„Graf Bendheim, Sie haben erlauscht, was ich so eben mit meinem Vater sprach; raunte der Erbprinz dem Legationsrath zu, als sich der Fürst mit dem Oberjägermeister vertiefte — und ich habe das höhnende Manöver Ihrer Gesichtszüge bemerkt. Ich bitte ferner aufmerksam zu seyn; auch die Ueberreste des Grafen, seinen Schatten werde ich mit besonderer Strenge und Wachsamkeit vor dickbenannten Insekten zu schützen wissen. Sie haben mich verstanden — denn uns beiden ist diese Metapher kein Räthsel.“
Der Legationsrath biß sich wüthend auf die Lippen; heuchelnd gelobte er, die Meinungen und Winke Seiner Durchlaucht zu ehren. — Das Räthsel selbst blieb vor der Hand noch unter fürstlichem Siegel bewahrt.
Die Testamentseröfnung rechtfertigte die mütterlichen Besorgnisse der Generalin. Theodor trat nur unter den von ihm verworfenen Bedingungen, in den Besitz — der für den Fall ihrer Erfüllung, zu Majorat ernannten Herrschaften Wallersee und Tomsdorf — dahingegen bei Nichtachtung der ihm vorgeschriebenen Bestimmung, er mit einem Kapital von 10,000 Thaler ein für allemal abzufinden, und Adelaide zur Universalerbin ernannt war. Selbst über das ansehnliche Witthum durfte die leichter verzeihende Mutter nicht nach Willkühr zu Vermächtnissen disponiren. Nur ein Drittheil fiel nach deren Tode an den ungehorsamen Sohn — das Uebrige ebenfalls der geliebtern Tochter zu. — Endlich hatte der Testator, unter der Garantie der Regierung selbst, verfügt: daß Adelaide mit dem Beschluß ihres achtzehnten Jahres für mündig erklärt, und vermählte sie sich vor Erreichung dieses Alters — noch vor ihrer Heirath der Minderjährigkeit enthoben werden sollte, wo sie alsdenn frey über ihr Vermögen zu schalten und zu walten hätte, welches, wenn sich Theodor auch der beiden Herrschaften Tomsdorf und Wallersee würdig machte — dennoch beträchtliche Reichthümer in sich faßte.
Man schüttelte die Köpfe, definirte und verwarf wieder die mühsam herausgerechneten Muthmaßungen über dieses sonderbare Testament: — lobte des verstorbenen Generals Klugheit und Vorliebe für seine Tochter, der nun von allen Seiten Freyers-Attaken droheten — während andere den mit offenbarem Unrecht in Nachtheil zurückgesetzten Sohn bedauerten.
„Ich habe einen Stiefvater verloren,“ sagte dieser bitter lächelnd — „in dieser Hinsicht betrachtet, ist das Legatchen von zehntausend Thaler immer ein sehr respectabler Beweis seiner Großmuth.“
„Nicht doch,“ flehete die Schwester liebreich — „Du wirst Majorathsherr, verbindest dich mit der schönen Sophie, und sicherst dir das Glück eines dankbaren guten Sohnes, das nur der zärtlichste Vater dir so bestimmen konnte.“
„Nur an den Ufern der Seine blüht das meinige; in den Armen einer Julie La Valette kann ich das Loos eines verstoßnen Sohnes vergessen!“ —
Adelaide erblaßte. — Welchen Gefahren willst du dich Preiß geben? — Kennst du diese Julie La Valette? —
„Sieh hier ihr Bild. Ihr Cousin gab es mir; wir stehen seit länger als einem Jahre in Briefwechsel. Der Weg zu meiner Carriere in Frankreich ist bereits gebahnt; des Vaters Tod öffnete mir die Schranken“ —
Eines Labyrinths vielleicht — erfahrungslos, ohne Freund! — ich beschwöre dich — wäge deinen Entschluß; höre die Warnungen meines beängsteten ahnenden Herzens!