„Und keine Zeile von ihr selbst?“ klagte Letztere.
„O meine Brieftasche wird erst morgen eröffnet. Ein großes Paket, das ich Ihnen hoch im Porto anrechnen werde. Aber ich fürchte, Mathilde führt große Beschwerden über mich! — Versprechen Sie mir in voraus Generalpardon.“
Adelaide sah ihn bedeutend an.
„Gräfin! mit einem Wort: mein Entschluß ist gefaßt, und dabei bleibt es, so wahr ein Gott lebt“ —
Er wurde durch einen Schrei des Schreckens von Carolinen, die ihnen beinah gegenüber saß, unterbrochen. Unter den mancherlei fremden Gestalten und Bestandtheilen freier Koch- und Konditor-Künste, welche das mit den raffinirten Lebensbedürfnissen der großen und feinen Welt unbekannte Landfräulein anstaunte und neugierig kostete, wurde Gefrornes in Formen und natürlichen Farben verschiedener Früchte herumgegeben. Man präsentirte ihr eine Assiette mit dergleichen täuschenden Pfirsichen, und wiewohl ein goldner Desertlöffel dabei lag, so glaubte sie dessen dennoch nicht zu bedürfen, um sich einen Pfirsich zu nehmen. Sie ergriff herzhaft eine der Früchte mit ihren Fingern — aber, o Himmel! — wer beschreibt ihr Entsetzen, als diese Finger in Eis erstarrten, und der entzauberte Pfirsich in Wasser aufgelöst von ihrer Hand triefte.
Alles lachte, sobald sich der Irrthum aufklärte; nur Julius, welcher um so größern Widerwillen gegen das alberne rohe Landmädchen faßte, und Caroline — deren Wangen die Schaam dunkelroth färbte und das Auge mit Thränen füllte, — und Adelaide lachten nicht.
„In der That“ — sagte Letztere — „so etwas kann jedem begegnen. Trösten Sie sich mit mir, liebe Elfen! ich selbst habe einmal eine Ananas — weil ein Spottvogel sie mir präsentirte, allein für mich auf meinen Teller genommen, wiewohl sie für mehrere bestimmt war — und da ich die Schaale zu hart fand, als ich ohne Umstände hineinbeißen wollte, zertheilte ich sie mit Messer und Gabel, und ließ mich von dem schadenfrohen Herrn überreden, die Frucht mit Essig und Oehl zu verzehren, so wenig diese Zubereitung meinem Gaum auch behagen mochte. Und das war doch wohl ein wenig schlimmer, als eine Sache, die genau wie ein Pfirsich aussieht, auch für einen Pfirsich zu halten.“
In der Anekdote mit der Ananas lag Wahrheit, nur daß ein junger Cadet, welcher eben erst das väterliche Haus und sein Dorf verlassen hatte, und bei dem verstorbenen General Wallersee speiste, der traurige Held dieser Geschichte war; keinesweges aber Adelaide, welche sich indessen hier mit Vergnügen die Lächerlichkeit aufbürdete, um Carolinens demüthigende Verlegenheit zu heben. Sie erreichte ihren Zweck; Fräulein Elfen bekam wieder Muth; sie lachte aus vollem Halse über Adelaidens Leichtgläubigkeit, und wiederholte die Anekdote ihren Nachbarn weitläuftig, um zu beweisen, daß die Comtesse nichts klüger gewesen sey, als sie.
„Adelaide“ — sagte der Prinz — „Sie sind wahrlich ein Engel! — Ich möchte niederfallen und anbeten — diese himmlische Güte, diese sanfte Schonung“ — —