„Ich bitte fortzufahren, wo Ew. Durchlaucht vorhin stehen blieben“ — unterbrach sie ihn ernst — „Sie sprachen von einem Entschluß“ —
„Und sagte, daß es bei diesem Entschluß bliebe, so wahr ein Gott lebt! — Können Sie die meiner Schwester gemachte Erklärung, das Versprechen nie ihre Hand zu verschenken, zurücknehmen — werden Sie die Verlobte eines Andern — gut, so habe ich alle Hoffnung verloren, und ich will jeder Glückseligkeit, jeder frohen Stunde für dieses Erdenleben entsagen. Mein Vater schmiede mich dann, wie den Galeerensclaven an das Ruder, in das Joch einer conventionellen Ehe! — Aber nein, so inconsequent kann Adelaide nie seyn!“
„Prinz!“ sagte Adelaide ergriffen — „was hat mein Vorsatz unvermählt zu bleiben, mit Ihrem Entschluß zu schaffen? — Kann Ihnen die Versicherung: daß ich den Wunsch, nie Gattin werden zu dürfen — ohne alle Beziehung auf Ew. Durchlaucht, gegen Prinzessin Mathilde äußerte — daß ich überhaupt nie an die Möglichkeit eines Verhältnisses unter uns, gnädiger Herr! bei irgend einer Bestimmung meines Lebens dachte — kann diese Erklärung einen Fürsten der Hoffnung seiner Länder wiedergeben, und ihn selbst in die Bahn der Ordnung, der Pflichten eines künftigen Regenten zurückführen, so bitte ich unterthänig, an der Wahrheit dieser Betheurung nicht zu zweifeln.“
„Adelaide! — Ich habe geschworen, und seinen Schwur zu halten, sich selbst und seiner Zufriedenheit treu zu bleiben, ist die erste und heiligste Pflicht. Wäre diese Zufriedenheit, dies tröstende Bewußtseyn, keiner von uns Beiden sey das Eigenthum eines Dritten, auch nur Chimäre! — so wenig dieser Fall hier angenommen werden kann. — Mein Vater ist alt, ich im fünf und zwanzigsten Jahre. Sie treten heut Ihr achtzehntes an; — o Adelaide! die Liebe überwindet Zeit und Hindernisse, die Aerzte sprechen mit Achselzucken von den bedenklichen Gesundheitsumständen des Fürsten — ein Rezitiv des neulichen Schlagflusses, und er ist dahin.“ —
„Sie werden fürchterlich! — So sollte die Liebe ein großes edles Herz verunstalten können? — Ich bitte Ew. Durchlaucht wenigstens Schonung für mein besseres Gefühl zu haben, und ein Gespräch abzubrechen, das Sie und mich herabwürdigt.“
„Abgott meiner Seele! In dieser Ungewißheit kann ich nicht von dir scheiden. Denke an meinen Schwur. — Heut übers Jahr an diesem Tage kehre ich wieder zurück und finde dich — nein Adelaide, nicht als Braut oder die Gemahlin eines Andern.“ —
„Sondern im Sarge,“ fiel Adelaide mit dem feierlichen Nachdruck einer Prophetin ein. — „Ich habe Ihr Wort, Prinz! — übers Jahr an dem heutigen Tage betreten Sie das Haus Ihrer Freundin wieder, und begleiten mich in die Brautkammer.“
„Adelaide!“ rief erschüttert der Erbprinz „wollen Sie meine Vernunft verwirren? — was sollen diese Räthsel? — Ich kann mich damit nicht beruhigen. Gewißheit, um Gottes willen!“ —
„Die Gewißheit, daß wir Ball haben, und die tanzlustigen Herrschaften schon ungeduldig mit den Stühlen rücken, um wieder in den Saal zum Ländern zu kommen. — Für diesmal bitte ich, nichts mehr über jenes Kapitel! — Prinzessin Mathilde wird Ew. Durchlaucht ja wohl schriftlich benachrichtigen, wie es mit Ihren Vasallen steht.“
„Darf ich nicht einige Zeilen dann und wann von dieser lieben Hand selbst hoffen?“