Schon berechnete man nach Tagen in den Apartements der Fürstin die Auflösungsstunde der zum Grabe keuchenden Gräfin Soly; schon hatten erneuerte Zusagen und süßschmeichelnde Trostgründe ihrer erhabenen Busenfreundin, die Betrübniß der verwittweten Generalin in sanftwehmüthiges Andenken an den ihr entrissenen Alexis übergehen lassen; auch Adelaide lächelte mit theilnehmender Gefälligkeit den fröhlichen Bildern, welche sich die freudentrunkne Mathilde in der zu hoffenden Wiedervereinigung mit ihrer geliebten Jugendgespielin in dem rosigsten Kolorit erschuf. — Die Abwesenheit des Erbprinzen, welcher wenige Wochen nach dem Tode des Generals eine Reise nach B*** antreten müssen, um hoher Absicht zufolge, während eines für längere Zeit bestimmten Aufenthaltes daselbst, sich um seine künftige Gemahlin verdient zu machen — hob jede Bedenklichkeit Ludmillas und ihrer Tochter. — Nur Zynthio ließ banger Ahndung voll den Kopf sinken, und riß in bebenden Molltönen tragisch gehaltene Akkorde, wenn eben Adelaide einen Gesang an die Hoffnung gerichtet, anstimmen wollte. — Man lachte des Schwermuths-Berauschten; aber bald schwand dieses Lachen.

Jener Würger, dessen verheerende Thätigkeit öfterer das stille Glück liebender und geliebter Verbundenen in nahmenlosen Schmerz verwandelt, als die Wünsche der Erben reicher Greise, der Sklaven entbehrlicher Tyrannen — ja selbst das Flehen so vieler von jeder Freude verlassener und nur von Schmerz und Leiden heimgesuchter Unglücklichen in Erfüllung bringt — jener herzlose Freudenstörer streckte die knöcherne raubgierige Hand nicht nach der siebzigjährigen Oberhofmeisterin, sondern nach der kaum das fünfte Stufenjahr betretenden edlen Erzieherin Mathildens und deren Freundin. Ein heftiges Fieber zerrüttete das schwache Nervensystem der schon seit längerer Zeit sich ins Geheim dem Grabe nahe fühlenden nun dahinsinkenden Baronin von Treval. Es bedurfte nur wenige Tage zur entscheidenden Vernichtung ihres Lebens. Die unerbittliche Atropos zuckte, und abgemähet sank die allgemein Geliebte, allgemein Bedauerte, in die Arme des Schlafes, aus dem kein Erwachen, weder zu neuem Genuß der Freuden, noch zu drückender Tageslast hienieden statt findet.

Es wird ja nur die Hülle

in Grabes Nacht versenkt,

und Seligkeit die Fülle

dem bessern Seyn geschenkt.

Drum weinet nicht, ihr Lieben!

dem Geist ist wohlgeschehn.

Hört auf, Euch zu betrüben,