Alexis hob Seraphinen auf seinen Arm. „Daß ich dich an diesem Herzen nicht mit dem dir verschwisterten Engel Adelaide verketten darf. Fürchten Sie nichts, Signora! die Aehnlichkeit meiner beiden Lieblinge sorgt dafür, daß die Gegenwart der Einen die Sehnsucht nach der Abwesenden wie ihr Andenken sich stets gleich neu und lebendig bleibt.“

Den Abend vor seiner Abreise war der Trauernde noch einmal zu Giulianens Grab geschlichen. Zynthio kam an der Hand des um ihn schon bekümmert gewesenen Prospero, und weckte ihn aus einer dreistündigen Träumerei.

„Heiliger Franzesko!“ sagte dieser — „hier ist wohl eine Schlafstätte für die Todten, aber nicht für die Lebenden.“ —

„Ich habe auch nicht geschlafen, mein Freund! aber geruhet, süß geruhet und geträumt, wie nur Selige träumen können. Der Himmel schien mir aufgethan — Giuliane in den Glanz einer Verklärten! — wahrlich, Prospero! — säße ich auf dem Stuhl Petri’s, morgen spräche ich sie heilig, ohne jede weitere Formalität; und sie wäre es mit mehrerer Dignität als eure Maria Magdalena, Luzia, Agatha und so weiter.“

Der römisch-gläubige Christ schlug ein dreifaches Kreuz, und blickte ängstlich um sich, ob etwa noch ein andrer Ohrenzeuge an der frevelnden Raserey eines Ketzers ein Aergerniß genommen.

„Die — die Nachtluft — Signor!!!“ stammelte er mit sichtbarem Entsetzen — „die übermäßige Betrübniß — hat Ihr Bewußtseyn, Ihre gesunden Sinne umnebelt. — Heilige Mutter Gottes! — glaube mir Zynthio — Excellenz wußten jetzt selbst nicht was sie redeten.“

„Und darum ist mir auch die Sünde nicht zuzurechnen; unterbrach ihn lächelnd Alexis. — Wirklich, ich war in einem Taumel, den ich Ihnen freilich nicht anders verständlich machen konnte.“

Signora Prospero begleitete ihn mit preßhafter Gemüthsbewegung in sein Zimmer. „Was sollen die Kostbarkeiten, die wahrscheinlich Seraphinen bestimmt sind — in meiner Verwahrung?“ —

„Nach ihrem Ableben erst, Madame! — Bis dahin würdigen Sie das Geschmeide, sich dessen zu bedienen, es wird ihrer Pflegetochter einst ein desto heiligeres Kleinod seyn.“

„Nicht also, Herr Graf! — und verzeihen Sie, auch nichts weniger als rathsam. Nur glanzlose Bescheidenheit kann unser Geheimniß decken. Seraphine ist“ — —