Nahe beim Hause des Kaiphas waren noch einige Wächter um ein Feuer geschart, faul ausgestreckt oder an ihre Partisanen gelehnt; auch ein paar Mädchen und Müßiggänger lungerten dort noch herum, und in dem Feuerschein konnte Ahasverus das Gesicht des Petrus unterscheiden, des einzigen Apostels, der für Jesus auf dem Ölberge den Kampf gewagt hatte. „Von dem werde ich alles erfahren“, dachte er, und die alte Hoffnung spitzte in ihm wieder ein wenig die Ohren: „Vielleicht ist noch etwas zu machen . . .“

Als Ahasverus zum Feuer kam, sagte eines der Mädchen zu Petrus: „Du gehörst auch zu der Bande, tu nur nicht so, als ob du nicht bis dreie zählen könntest, ich hab dich mit dem Nazarener gesehn.“

Und Petrus, mit einem unschuldigen Maul, als fiele er aus den Wolken: „Ich? Was redest du für dummes Zeug? Ich? . . .“

„Ihr hört ja an seiner Sprache, daß er aus Galiläa ist“, sagte ein anderes Mädchen. Und ein Landsknecht trat näher an ihn heran und sah ihm forschend ins Gesicht: „Jüngelchen, halt mal eben . . . hast du nicht dem Malchus das Ohr abgeschlagen? . . .“

Petrus wurde plötzlich frech und rief mit einem unsteten Blick, der zugleich guckte und auswich: „Das ist nicht wahr! Das ist nicht wahr! Ihr seid besoffen! . . .“

Aber Ahasverus packte ihn bei der Kehle und fuhr ihn mit fürchterlicher Bestimmtheit an: „Du bist Petrus, der Fischer aus Galiläa, und Jesus war dein Freund, du Feigling!“

„Ich habe Jesus niemals gesehn! . . .“ schrie Petrus, der blau und grün wurde.

Just in diesem Augenblick krähte ein Hahn mit erhobener, gewaltiger Raspelstimme ein heiseres, langgezogenes, endloses Kikiriki, das ganz aus der Tiefe hervorzuröcheln schien wie im Todeskampf und grausig abriß in einer Art teuflischem Lachen. So brach auch ein Lachen der Verzweiflung aus Ahasverus Gurgel hervor, denn: umsonst! dachte er wieder, umsonst! . . . Und Petrus, plötzlich frei, wankte rückwärts hinaus, als hätte der Blitz gerade vor ihm einen Abgrund in die Erde geschlagen. Niemand wagte die Hand nach Ahasverus auszustrecken.

Er ließ sein Messer fallen und irrte weiter.

Eine stille Klarheit hatte den Himmel gebleicht, und der Nacht entwuchs geräuschlos langsam ein bleigrauer Morgen. Auf den Steinen begannen schon die Wagen zu rasseln, die die Bäuerlein zum Freitagsmarkt fuhren. Ahasverus betrachtete das alles nun, als ob es ihn nichts mehr anginge; die Lust, weiter zu leben, war in ihm gebrochen.