„Graf Wallersee’s Tochter — nahm imponirend der General das Wort, — diese Diamanten sind wohl das wenigste was ihr gebühret.“
„Soll, darf sie einst als Gräfin Wallersee ihre Rechte gültig machen? — Hier ließ sich des edlen Mannes Großmuth doch wohl über die Schranken nöthiger Vorsicht führen. Einem ruhigen bürgerlichen Leben gewidmet, ist Seraphine schon hinlänglich mit dem erkauften Grundstück und für sie niedergelegten Kapital ausgestattet. — Solche Attribute des Reichthums, wie diese Diamanten, erregen Aufsehen, reizen die Lästerzungen des Neides, die Aufmerksamkeit der Feinde unsrer guten Giuliane; die Bosheit achtet den Raum von hundert Meilen nicht, ihre Stimme könnte bis nach Deutschland dringen.“ —
„Ich pflichte Ihrer Meinung bei; Seraphinens Glück selbst hängt von behutsamer Ausübung meiner väterlichen Pflicht ab. — Jedoch diese Ihnen anstößigen Steine, nehme ich schlechterdings nicht wieder zurück. — Gewinnen Sie die prunkende Kleinigkeit meinetwegen im Spiel von einem portugiesischen Juden, oder lassen Sie sie die Erbschaft einer alten Base in Palermo seyn, deren Sie, wenn ich nicht irre, dort einige in Vorrath haben.“
„Ich soll mich demnach bei der größten Ehrlichkeit der Künste des Schleichhandels bedienen?“ —
„Warum nicht, Signora? — giftigen Insekten wird man nie unverfälschten Honig auftischen. — Weg mit jener kleinen neidischen Brut; schmerzhafter ist es, edle Menschen täuschen zu müssen. — Morgen trete ich mit dem Wurm im Gewissen die Wallfarth zu dem Richterstuhl der Unschuld, des reinen Bewußtseyns an. Ludmilla harret der Wiederkunft des Genesenen, um durch Dankopfer für die Herstellung seiner Gesundheit, seiner Heiterkeit, das schönste Fest ihres Lebens zu feiern!“ —
„Heilige Jungfrau! ohne ein Wunder des Allmächtigen wird sich die Feier in Kummer verwandeln. — Wäre die Seele ruhiger, die toskanischen Quellen könnten dennoch wohl von Nutzen seyn“ —
„Ja, in der Seele sitzt eben das Uebel. Pisa wird mich nicht lange dulden, das Gewühl der üppigen Menschenklasse überhaupt nicht. — Doch an mir soll’s nicht liegen, wenn nicht mein Schmerz sich wenigstens bis zu dem Grade des Ueberdrusses am Leben abspannt — den die der arzneikundigen Herrn schwer zu hebende Hypochondrie nennen, und die Ursach davon geschwächten Verdauungs-Werkzeugen schuld geben. — Ich werde es machen wie die Schulknaben, welche — mit einem verklagenden Konduitenzettel vom Präzeptor fortgeschickt, durch verlängerte Wege und nur zögernd dem väterlichen Hause zu schleichen, in der Meinung, irgend ein Mittel zu finden, die fatale Anklage zu unterdrücken oder durch wohl ersonnene Entschuldigungen zu schwächen.“
Ein schöner Herbst begünstigte diesen Vorsatz; Alexis durchstrich mit seinem in Freude und Erwartung glühenden Zynthio das südliche Frankreich, erheiterte sich durch die Fröhlichkeit, welche ihn jetzt fast überall bei den Festen der Weinlese empfing; er fühlte sich gegen Ende Oktobers an Körper und Geist ermannt genug, nun ohne Saumseligkeit seinen Weg durch die Schweiz nach Deutschland zu nehmen, und daheim — im schlimmsten Fall doch der Vorige wieder zu seyn, der er war, als er es verließ. Erwachte Sehnsucht nach seiner Adelaide, welche wegen der Aehnlichkeit mit ihrer Halbschwester Seraphine ihm jetzt zwiefach theuer war, ließ ihn nicht allein das Ende seiner Reise, je länger sie dauerte, mit Ungeduld entgegen sehen, sondern seine meiste Unterhaltung mit dem kleinen Sicilianer hatte dessen künftige süße Gespielin zum Gegenstand.
„Ah! Signor Comte! sagte dann dieser entzückt und für Verlangen zitternd — ich werde in ihr das Conterfay der heiligen Cäcilia verehren; die schöne Schutzpatronin des Stiftes, in welches mein Oheim mich öfters führte.“