Erfolgloser Sturm auf Limerick; die Belagerung aufgehoben.
Am 27. August um drei Uhr Nachmittags, wurde das Zeichen zum Angriff gegeben. Fünfhundert Grenadiere stürmten aus den Laufgräben gegen die Contrescarpe, feuerten ihre Geschütze ab und warfen ihre Granaten. Die Irländer flohen in die Stadt und wurden von den Angreifenden verfolgt, die in ihrem Siegestaumel auf keine Befehle warteten. Hier entspann sich nun ein furchtbarer Straßenkampf. Sobald die Irländer sich von dem ersten Schrecken erholt hatten, hielten sie tapfer Stand, und die durch die Uebermacht erdrückten Engländer wurden mit großem Verlust nach der Contrescarpe zurückgetrieben. Hier fand ein langer und verzweifelter Kampf statt. Wann hätte auch der katholische Celte kämpfen sollen, wenn er nicht an diesem Tage kämpfte? Selbst die Frauen von Limerick nahmen am Kampfe Theil, hielten im heftigsten Feuer aus und warfen Steine und zerbrochene Flaschen auf den Feind. In dem Augenblicke wo der Kampf am heftigsten war, explodirte eine Mine und sprengte ein schönes Grenadierbataillon in die Luft. Vier Stunden dauerte das Gemetzel und Schlachtgetümmel. Die dicke Rauchwolke, die von der Bresche aufstieg, wurde Meilen weit vom Winde fortgetragen und verschwand hinter den Bergen von Clare. Spät am Abend zogen sich die Belagerer langsam und mißmuthig in ihr Lager zurück. Sie hofften, daß am nächsten Morgen ein zweiter Angriff gemacht werden würde, und die Soldaten schwuren, die Stadt zu nehmen oder zu sterben. Aber der Pulvervorrath war jetzt fast gänzlich erschöpft und der Regen fiel in Strömen; die schwarzen Wolkenmassen welche aus Südwesten herangezogen, drohten mit mehr Tod und Verderben als das Schwert, und man hatte mehr Grund zu befürchten, daß die schon jetzt mit tiefem Kothe bedeckten Straßen bald in einem Zustande sein würden, der das Fortkommen von Räderfuhrwerken unmöglich machte. Der König beschloß die Belagerung aufzuheben und seine Truppen in eine gesündere Gegend zu bringen. Er war in der That schon lange genug geblieben, denn nur mit großer Anstrengung konnten seine Kanonen und Wagen durch lange Ochsengespanne fortbewegt werden.[80]
Die Geschichte der ersten Belagerung von Limerick hat in mancher Beziehung große Aehnlichkeit mit der Geschichte der Belagerung von Londonderry. Die Stadt des Südens war, wie die des Nordens, das letzte Asyl einer Kirche und einer Nation. Beide Orte waren mit Flüchtlingen aus allen Theilen Irland’s angefüllt. Beide schienen Männern, welche die Kriegswissenschaft regelrecht studirt hatten, unfähig einem Feinde Widerstand zu leisten. Beide wurden im Augenblicke der höchsten Gefahr von den Befehlshabern verlassen, die sie hätten vertheidigen sollen. Lauzun und Tyrconnel gaben Limerick preis, wie Cunningham und Lundy Londonderry preisgegeben hatten. In beiden Fällen kämpften religiöse und patriotische Begeisterung ohne Beistand gegen eine große Uebermacht, und in beiden Fällen erreichten religiöse und patriotische Begeisterung was erfahrene Krieger nur zu versuchen für Wahnsinn erklärt hatten.
Tyrconnel und Lauzun gehen nach Frankreich.
Es war keine angenehme Ueberraschung für Lauzun und Tyrconnel, als sie in Galway den glücklichen Ausgang des Kampfes erfuhren, an welchem sie Theil zu nehmen sich geweigert hatten. Sie hatten Irland satt, und da sie überdies fürchteten, daß ihr Benehmen in Frankreich ungünstig beurtheilt werden möchte, beschlossen sie ihren Anklägern zuvorzukommen und schifften sich zusammen nach dem Continent ein.
Bevor Tyrconnel abreiste, übertrug er seine Civilautorität einem Collegium, seine militärische Autorität einem andren. Der junge Herzog von Berwick wurde zum Oberbefehlshaber erklärt; doch war diese Würde blos nominell. Sarsfield, der unbestreitbar der erste irische Soldat war, nahm in der Liste des Rathes, dem die Leitung des Kriegs übertragen war, die letzte Stelle ein, und Manche glaubten, daß er gar nicht in derselben figurirt haben würde, hätte der Vicekönig nicht gefürchtet, durch Weglassung eines so populären Mannes eine Meuterei herbeizuführen.
Wilhelm kehrt nach England zurück.
Wilhelm war inzwischen in Waterford angekommen und von hier nach England gesegelt. Vor seiner Einschiffung übertrug er die Verwaltung Irland’s drei Lords Justices. Heinrich Sidney, jetzt Viscount Sidney, war der erste Commissar, und ihm standen Coningsby und Sir Karl Porter zur Seite. Porter hatte früher das große Siegel bewahrt, es war ihm aber, lediglich weil er Protestant war, von Jakob abgenommen worden, und jetzt erhielt er es von Wilhelm wieder.