„Nun, ich schmeichle mir allenfalls auf ein solches Vertrauen Anspruch machen zu dürfen.“
„Das habe ich vernommen von ihren Leuten, von dem Chirurgus, der sie besucht, und schließe es aus der Liebe, die der kleine Welsche, an dem Sie, wie ich gehört, Barmherzigkeit üben, für seinen Wohlthäter hegt. Er hat den Wundarzt, so erzählt dieser, mit Thränen angelegen, Sie bald Ihrer Schmerzen zu befreien.“
„Der Knabe hat eine schöne weiche Seele! — aber kurz zur Sache; wodurch kann ich Ihnen mein Gutseyn beweisen? — Worinnen bedürften Sie die Hülfe eines Menschenfreundes?“ —
„Ich für mich in nichts, Herr Graf! — Aber dieser Bube hier, dem könnte es zu statten kommen. Ein ehrlicher Westphälinger, aus Düsseldorf gebürtig.“
„Eine Waise?“ —
„Wie man’s nimmt, wenigstens eine vaterlose Waise.“
„Ich verstehe; so ein vom Herrn Papa nicht anerkanntes Kind der Liebe.“
„Da sey Gott vor. Nein, er ist in rechtmäßiger Ehe erzeugt. Seine Mutter lebt noch, in Saus und Braus, in Freud und Herrlichkeit. Im Hause der Großeltern geht’s zu wie beim reichen Mann. Nur der Vater — dem es vor der Stirn juckte, und die Galle überkochte, als um seine Ehre Pfänderspiel getrieben wurde, starb hier in Elend, und ich erbte seinen Sohn, diesen Buben hier.“
„Aha! — Freilich es ist oft ein Unglück, so kitzlich zu seyn. Aber noch begreife ich nicht recht; soll ich den Knaben zu seiner Mutter, zu den Großeltern schaffen?“ —
„Bewahre Gott! das wäre gegen den Willen seines Vaters, der mich noch im Sterben bat, die Rückkehr des Kindes dahin zu verhüten. Nein, lieber soll er sein Brod unter fremden Leuten suchen.“