„Heisa! trabe der Herr nicht so übermüthig einher!“ — raunte der Landrath seinem Neffen in’s Ohr, als dieser Tages darauf die Nachricht des jungen Baron Milken: Adelaide habe an dem Grafen Bendheim einen eifrigen Bewerber, aber dieser schien in seinen Bemühungen nicht glücklich zu seyn, und habe Wallersee vor ein Paar Tagen wieder sehr aufgebracht verlassen — mit fröhlichem Lachen aufnahm, und seinen Witz über den abgewiesenen Seladon spielen ließ. „Morgen wird sich’s entscheiden, ob er über Bendheim triumphiren, oder sich mit ihm werde trösten müssen.“
Der Landrath ritt nach Wallersee; gegen Abend kam er zurück. Seine Familie empfing ihn mit Fragen, wie es um das Befinden der Damen dort stehe? ob er von der Comtesse das neue Modejournal, von der Haushälterin die vollständige Koch- und Backereikunst, und von der Generalin den russischen Thee bekommen und wohlbehalten mitgebracht habe?
Alles das könnt ihr dort selbst in Empfang nehmen — erwiederte der bestürmte Kommissionair. — Karoline packt ihre Habseligkeiten, so viel sie deren auf einige Wochen bedarf, zusammen, und Mutter Friederike bringt morgen früh ihr Töchterchen nach Wallersee, wohin sie freundlichst eingeladen, und auf so lange, als es ihr dort gefällt, herzlich willkommen ist. — Die Comtesse verspricht dir viel Vergnügen, ein neues englisches Fortepiano, wie dir noch keines dergleichen vorgekommen, neue Moden, dir völlig den Kopf zu verdrehen, Affen und Papagoys, dich mit ihnen lehrreich zu unterhalten — alles dieß ist unterdessen angekommen, und von Euch Frauenzimmern noch nicht angestaunt worden. — Säumt nicht, morgen mit dem Frühesten ist für Euch angespannt.
O scharmant! rief erfreut Karoline, und hüpfte fort, ihre Reiseanstalten zu treffen.
Recht gern, sagte die Landräthin — es war längst mein Wunsch, die Generalin selbst zu besuchen; nur wagte ich ihn nicht zu äußern — wegen der Pferde, die du doch jetzt nicht gern in der Wirthschaft missest.
Muß wohl; wer kann so artigen Damen etwas abschlagen. — Jetzt, liebes Riekchen, sey auch du galant, und sorge für meinen Nacht-Imbiß; der Ritt hat mir Apetit gemacht.
Die Landräthin ging mit freundlichem Behagen an der bevorstehenden Lustreise ihren häuslichen Geschäften nach. Julius sah sich nun mit seinem Onkel allein; bange Erwartung des ihn angehenden Berichts aus Wallersee schloß ihm den Mund, so sehr ihm auch die Frage: Wie denkt Adelaide meiner? — das Herz drückte.
Der Landrath ließ ihn nicht lange in Ungewißheit: „Und mit dem, wovon wir gesprochen haben, lieber Neffe, ists nichts, rein nichts!! — Ich bedaure dich, wahrlich ich bedaure dich! — Du hättest ein glückliches Loos gezogen, wäre dies Mädchen dir zu theil geworden.“
Warum aber verschmäht sie mich? — stotterte Julius — So ist sie schon versagt —