„Das gebe der Himmel!“ seufzte die Gräfin, denn sie wußte zu gut, wie Alexis über den Dienst in kleinern Staaten dachte, und, wiewohl dieser Fürst, dessen Vasall er war, sich unter die ansehnlichsten des Deutschen Reichs rechnen durfte, so hatte ihm doch immer die Pygmäengröße ihrer Diener nur zum Spiel seines Witzes, und ihre kleinliche Titelsucht zum Mitleid, den Stoff geliehen. — Aber diesmal wurden ihre Wünsche über ihre Erwartung erfüllt; wie wohl auch hier das Schicksal den Becher wohlthätiger Gewährung mit einigen Tropfen Wermuth vermischte.

„O wärst du Philemon und ich Bauzis!“ seufzte abermals Ludmilla, und kräuselte mit Thränen im Auge, die blendend weiße Straußfeder, welche jetzt den Generalsgrad ihres Alexis auf seinem Hute bezeichnen sollte —

„Dann hätten wir Beide ein halbes Sekulum mehr von unserm Lebensknaul abgewickelt“ nahm der neucreirte Feldherr das Wort. „Aber ich glaube, meine Bauzis würde noch auf die gesunden Pulsschläge ihres Philemons eifersüchtig seyn; sie würde wähnen, so lange uns Beide nicht ein und dasselbe Grab deckte — mit dem Himmel hadern zu müssen, daß ich mein — wenn auch schon gebrochnes Auge nach Süden wende, während Ihr matter Blick nach Osten gerichtet ist.“

„Mir das? — o Alexis! Wie ungerecht seyd Ihr Männer!“

„Und wie wankelmüthig ihr Weiber! — Noch vor einigen Wochen war dein heißester Wunsch, mich im Dienst des Vaterlandes an dasselbe gefesselt zu sehen. Und jetzt, da alles nach deinem Verlangen sich fügt, schwimmt dein Auge in Thränen.“

„Soll ich fröhlich der Gefahr, dich auf immer zu verlieren — Dank zulächeln? — Kann dich nur dann dein Vaterland fesseln, wenn ein bevorstehender Krieg dich auffordert für dasselbe zu bluten; dein Weib zur Wittwe, deine Kinder zu Waisen zu machen — o so verlaß es! Darf ich dir nicht folgen, so weiß ich doch dein Leben in Sicherheit.“

„Ludmilla! — Wahrlich, nur dem Uebermaaß deiner Liebe verzeih ich die mehr als weibliche Schwäche. — In einem frommen Stift erzogen, lerntest du wohl die Erfordernisse zarter weiblicher Tugend kennen — aber für die gemeinsten Begriffe von der Ehre des Mannes scheinst du keinen Sinn zu haben; deßhalb würde ich Erläuterungen dieser Art bei dir nur tauben Ohren predigen.“

„Ach, leider weiß ich, daß den Männern das Phantom der Ehre heiliger seyn muß, als die reellere stille Zufriedenheit häuslichen Familien Glücks! — Aber ich bin zu wenig Heldin, um mich mit Anerkennung dieser Nothwendigkeit zu trösten.“