Da schreckten Ausrufungen von fremden Stimmen die Träumenden aus ihrem Sinnenschlummer.
Allmächtiger Gott! meine Adelaide! rief eine schlanke weiße Gestalt, der Schleier flog zurück, und Prinzessin Mathilde warf sich laut weinend über die entschlafene Jugendfreundin.
So konnte das Verhängniß meiner spotten? — Ha, im Sarge! — Allweise Vorsehung, die Weissagungen einer schwachen Seele mußtest du wahr machen, um dich zu verherrlichen! — sagte bitter Mathildens Begleiter, der Erbprinz.
So kalt nimmst du den Kuß der treuen Schwester hin? — klagte Mathilde — o du Stolze! — mit dem Tode buhltest du, unserer vergessend; — nicht achtend, daß ohne dich die Welt uns eine Einöde ist! — Zynthio, Zynthio! warum ließest du sie sterben? —
Sterben? — Konnte sie etwas bessers thun? — unterbrach sie in grollender Verzweiflung der Prinz. — Heirathen oder sterben, das sind so die gewöhnlichen Kunstgriffe — den Verschmähten am sichersten das Herz zu zerreißen! —
Zynthio führte ihn schnell in ein Fenster, mehrere Schritte von den Uebrigen hinweg. Prinz! — sagte er ihm leise — diese Nacht um zwei Uhr, wann die Beisetzung vorüber ist — habe ich Ihnen nur wenige Worte zu vertrauen, und Sie werden wünschen, diese Lästerung mit ihrem halben Fürstenthum zurück kaufen zu können.
Nicht um das Wahrzeichen des kleinsten Marktflecken, in diesem Fürstenthume! — Sieh jenen Schmerzenssohn! er darf als der Glücklichere um sie weinen, und sich mit seinem Schmerz brüsten! — ihn konnte sie lieben —
Lieben? fiel bewegt Zynthio ein. — Ja, sie liebte, aber nicht diesen. In der Stunde ihres Todes sagte sie: ich liebte den edelsten der Menschen — aber — er ist Fürst! —
Camillo! — spricht ein guter oder ein böser Geist aus dir? —