Und aus ohnmächtiger Wut tranken sie doppelt und hatten Lust, einander zu Leibe zu gehn. Es kam Ahasverus vor, als ob er mit diesen Unglücklichen irgendwo in einem Abgrund läge, aus dem sie verzweifelt die Arme nach oben ausstreckten, er und sie alle, nach einem schöneren Leben rufend, das sie nicht sehen konnten, — und die ganze Welt schien ihm solch ein Abgrund . . .

Auch sie — mit ihren ewigen Augen! — sie war mit ihm in dieser Tiefe. Und er fühlte es nun wohl, mit einer Art herben Genusses, daß er sie lieb hatte, daß er sie noch inniger lieb hatte, so wie sie war, mit all den Küssen, die sie besudelt hatten, mit diesen Fältchen von Schwermut um den jungen Mund, mit diesem stillen, unschuldigen Lächeln, das bisweilen wie eine Wintersonne ihr braunes Gesicht erhellte, — mit dem Geheimnis ihrer Menschenseele voll Gut und Böse, voll werdender, lebender, unendlicher Schönheit . . .

Was trieb ihn zu ihr, was trieb sie zueinander, durch diese große Welt von Menschen, die alle suchten nach etwas, das sie nicht nennen konnten — er und sie alle —, ohne zu überlegen, was aus all diesem Verlangen einmal erblühen würde?

War nicht wie das Werk seiner Hände vielleicht auch dieses Begehren seines armen Herzens, die Regung selbst, die seine Seele emporhob, ein Teil eines schönen Traumes, eine der tausend und aber tausend Regungen, durch die ein schöner, unbegreiflicher Traum verwirklicht wird, mit dem Blut, mit dem Geist und der Seele, von Geschlecht zu Geschlecht, ein werdender, lebender, unendlicher Traum? . . .

Und all diese Stimmen, die da grölten und fluchten aus finsteren Mündern in dem halberleuchteten Loch, sie drangen nun zu ihm beinah wie Flammen, die aus dem Schweigen geweckt waren und die immer wieder herausschlagen würden.

„Jungens,“ rief er plötzlich, die beiden Fäuste hoch erhoben, „so gehts nicht! so gehts nicht! Wir müssen wissen, was wir wollen! Und dann alle zugleich, wie ein Mann! . . .“ Es ging wie eine Glocke durch das Geschrei.

„Ja! Ja! Wir können doch nicht länger liegen bleiben wie Hunde! . . .“

Hartnäckig hämmerte er weiter:

„Alle gleich! Und so wollen wirs ihnen morgen sagen, wie wir behandelt werden wollen! Und hören sie nicht darauf, dann zeigen wir, was wir sind! . . .“

„Ja! Ja! Hand in Hand!“