Zusammentritt des Parlaments; Loyalität des Hauses der Gemeinen.

Am 22. November traten die Häuser zusammen. Foley wurde an diesem Tage wieder zum Sprecher erwählt. Am darauffolgenden Tage wurde er vorgestellt und genehmigt. Der König eröffnete die Session mit einer sehr geschickt abgefaßten Rede. Er beglückwünschte seine Zuhörer wegen des günstigen Verlaufs des Feldzugs auf dem Continent. Diesen günstigen Verlauf schrieb er in Worten, welche ihren Gefühlen geschmeichelt haben müssen, der Tapferkeit der englischen Armee zu. Er sprach von den Uebeln, welche aus dem beklagenswerthen Zustande der Münzen entsprungen seien und von der Nothwendigkeit, ein schleuniges Heilmittel dagegen anzuwenden. Er gab sehr deutlich zu verstehen, daß seiner Meinung nach die Kosten der Herstellung der Valuta vom Staate getragen werden müßten; aber er erklärte zugleich, daß er die ganze Angelegenheit der Weisheit des Großen Rathes anheimgebe. Ehe er seine Rede schloß, wendete er sich noch speciell an das neugewählte Haus der Gemeinen und drückte mit Wärme seinen Beifall über die vortreffliche Wahl aus, die sein Volk getroffen habe. Die Rede wurde mit einem leisen aber sehr bezeichnenden Beifallsgemurmel sowohl diesseits als jenseits der Schranke begrüßt, und wurde vom Publikum eben so günstig aufgenommen als vom Parlamente.[86] Bei den Gemeinen wurde eine Dankadresse beantragt, von Musgrave schwach bekämpft, ohne Abstimmung angenommen und vom ganzen Hause nach Kensington überbracht. Im Palaste äußerte sich die Loyalität des Hauses in einer Weise, die man jetzt schwerlich mit der senatorischen Würde vereinbar halten dürfte. Als im Vorzimmer Erfrischungen gereicht wurden, füllte der Sprecher sein Glas und schlug zwei Toaste vor: einen auf das Wohl König Wilhelm’s, und einen andren auf den Untergang König Ludwig’s, und beide wurden unter lauten Acclamationen ausgebracht. Ein aufmerksamer Beobachter konnte jedoch erkennen, daß die Vertreter der Nation, obgleich in ihrer Gesammtheit von Eifer für die bürgerliche Freiheit und für die protestantische Religion beseelt, und bereit, lieber Alles zu ertragen, als das Land wieder in Abhängigkeit zurückgeworfen zu sehen, besorgt und muthlos waren. Alle dachten an den Zustand der Münzen, Alle sagten, daß etwas geschehen müsse, und Alle gestanden, daß sie nicht wüßten, was geschehen sollte. „Ich fürchte,” sagte ein Mitglied, das die Gesinnungen Vieler aussprach, „die Nation wird weder die Krankheit noch die Heilung ertragen.”[87]

Es gab allerdings eine Minorität, welche die Schwierigkeiten und Gefahren jener Krisis mit boshafter Schadenfreude betrachtete, und der heftigste, kühnste und factiöseste Führer dieser Minorität war Howe, den die Armuth hämischer gemacht hatte als je. Er trug darauf an, daß das Haus sich zu einem Comité über die Lage der Nation erklären solle, und das Ministerium — denn dieses Wort kann jetzt ganz passend angewendet werden — stimmte bereitwillig bei. Die wichtige Valutafrage konnte auch in der That nicht zweckmäßiger erörtert werden als in einem solchen Ausschusse. Als der Sprecher den Stuhl verlassen hatte, haranguirte Howe eben so heftig gegen den Krieg, als er in früheren Jahren für denselben haranguirt hatte. Er wollte Frieden, Frieden unter jeder Bedingung. Die Nation, sagte er, gleiche einem Verwundeten, der mit Verzweiflung fortkämpfe, während er Ströme von Blut verlöre. Eine kurze Zeit könne der Geist den Körper noch aufrecht erhalten, aber bald müsse Entkräftung eintreten. Keine moralische Energie könne lange gegen physische Erschöpfung ankämpfen. Er fand jedoch sehr geringe Unterstützung. Die große Mehrzahl seiner Zuhörer war fest entschlossen, eher Alles aufs Spiel zu setzen, als sich Frankreich zu unterwerfen. Es wurde spöttelnd bemerkt, daß der Zustand seiner eignen Finanzen ihm das Gleichniß von einem sich Verblutenden eingegeben habe und daß, wenn man ihm eine Herzstärkung in der Form eines Gehalts reichte, er sich wenig um die ausgetrockneten Adern der Nation kümmern würde. „Wir erniedrigten uns nicht,” sagten die Whigredner, „durch Geschrei nach Frieden, als unsre Flagge aus unsrem eignen Kanal verdrängt war, als Tourville’s Flotte vor Torbay ankerte, als die irische Nation gegen uns unter den Waffen stand, als jede Post aus den Niederlanden die Nachricht von einer Niederlage brachte, als wir gegen das Genie Louvois’ im Cabinet und gegen das Genie Luxemburg’s im Felde zu kämpfen hatten. Und jetzt sollten wir zu Bittenden werden, wo sich nicht einmal im Mittelländischen Meere ein feindliches Geschwader zu zeigen wagt, wo unsere Waffen auf dem Continent siegreich sind, wo Gott den großen Staatsmann und den großen Krieger zu sich genommen hat, deren Talente so lange unsere Anstrengungen vereitelten, und wo die Schwäche der französischen Regierung unverkennbar den Einfluß eines weiblichen Günstlings verräth?” Howe’s Antrag wurde mit Verachtung verworfen, und der Ausschuß ging zur Erwägung des Zustandes der Valuta über.[88]

Polemik über die Valuta.

Inzwischen ruhten die kürzlich befreiten Pressen der Hauptstadt keinen Augenblick. Unzählige Broschüren und Flugblätter über die Münzverhältnisse lagen auf den Ladentischen der Buchhändler und wurden unter die Mitglieder des Parlaments in der Vorhalle vertheilt. In einer der interessantesten und ergötzlichsten von diesen Schriften waren Ludwig und seine Minister als in der größten Besorgniß dargestellt, daß England sich durch das einfache Mittel, neun Pence einen Schilling zu nennen, zum reichsten Lande der Welt machen möchte, und es wurde zuversichtlich darin prophezeit, daß eine neue Revolution ausbrechen würde, wenn man den alten Münzfuß beibehielte. Einige Schriftsteller opponirten heftig gegen die Behauptung, daß die Nation die Kosten der Herstellung der Valuta tragen müsse; andere forderten die Regierung dringend auf, diese Gelegenheit zu benutzen und das englische Geld dem Gelde der Nachbarstaaten zu assimiliren; ein Projectenmacher war dafür, Gulden zu prägen, ein andrer dafür, Thaler zu prägen.[89]

Maßregeln des Parlaments in Bezug auf die Valuta.

Innerhalb der Mauern des Parlaments dauerten die Debatten mehrere bange Tage hindurch. Endlich brachte Montague, nachdem er zuerst Diejenigen, welche die Dinge bis zum Frieden unverändert lassen wollten, und dann auch Diejenigen geschlagen hatte, welche für den kleinen Schilling waren, elf Resolutionen durch, in denen die Umrisse seines Planes dargelegt waren. Es wurde beschlossen, daß die Landesmünzen sowohl in Gewicht als in Feingehalt nach dem alten Fuße umgeprägt, daß alle neuen Stücken geprägt, nicht geschlagen werden, daß der Staat den Verlust an dem beschnittenen Gelde tragen, daß ein Termin bestimmt werden sollte, nach welchem beschnittenes Geld nur noch in Zahlungen an die Regierung genommen, und daß ein späterer Termin festgesetzt werden sollte, nach welchem beschnittenes Geld gar nicht mehr genommen werden sollte. Was für Abstimmungen im Ausschusse stattfanden, läßt sich nicht ermitteln. Bei der Berichterstattung über die Resolutionen fand eine Abstimmung statt, und zwar über die Frage, ob der alte Gewichtsfuß beibehalten werden solle. Es stimmten hundertvierzehn Mitglieder mit Nein, zweihundertfünfundzwanzig mit Ja.[90]

Es wurde angeordnet, daß eine auf die Resolutionen basirte Bill eingebracht werden sollte. Einige Tage darauf erklärte der Kanzler der Schatzkammer den Gemeinen in einem Ausschusse zur Berathung der Mittel und Wege den Plan, wie er die Kosten der Umprägung zu decken gedachte. Es sei unmöglich, sagte er, den zur Deckung des Ausfalls an den beschnittenen Münzen erforderlichen Betrag mit Genauigkeit zu bestimmen. Aber es sei gewiß, daß mindestens zwölfhunderttausend Pfund dazu nöthig sein würden. Die Bank von England war bereit, diese zwölfhunderttausend Pfund auf gute Sicherheit vorzustrecken. Es war ein unter den Finanzmännern angenommener Satz, daß die Regierung keine so gute Sicherheit mehr bieten könne, wie die Kaminsteuer gewesen war. So verhaßt diese Abgabe auch Denen war, die sie hatten zahlen müssen, im Schatzamt und in der City wünschte man sie jetzt sehnlich zurück. Der Kanzler der Schatzkammer meinte, daß sich vielleicht eine Abgabe auf die Häuser aussinnen lassen werde, die nicht minder einträglich und nicht minder sicher sein könne als die Herdsteuer, aber nicht so schwer auf dem Armen lasten und durch ein weniger drückendes Verfahren erhoben werden könne. Die Anzahl der Kamine in einem Hause sei ohne Besichtigung der Wohnungen nicht zu ermitteln. Die Fenster aber könne ein Einnehmer zählen, ohne die Schwelle zu überschreiten. Montague schlug vor, daß die Bewohner von Hütten, welche von den Einsammlern des Kamingeldes so herzlos bedrückt worden seien, von der neuen Abgabe gänzlich frei bleiben sollten. Sein Plan wurde vom Ausschusse für die Mittel und Wege gebilligt und vom Hause ohne Abstimmung genehmigt. Dies war der Ursprung der Fenstersteuer, einer Abgabe, die zwar immerhin ein großes Uebel ist, im Vergleich zu dem Fluche aber, von dem sie die Nation erlöste, als ein Segen betrachtet werden muß.

Bis hierher war Alles gut gegangen. Jetzt aber kam eine Krisis, welche die geschickteste Leitung erforderte. Die Nachricht, daß das Parlament und die Regierung eine Reform der Valuta beabsichtigten, erzeugte unter dem gemeinen Volke einen Unwissenheitsschrecken. Jedermann wollte seine beschnittenen Kronen und halben Kronen los sein, und Niemand wollte sie nehmen. In der Hälfte der Straßen London’s entstanden Zänkereien, welche an Tumulte grenzten. Die Jakobiten, welche an einem Tage des Mißgeschicks und der öffentlichen Gefahr, stets mit Freude und Hoffnung erfüllt waren, liefen mit eifrigen Mienen und geschäftigen Zungen hin und her. In Tavernen und Bierhäusern wurde ganz offen auf das Wohl Jakob’s getrunken. Viele Parlamentsmitglieder, welche bisher die Regierung unterstützt hatten, begannen zu schwanken, und damit nichts an den Schwierigkeiten des Moments fehlte, entstand über einen Privilegiumspunkt ein Streit zwischen den beiden Häusern. Die in Uebereinstimmung mit Montague’s Resolutionen entworfene Umprägungsbill war den Peers zugesandt worden und mit Abänderungen zurückgekommen, von denen einige die Lords nach der Ansicht der Gemeinen nicht zu machen berechtigt waren. Die Sache war zu wichtig, um einen Verzug zu gestatten. Montague brachte eine neue Bill ein, welche factisch mit seiner ersten übereinstimmte, aber in einigen Punkten den Wünschen der Lords gemäß modificirt war; die Lords, obgleich mit der neuen Bill noch nicht ganz zufrieden, nahmen sie unverändert an, und der König genehmigte sie unverzüglich. Der 4. Mai, ein Tag, dessen man sich im ganzen Lande und insbesondere in der Hauptstadt lange erinnerte, war als der Tag festgesetzt, an welchem die Regierung aufhörte, beschnittenes Geld bei Steuerzahlungen anzunehmen.[91]

Die Prinzipien der Umprägungsacte sind vortrefflich. Einige von den Einzelnheiten sowohl dieser Acte als auch einer Ergänzungsacte, welche zu einem späteren Zeitpunkte der Session erlassen wurde, beweisen, daß Montague nicht gehörig erwogen hatte, was die Gesetzgebung erreichen kann und was nicht. Er überredete zum Beispiel das Parlament zu verordnen, daß es strafbar sein sollte, mehr als zweiundzwanzig Schillinge für eine Guinee zu geben oder zu nehmen. Man darf mit Gewißheit behaupten, daß Locke diese Verordnung weder vorgeschlagen hatte, noch sie billigte. Er wußte sehr wohl, daß der hohe Preis des Geldes nicht das Uebel war, an dem der Staat laborirte, sondern bloß ein Symptom dieses Uebels, und daß der Umprägung des Silbers unvermeidlich ein Fallen des Goldpreises folgen werde, daß aber keine menschliche Macht oder Einsicht bewirken könne, daß es der Umprägung vorausgehe. Die Strafbestimmung scheint auch factisch gar keine Wirkung hervorgebracht zu haben, weder eine gute noch eine schlechte. So lange das geprägte Silber noch nicht in Circulation gesetzt war, galt die Guinee trotz des Gesetzes nach wie vor dreißig Schillinge. Als aber das geprägte Silber reichlich circulirte, fiel die Guinee nicht nur auf zweiundzwanzig Schilling, was der vom Gesetz gestattete höchste Preis war, sondern auf einundzwanzig Schilling sechs Pence.[92]