„Hier Graf Hochberg“ — nahm Adelaide schnell das Wort, indem sie den Ritter dem Erbprinzen vorstellte. Auf ihre Bitten gieng man zur Gesellschaft, die bei dem Eintritt Sr. Durchlaucht große Augen machte, und die Freude schien dem Erstaunen so wie der Ehrfurcht zu weichen. Doch Adelaide winkte mit ihrem Zauberstab dieser flüchtigen Freundin, zurückzukehren. Die Gräfin mischte sich in die Reihen der Tanzenden, und die vorige zwanglose Höflichkeit behauptete wieder ihr Recht.
Nur der Prinz und Julius konnten diesem rauschenden Feste keinen Geschmack abgewinnen. Beide in stummer Unterhaltung neben einander stehend, verfolgten mit ihren Blicken Psyche, wie sie auf Amors Fittigen die Reihen durchschwebte so sorgsam — als fürchteten sie, eine Wolke würde die Huldin im nächsten Moment ihren Augen entrücken. Die Generalin bot dem Prinzen ihr Spiel an — denn tanzen wollte und konnte er in seinem Reise-Apparat nicht; auch das Spiel schlug er aus, und bat ihro Excellenz dringend, sich in ihrer Parthie nicht stören zu lassen. — „Sie wird doch nicht den ganzen Abend tanzen!“ — dachte er; und Julius tröstete sich seinerseits mit der Hoffnung, daß Sr. Durchlaucht zuverlässig morgen ihre Reise fortzusetzen geruhen würden.
Bald kam Adelaide am Arm des biedern Landraths von Elfen — „Mon Prince. Mit der süßen Ueberzeugung, daß ich den Dank Ew. Durchlaucht verdienen werde, präsentire ich Ihnen hier einen sehr edlen Mann. Solche Stützen einst Ihrem Thron — und Engel beneiden dann Ihre Unterthanen. Zwar würde dieser redliche Patriot nicht nur mir, sondern selbst der liebenswürdigen Prinzessin Mathilde einen englischen Tanz abschlagen — aber Wahrheit und Treue für seinen Fürsten mit seinem Blute besiegeln.“
Das reine Bewußtseyn, Adelaide habe nicht zu viel von ihm verheißen, und die Freude, mit diesem redlichen Herzen vor seinem künftigen Regenten zu stehen, verjüngte das Feuerauge und die sprechenden Gesichtszüge des edlen Mannes. Der Prinz hätte keinen Sinn für Menschenwerth haben müssen, wenn er die nähere Bekanntschaft mit dem Landrath leichthin und kalt hätte aufnehmen können; und kaum faßte er mit traulicher Freundlichkeit des biedern Elfens Hand, so ergriff Adelaide des Ritters Arm und sagte:
„Diese schöne, Segen bringende Stunde wollen wir profanen Leutchen mit unserer flüchtigern Consequenz nicht entweihen. Kommen Sie Graf — Ihre Braut erwartet Sie zum nächsten Walzer.“
„Meine Braut?“ — wiederholte leise der Ritter, und kalter Schauer rüttelte ihn wie Fieberfrost. Caroline kam ihm entgegen, ein heftiger Schwindel, der ihn beinahe zum Sinken brachte, überhob ihn der Qual, mit seiner Verlobten zu tanzen.
Wohl dir, unbefangenes Kind der Natur, daß dein Forscherblick noch nicht die Tiefen des Herzens deines Julius erreichte — besorgt um den geliebten Mann warst du froh, ohne Arges zu ahnden, als er dich seines besser Befindens versicherte, und nur die Nothwendigkeit der Ruhe vorschützte. Beruhigt hüpftest du zum Tummelplatz der Freude, und vereinigtest deine Bitten mit den Wünschen des treulosen Geliebten, daß sich dieser unter Adelaidens Vorsorge wieder erholen dürfe. — Die Gräfin sah schärfer, sie ahndete die Gefahr für deine schönsten Hoffnungen, und — Zynthio mußte ihre Pflicht der Gastfreundschaft übernehmen. Dies hatte der Patient nicht erwartet, und schneller als man hoffen durfte, war er wieder hergestellt genug, um sich der lästigen Gesellschaft des ihm unerträglichen Sicilianers zu entziehen.
„Vous êtes servi, Monseigneur!“ meldete die Generalin mit etiquettualischer Ehrfurcht dem Prinzen; dieser führte sie in das Tafelzimmer, hier aber bat er schmeichelnd: „Wenn ihro Excellenz mich glücklich machen wollen, so erlauben Sie mir promenirend zu soupiren. Sie kennen ja meine Passion die Ronde um die Tafel zu machen, und den Damens aufzuwarten.“
„Selon vos Ordres, pourvu que Votre Altesse se trouve à son Aise“ und so mit erwählte sie sich den Landrath zum Nachbar. Die Tafelrunde — und den Cherubin der Damen zu machen, beschränkten Sr. Durchlaucht bald auf den einzigen Platz hinter Adelaidens Sessel.