Schon leuchteten schimmernde Lüster mit ihren Kerzen von Plafond und Wänden, dem zum fröhlichen Tanz aufgeforderten Gesellschaftskreis im Schlosse Wallersee. Die Generalin hatte Adelaidens Geburtstag zu feiern, den benachbarten Land- und Stadt-Adel zu Mittag und Abend eingeladen; ein glänzender Ball sollte den jungen Gästen das Fest verherrlichen. Adelaide war eben nach dem ersten Tanz der rauschenden Freude entflohen, um in ihrem Boudoir auf einer Ottomane ruhend ein halbes Stündchen die ihr nöthige Erholung zu genießen. Zynthio saß zu ihren Füßen und begleitete auf der Guitarre den Gesang einer Hymne, die seine Gefühle an dem heutigen Tage bezeichneten.
„Die Antwort, lieber feuriger Sänger, bleibe ich dir schuldig, bis ich einst als Bürgerin eines andern Gestirns — vielleicht des Syrius, mit gleicher Kraft mich dir mitzutheilen vermag“ sagte Adelaide, als er endete, und legte die Hand auf seinen Kopf, den er in die Küssen der Ottomane drückte, und dumpfe Seufzer bewiesen, daß ihm die Brust zu enge geworden. Julius lehnte in der Nische an einer Konsole, auf der eine Sphynx lag, und starrte, wie es schien, gedankenlos — eigentlich aber überwältigt von unnennbaren Gefühlen, auf Beide hin. — Optischer Mondenschein beleuchtete die Gruppe und machte es einem Zaubergemählde ähnlich. Der Duft eines Amphitheaters, welches auf der Lichtseite dieses in orientalischem Geschmack mit seidener Drapperie bekleideten Kabinets, mit blühenden Rosenbäumen, Jasmin und Jonquillen prangte — vollendete den Sinnenrausch. Da rief Adelaide:
„Allmächtiger Gott! lebe ich schon in einer Geisterwelt? welche Erscheinung? — Prinz Louis!“ —
„Keine Erscheinung aus der Geisterwelt, theure Gräfin! Ich bin es wirklich, noch mit allen irdischen Umgebungen, Fehlern und Leidenschaften“ — antwortete der Erbprinz, welcher unbemerkt durch eine Seitenthür eingetreten war, und umarmte Adelaiden — „diesen Kuß von meiner Schwester Mathilde; ich habe geschworen, ihn treulich zu überliefern — selbst auf die Gefahr, daß Sie es unverzeihlich finden werden.“
„O meine holde Mathilde!“ fiel Adelaide ein — „Sie ist doch heiter und wohl?“
„Sie trauert fern von ihrem Liebling. Seit Adelaide sich von ihrer Seite riß, verflossen unsere Tage freudenleer. Wie neidete sie mir die Aussicht auf diese Stunde!“
„Verzeihen Sie, Monseigneur! wenn ich in dieser Stunde Besinnung und Neugier genug habe, zu fragen: welcher Zufall mir diese Ueberraschung gewährte?“ —
„Zufall? — O so ist mein Herz, mein ganzes Wesen, das nur in der Hoffnung, Sie wieder zu sehen, lebte — auch Zufall! — Konnte Adelaide glauben, daß der achtzehnte November mir nicht heiliger sey, als daß ich etliche zwanzig Meilen Umweg, auf meiner Reise nach ***“ — —
„Also doch wieder auf der Reise nach ***? — O mein Prinz, nun bin ich beruhigt. Darf ich aber auch hoffen, daß Ew. Durchlaucht fein artig und wohlgemuth sich den Carneval in der königlichen Residenz zu *** gefallen lassen werden?“ —
„Wie es kommt, noch stehe ich für nichts. — Sieh da, Signor Camillo! fragen Sie diesen, was menschliche Kräfte vermögen“ —