„Aber doch wohl billig genug, mir zu glauben, wenn ich Dir — eben als Mann von Ehre betheure: daß ich mich, Dich und Deine Kinder brandmarkte, blieb ich müßig daheim und nähme die Aufforderung des Fürsten nicht an — und Dich dann mit dieser Ueberzeugung zu beruhigen?“

„Freilich, das Generalat über sämmtliche Truppen ist zu ehrenvoll! — Aber der drohende böse Krieg“ — —

„Bewog mich, das Generals-Patent anzunehmen. Ich bin kein Held in Friedenszeiten! — Der Fürst soll sich hoffentlich in seiner Erwartung nicht betrogen haben.“

Und Alexis rechtfertigte das Vertrauen des Fürsten, welcher nicht allein mit seinem ansehnlichen Reichscontingent — so er zu dem ausbrechenden Kriege stellen zu müssen erwartete — Ehre einlegen, sondern auch sein Land auf den Nothfall in gehörigen Defensionsstand setzen wollte. — Hier war es, wo Graf Wallersee zu gewinnen stand. Ruhm und Ehre konnten ihm, auf dem Posten, den er jetzt bekleidete, weder geschmälert, noch seinen Plänen in der Armee, deren Befehlshaber er war, entgegengearbeitet werden. Er organisirte seine Truppen nach der bessern Einsicht eines geschickten Feldherrn, bereiste die Gränzen, ließ die befestigten Plätze ausbessern, sorgte für Vorräthe, setzte die Feldbäckerei, das Proviantfuhrwesen in Stande, und zwar alles in der größten Stille. Als die übrigen Hülfs-Armeen, erst aus ihrem Schlummer geweckt, den Wind sondirten, um zu wissen, welche Segel wohl aufzuspannen wären, erwartete das Wallerseesche Korps schon längst nur die Ordre zu satteln und aufzumarschieren.

Der Krieg dauerte kurze Zeit; Hauptaktionen waren wenig vorgefallen. Krankheiten unter den Truppen, Noth und Theurung in den Ländern, wo sich der Feind einlagerte, Marodiren der undisciplinirten Korps, die nicht selten Raub und Plünderung schwachbesetzter Ortschaften zur Folge hatten, waren allein die Furien, die den träg dahin schleichenden Mars begleiteten, und seine Saumseligkeit durch ihre Aktivität ersetzten.

Demohnerachtet hatten sich die ***schen Truppen, deren Chef Graf Wallersee war, bei jeder Gelegenheit durch Ordnung, Ambition und Muth ausgezeichnet. Es ereigneten sich mehrere Fälle, in denen Alexis bewies, daß der Kommandostab in den Händen eines vollkommnen Genies und sein Fürst mit Fug und Recht stolz war, ihm solchen überreicht zu haben. —

Arnulph hielt jetzt die Alliance mit diesem Fürsten ungleich wichtiger, da die Dauer des so bald erfolgten Friedens eine eben so baldige Endschaft befürchten ließ; um so willkommner war ihm die schon vorhin erwähnte Verbindung beider Häuser durch die Vermählung des jüngern Prinzen von *** mit einer Nichte des Königs. Die wegen des Krieges abgebrochnen Unterhandlungen wurden wieder angeknüpft. General-Lieutenant Wallersee übernahm den ehrenvollen Auftrag, als fürstlicher Freiwerber sich Arnulphen vorzustellen, und dieser empfing ihn mit einer Auszeichnung, welche von einem Arnulph, dessen Art zu schmeicheln zwiefach berauschend war — unserm Alexis die vollkommenste Genugthuung für ehemalige Mißverständnisse gab. — Nicht allein die Vermählung wurde unter sehr vortheilhaften Bedingungen für das fürstliche Haus angenommen, sondern Verbindungen für alle künftige Fälle zwischen beiden Regenten geschlossen, welche dem Stolz des Einen, und den reellen Vortheilen des Andern sehr wesentlich entsprachen.

Mit Ehrenbezeugungen, mit königlichen Freundschaftsversicherungen überhäuft, mit dem Orden des Königlichen Adlers geziert, kehrte Alexis von seiner Gesandschaft zurück. Fast hielt sich der Fürst außer Stande, ihn — der nur durch Nahrung seines unbegränzten Ehrgefühls belohnt werden konnte, seine Dankbarkeit zu bezeugen. Das Gouvernement über sämmtliche fürstliche Staaten war ihm ohnedem gewiß, und Serenissimus gewannen selbst dabei, wenn er es jetzt anzutreten sich nicht weigerte.


Gräfin Wallersee war schon seit dem letztern Feldzug ihres Gemahls in die Residenz geflüchtet. Die Fürstin liebte die fromme sanfte Ludmilla, sie wollte ihr die Abwesenheit des theuern Gatten weniger fühlbar machen, und durch die Zerstreuung in der Gesellschaft ihrer erhabnen Freundin die trauernde Halb-Wittwe aufheitern. Auf dem Flügel der Burg, wo die Zimmer der Fürstin waren, wurden auch Ludmilla’s Zimmer eingerichtet, die sie beziehen mußte, so gern sie auch der Sehnsucht nach ihrem Alexis, der Sorge für sein Leben — während er den Gefahren des Krieges ausgesetzt war, sich still und einsam überlassen hätte.