„Er schläft? — Diese Ruhe gäbe ihm neue Kräfte? — O, Adelaide! gutes Kind! täusche mich nicht mit eitler Hoffnung!“ — bat die trostbedürftige Mutter.

Weh mir, wenn ich dieser Schwachheit fähig wäre! — Fassung, liebe Mutter! oder — erleichtern Sie jetzt ihr Herz durch Thränen. — Diese Ruhe giebt ihm Kraft, uns noch einmal zu segnen, und dann im wohlthätigsten Bewußtseyn erfüllter Vater- und Gattenpflicht zu vollenden. — Sein Erwachen wird das letzte seyn für dieses Leben.

Die Generalin sank laut schluchzend auf das Sopha.

„Schwester, ich bewundere deine Standhaftigkeit — sagte Theodor — ein Vaterherz hört alsdann auf zu schlagen, daß im Uebermaaß der Liebe für dich, beinah für jedes andre Gefühl des Wohlwollens verarmte.“

Diese Standhaftigkeit verdanke ich dem Todesengel, der nicht allein dieses Vaterherz zu brechen erschienen ist — sondern auch mir im Buche der Zukunft ein Blatt aufzuschlagen, dessen dunkler Spruch mich zu muthiger Resignation erhebt! —

Zynthio schlich in dumpfer Betäubung mit der Nachricht herein, daß der General erwacht sey, und nach der Familie verlange; auch Theodor, dessen Anwesenheit ihm gemeldet — solle kommen. — Auf ihre beiden Kinder gestützt, wankte die fast selbst mit dem Tode ringende Gattin, an das Bette des von ihr so innigst geliebten Gemahls; unwillkührlich sank sie auf die Knie vor demselben, und bedeckte mit Küssen und Thränen die kalte feuchte Hand ihres Alexis. Adelaide und Theodor standen zu den Füßen des Bettes.

„Gut, mein Sohn, daß du kommst und deinen Vater sterben siehst,“ sagte mit vernehmlicher, aber sanfter Stimme der General — „ehre deine Mutter, ehre das Andenken an diese Stunde, und die Stunde deines Todes wird dir so leicht und sanft werden, wie es mir die meinige ist. Das Uebrige wirst du aus meinem letzten Willen ersehen. Dein ist die Wahl, so oder so; ich habe mich auf jeden Fall mit dir abgefunden.“

Theodor hielt beide Hände gefaltet vor die glühende Stirn, seine Brust hob sich schwer athmend — Mein Vater! rief er gepreßt — so scheiden Sie von mir? — O vernichten Sie mich! —

„Mein Sohn! — ich scheide von dir als dein gerechter aber nicht erzürnter Vater! dies dein Segen — verdiene ihn. — Adelaide, wir Beide haben uns für diese Welt nichts mehr zu sagen, wir haben uns verstanden, und ich bin deinetwegen ruhig. — Auf Wiedersehen!“