In Schottland hatte sich die Gestalt der Dinge, wie in Irland, während dieses denkwürdigen Sommers bedeutend in gutem Sinne geändert. Der Club mißvergnügter Whigs, der im vorhergehenden Jahre das Parlament beherrscht, die Minister eingeschüchtert, die Steuern verweigert und die Functionen des Staatssiegels gehemmt hatte, war der allgemeinen Verachtung anheimgefallen und hatte endlich aufgehört zu existiren. Der Souverain harmonirte mit den Ständen und der lange Kampf zwischen zwei Formen des Kirchenregiments war auf dem einzigen, mit der Ruhe und dem Gedeihen des Landes vereinbaren Wege beendigt worden.

Intriguen Montgomery’s mit den Jakobiten.

Dieser glückliche Umschwung der Dinge muß hauptsächlich den Fehlgriffen des perfiden, unruhigen und rachsüchtigen Montgomery zugeschrieben werden. Einige Wochen nach dem Schlusse der Session, während der er eine unbegrenzte Autorität über das schottische Parlament ausgeübt hatte, begab er sich mit seinen beiden Hauptverbündeten, dem Earl von Annandale und Lord Roß, nach London. Die Drei hatten eine Audienz bei Wilhelm und überreichten ihm ein Manifest, in welchem ihre Forderungen für das Gemeinwohl dargelegt waren. Sie würden sehr bald einen andren Ton angenommen haben, wenn er ihnen bewilligt hätte, was sie für sich selbst verlangten. Aber er zürnte ihnen heftig wegen ihres Benehmens und war entschlossen, sie dafür daß sie ihm geschadet, nicht noch zu bezahlen. Der Empfang, der ihnen zu Theil wurde, überzeugte sie, daß sie keine Gunst von ihm zu erwarten hatten. Montgomery war ein Mann von heftigen Leidenschaften, er war arm und brauchte dringend Geld, und wenn er sich nicht bald in ein einträgliches Amt drängen konnte, so lief er Gefahr, im Gefängnisse zu verfaulen. Da keine Aussicht mehr war, daß Wilhelm seine Dienste kaufen würde, so mußten sie Jakob angeboten werden. Ein Vermittler wurde bald gefunden. Montgomery war ein alter Bekannter Ferguson’s. Die beiden Verräther verständigten sich bald. Sie waren verwandte Geister, zwar weit verschieden in Bezug auf Intelligenz, aber in gleichem Grade eitel, ruchlos, falsch und böswillig. Montgomery wurde Neville Payne, einem der gewandtesten und entschlossensten Agenten des verbannten Königshauses, vorgestellt. Payne war seit langer Zeit in der Stadt als ein Kannegießer in Poesie und Politik bekannt. Er war ein intimer Freund des indiscreten und unglücklichen Coleman gewesen und hatte als Theilnehmer an der papistischen Verschwörung in Newgate gesessen. Sein moralischer Character war nicht weit her; aber er hatte bald Gelegenheit zu beweisen, daß er einen Muth und eine Treue besaß, die einer besseren Sache als der Sache Jakob’s und eines besseren Bundesgenossen als Montgomery’s würdig gewesen wären.

Die Unterhandlung endete sehr bald in einen Allianzvertrag. Payne versprach Montgomery mit Bestimmtheit nicht nur Verzeihung, sondern auch Reichthum, Macht und Ehren. Mit eben so großer Zuversicht machte Montgomery sich verbindlich, das schottische Parlament zur Zurückrufung des rechtmäßigen Königs zu bestimmen. Roß und Annandale genehmigten bereitwillig Alles was ihr geschickter und thätiger College vorschlug. Ein Abenteurer, der sich bald Simpson, bald Jones nannte, der stets bereit war, für Geld jeder Regierung zu dienen und jede Regierung zu verrathen und der gleichzeitig von Portland und von Neville Payne besoldet wurde, nahm es auf sich, Jakob die Anerbietungen des Clubs zu überbringen. Montgomery und seine beiden edlen Complicen kehrten nach Edinburg zurück und schritten dort zur Bildung einer Coalition mit ihren alten Feinden, den Vertheidigern der Prälatur und der Willkürherrschaft.[84]

Krieg in den Hochlanden.

Die schottische Opposition, ein wunderliches Gemisch von zwei Parteien, deren eine aller Freiheit feind war, während die andre von keiner Regierung etwas wissen wollte, schmeichelte sich eine Zeit lang mit der Hoffnung, daß der Krieg in den Hochlanden mit verdoppelter Wuth wieder ausbrechen werde. Aber diese Hoffnung wurde getäuscht. Im Frühjahr 1690 kam ein Offizier Namens Buchan aus Irland in Lochaber an. Er hatte ein Patent bei sich, das ihn zum Oberbefehlshaber aller Truppen ernannte, die im ganzen Königreiche Schottland für König Jakob unter den Waffen standen. Cannon, der seit Dundee’s Tode die erste Stelle bekleidet und sich derselben nicht gewachsen gezeigt hatte, wurde der Zweite im Commando. Es wurde jedoch durch diesen Wechsel nicht viel gewonnen. Es war keine leichte Aufgabe, die gälischen Fürsten zur Wiederaufnahme des Kampfes zu bewegen. In der That, ohne den Einfluß und die Beredtsamkeit Lochiel’s würde nicht ein einziges Schwert für das Haus Stuart gezogen worden sein. Nicht ohne Mühe überredete er die Häuptlinge, welche das Jahr vorher bei Killiecrankie gefochten hatten, zu dem Entschlusse zu kommen, daß sie vor Ende des Sommers alle ihre Anhänger aufbieten und in das Niederland einrücken wollten. Inzwischen wurden zwölfhundert Bergschotten verschiedener Stämme unter Buchan’s Commando gestellt, der sich verpflichtete, mit dieser Truppe die englischen Garnisonen beständig durch Scheinangriffe und Streifzüge zu beunruhigen, bis die Zeit zu wichtigeren Operationen gekommen sein würde. Zu dem Ende rückte er in Strathspey ein. Aber alle seine Pläne wurden sehr bald durch die Kühnheit und Gewandtheit Sir Thomas Livingstone’s vereitelt, der Inverneß für König Wilhelm besetzt hielt. Unter der Führung und dem Beistande der Grants, welche der neuen Regierung treu ergeben waren, kam Livingstone mit einem starken Corps Reiterei und Dragonern in Eilmärschen und über steile Gebirgspässe zu der Stelle, wo die Jakobiten ihre Quartiere aufgeschlagen hatten. Mitten in der Nacht erreichte er die Lagerfeuer. Der erste Alarm wurde durch das Einstürmen der Cavallerie über die entsetzten Schildwachen hinweg mitten unter die Celten gegeben, welche in ihre Plaids gehüllt schliefen. Buchan entkam im bloßen Kopfe und ohne Degen. Cannon lief im Hemd davon. Vierhundert Hochländer wurden erschlagen oder gefangen genommen, und die übrigen flohen in ihre Berge und Nebel.[85]

Dieses Ereigniß machte allen Gedanken an einen Bürgerkrieg ein Ende, und die für den Sommer beabsichtigte Zusammenziehung der Mannschaften fand nicht statt. Lochiel war, wenn er auch gewollt hätte, nicht im Stande, die im Fallen begriffene Sache länger zu halten. Er war durch einen Unfall aufs Krankenlager geworfen worden, der allein hinreichte, um zu beweisen, wie wenig durch eine Conföderation der kleinen Gebirgskönige ausgerichtet werden konnte. Bei einer Berathung zwischen den jakobitischen Anführern sprach ein Gentleman aus dem Niederlande sehr hart von jenen Schmarotzern, die ihren Glauben gewechselt, um sich bei König Jakob einzuschmeicheln. Glengarry war einer von Denen, die es für ehrenvoll halten anzunehmen, daß Jedermann beständig die Absicht habe, sie zu beleidigen. Er setzte es sich in den Kopf, daß man auf ihn habe anspielen wollen. „Ich bin ein eben so guter Protestant als Sie,” rief er aus, und setzte ein Wort hinzu, das ein Mann von Ehrgefühl nicht ruhig hinnehmen konnte. In einem Nu waren beide Schwerter aus der Scheide. Lochiel warf sich zwischen die Kämpfenden und während er sie auseinander zu reißen suchte, erhielt er eine Wunde, die man zuerst für tödtlich hielt.[86]

Fort William erbaut.

Der Muth der mißvergnügten Clans war so wirksam gebrochen, daß Mackay ohne auf Widerstand zu stoßen von Perth nach Lochaber marschirte, in Inverlochy sein Hauptquartier aufschlug und zur Ausführung seines Lieblingsplanes schritt, hier eine Festung zu erbauen, welche die aufsätzigen Camerons und Macdonalds in Schach halten konnte. Binnen wenigen Tagen waren die Mauern fertig, die Gräben angelegt und die Pallisaden eingeschlagen, die Brustwehren mit Feldschlangen von einem Kriegsschiffe besetzt, und der General reiste ab, einen Offizier Namens Hill als Commandant einer ausreichenden Besatzung zurücklassend. Innerhalb der Mauern fehlte es nicht an Hafermehl, Pöcklingen und Rindfleisch, und an Branntwein war Ueberfluß vorhanden. Die neue Festung, welche, so eilig und kunstlos sie erbaut war, den Bewohnern der Umgegend ohne Zweifel als das größte Wunderwerk erschien, das die Macht im Verein mit der Wissenschaft je ins Leben gerufen, wurde zu Ehren des Königs Fort William genannt.[87]

Zusammentritt des schottischen Parlaments.