einen Augenblick noch hörte Ahasverus das orgelnde Dröhnen der Cherubim und Seraphim in dem Licht, — ein Tropfen vom Blute Christi fiel auf sein Herz wie ein feuriger Tau, und die Kruste brach, sein Herz spaltete sich, und mit ausgestreckten Armen stürzte er niederwärts, hin zum Leide und zur ungewissen Dämmerung, vermaledeit, zerrissen, aber weit offen von Liebe.

Ahasverus unter den Menschen

Als Ahasverus wieder zur Besinnung kam, lief er durch den Wald, der dumpf rauschte. Nach unten, fort aus all diesem Spuk! Nach unten, wo die Menschen riefen! . . .

Wo riefen sie denn? In der Ferne, versunken im Nebel eines Tales? . . . Nirgend ein Lichtstrahl mehr, kein Stern, — nur der wilde Wind, der wachgerüttelt nun bald hier, bald dort war, voll undeutlicher Stimmen, zu Fetzen zerrissen in der Nacht. Und Ahasverus stürmte nur immer nach unten, die Hände vorgestreckt, strauchelnd durch die kalte Nässe des Gebüsches.

Denn es hatte wahrhaftig zu tauen angefangen: der beißende Winter zerschmolz, eine fröstelnde Feuchtigkeit durchdrang das Herz, und überall sickerte das Getröpfel in dem Dunkel, während eine neue Gewalt, da oben durch die Bäume rasend, brauste wie eine Sturmflut und die alten Riesen ächzten unter dem Wogenschlag der zerstiebenden Luft.

Den lebenden Wind, — Ahasverus schnob ihn auf mit wilder Lust und spürte bisweilen einen feuchten Atem darin, der die Kälte der Nacht erweichte und ihm entgegengeweht kam wie ein gewaltiger Seufzer.

Sein Fieber ließ mählich nach, als er die seltsamen Gestalten des Waldgewirrs, das ihn umschloß, im Dämmergrau zu unterscheiden begann. Der Wald wuchs heraus aus der Dunkelheit: alles wurde deutlicher nun, vertraut in dem Tag, der sich hellte; die Bäume, mächtig bewurzelt, ihre Arme in der Luft, sangen ernst in der trübseligen Feuchte, während der Weltatem hindurchfuhr mit einem Geruch von Moos und faulen Blättern und lau durchsickerter Erde, einem Geruch von Auflösung und Tod und von nahendem Frühling.

Aber als der Himmel ganz blaß geworden war und das Dunkel sich zwischen den grünschimmernden Stämmen in die Tiefe des Waldes zurückzog, da legte sich auch der Wind nieder, wie ein furchtsames Tier, und kroch brummend in seine Höhle vor dem Dämmern des Morgens. Nur das kurze Geflöt eines Vogels, der von einem Ast zum andern hüpfte und seine Federn plusterte, ertönte noch dann und wann. Der Wald wurde weniger dicht, ausgerodete Stellen unterbrachen die sich herabsenkende und wieder sanft wogende Ferne: dahinter, über fahlrotem Gesträuch, erschienen die Buchen viel größer, nun alles so still blieb.