Ihr Gesicht war voller Sommersprossen, müde und gleichgültig.

„Ich möchte trinken!“ sagte er barsch.

Ohne ein Wort zu sprechen, kehrte sie ihm den Rücken zu und ging hinein.

Die Wut schoß Ahasverus in den Kopf, er erinnerte sich, wie Christus einst vor ihm gestanden hatte, und mit drei Schritten war er in der Hütte, gerade hinter der Frau. Sie drehte sich verwirrt um, ein wenig erschreckt: „Ssst! Ihr weckt das Kind auf . . .“, und während sie dem Landstreicher eine Kumme Milch reichte, beugte sie sich schnell über die Wiege, in der das Würmlein leise zu weinen anfing und sich mit seiner kleinen Faust das Nasenstümpfchen rieb. Und Ahasverus stand nun da, mit der Kumme in der Hand.

„Eia, eia, mein Mäuschen . . .“ Sie drückte es liebevoll an sich, aber quäkend grabbelte es nach der Brust, und ein wenig zur Wiege sich abwendend, ließ die Mutter es dann nur trinken, soviel es wollte, — „da, mein Herzchen, da!“ — und betrachtete es immerfort, als ob sein Leben ihr Leben wäre.

„Ist da jemand?“ wurde von der Schlafkammer herab gefragt.

„Gut Freund, Mann!“ — „Er ist krank“, sagte die Frau leise, während Ahasverus endlich trank, der Topf zitterte ein wenig zwischen seinen Zähnen, „nun muß ich für zwei arbeiten, und das ist immerhin kein Kinderspiel.“

Sie sagte es ohne Bitterkeit, wie zu sich selbst; niederknieend legte sie das einschlafende Kind vorsichtig wieder in die Wiege, und Ahasverus fühlte, als er auf das arme Geschöpf blickte, das da so ruhig und so wehrlos mit seinem offenen Mündchen lag, Trauer in sich aufwallen, ohne zu wissen warum. Tief in ihm löste sich etwas, als ob er weinen müßte.

Die Mutter sah zu ihm auf mit dem sanften Blinken eines schüchternen Glücks in ihren Augen, und sie war nicht häßlich mehr.

„Habt schönen Dank“, sagte Ahasverus mit gedämpfter Stimme und hätte schon draußen sein mögen. Sie lächelte ein wenig, um ihm zu bedeuten, daß es gern geschehen sei, — Menschen helfen einander doch —, und fragte: „Habt Ihr noch weit?“