Godolphin’s Rücktritt.

Hätte Godolphin sich beharrlich geweigert, seine Stelle aufzugeben, so würden die Whighäupter in eine höchst unangenehme Verlegenheit gerathen sein. Aber ein Staatsmann von nicht gewöhnlicher Gewandtheit übernahm es, sie aus ihrer Verlegenheit zu reißen. In der Kunst, in den Herzen der Menschen zu lesen und sie zu leiten, hatte Sunderland nicht seines Gleichen, und er wünschte, wie er dies schon seit mehreren Jahren that, alle hohen Aemter im Königreiche mit Whigs besetzt zu sehen. Durch seine geschickte Bearbeitung wurde Godolphin bewogen, sich ins königliche Cabinet zu begeben und um die Erlaubniß zu bitten, sich aus dem Staatsdienste zurückzuziehen, und Wilhelm gab diese Erlaubniß mit einer Bereitwilligkeit, über welche Godolphin weit mehr erstaunt als erfreut war.[57]

Stimmung der Whigs über Fenwick.

Eines von den Mitteln, welche die Whigjunta anwendete, um in allen Reihen der Whigs eine noch nie dagewesene Disciplin einzuführen und aufrechtzuerhalten, war die häufige Abhaltung von Zusammenkünften der Mitglieder des Hauses der Gemeinen. Einige dieser Zusammenkünfte waren zahlreich, andere waren gewählt. Die zahlreicheren wurden in der „Rose” gehalten, einer in den politischen Libellen jener Zeit häufig genannten Taverne;[58] die kleineren bei Russell in Covent Garden, oder bei Somers in Lincoln’s Inn Fields.

An dem Tage, an welchem Godolphin sein hohes Amt niederlegte, wurden zwei gewählte Meetings veranstaltet. Am Morgen war Russell’s Haus der Zusammenkunftsort. Am Nachmittag fand sich eine zahlreiche Gesellschaft bei dem Lordsiegelbewahrer ein. Fenwick’s Bekenntniß, das bis dahin wahrscheinlich den meisten Anwesenden nur vom Hörensagen bekannt war, wurde vorgelesen. Die Entrüstung der Zuhörer wurde in hohem Grade erregt, namentlich durch eine Stelle, welche sagen zu wollen schien, daß nicht allein Russell, nicht allein Shrewsbury, sondern die große Masse der Whigpartei im Herzen jakobitisch sei, und zwar schon seit langer Zeit. „Der Mensch behauptet,” sagte man, „daß selbst das Mordcomplot ein whiggistischer Anschlag gewesen sei.” Die allgemeine Ansicht war, daß man über eine solche Beschuldigung nicht leicht hinweggehen dürfe. Es müsse eine feierliche Debatte und Entscheidung im Parlamente stattfinden. Das beste Verfahren werde sein, wenn der König selbst zu dem Gefangenen ginge und ihn verhörte und wenn Russell dann um die königliche Erlaubniß nachsuchte, den Gegenstand vor das Haus der Gemeinen zu bringen. Da Fenwick für die Geschichten, die er erzählte, keine andre Autorität zu haben behaupte als bloßes Hörensagen, so könne es nicht schwer halten, eine Resolution, die ihn als Verleumder brandmarkte, und eine Adresse an den Thron durchzubringen, welche um seine sofortige Prozessirung wegen Hochverraths ersuchte.[59]

Wilhelm verhört Fenwick.

Die Ansicht der Versammlung wurde Wilhelm durch seine Minister mitgetheilt, und er verstand sich, wenn auch nicht ohne Widerstreben, dazu, mit dem Gefangenen zu sprechen. Fenwick wurde in das königliche Cabinet zu Kensington gebracht. Einige von den hohen Staatsbeamten und die Kronanwälte waren anwesend. „Ihre Schrift, Sir John,” sagte der König, „ist ganz und gar unbefriedigend. Anstatt mir eine Darstellung der von Ihnen und Ihren Mitschuldigen geschmiedeten Complots zu geben, deren Details Ihnen alle genau bekannt sein müssen, erzählen Sie mir Geschichten ohne Autorität, ohne Daten, ohne Ortsangaben, von Cavalieren und Gentlemen, mit denen Sie gar nicht in Verkehr gestanden zu haben behaupten. Kurz, Ihr Bekenntniß scheint offenbar eine Erdichtung zu sein, welche Diejenigen, die wirklich Anschläge gegen mich entworfen haben, meinen Blicken verbergen und mich veranlassen will, Diejenigen, denen ich guten Grund habe Vertrauen zu schenken, mit Mißtrauen zu betrachten und aus meiner Nähe zu entfernen. Wenn Sie auf irgend eine Vergünstigung von mir hoffen, so geben Sie mir diesen Augenblick und hier an dieser Stelle eine vollständige und offene Darlegung dessen was Sie aus Sich selbst wissen.” Fenwick erwiederte, dieses Verlangen treffe ihn zu unvorbereitet, und bat um Zeit. „Nein, Sir,” sagte der König, „wozu können Sie Zeit brauchen? Sie können nur dann Zeit brauchen, wenn Sie eine zweite Schrift wie diese aufsetzen wollen. Aber was ich von Ihnen verlange, ist eine einfache Erzählung dessen was Sie selbst gethan und gesehen haben, und eine solche Erzählung können Sie, wenn Sie sonst wollen, ohne Feder und Tinte geben.” Fenwick weigerte sich auf das Bestimmteste, irgend etwas zu sagen. „Nun, es sei denn,” sagte Wilhelm. „So will ich weder von Ihnen noch über Sie weiter etwas hören.”[60]

Fenwick wurde in sein Gefängniß zurückgeführt. Er hatte bei dieser Audienz eine Kühnheit und Entschiedenheit gezeigt, welche Diejenigen, die sein Benehmen beobachtet hatten, in Erstaunen setzten. Während der ganzen bisherigen Dauer seiner Haft hatte er stets ängstlich und muthlos geschienen und doch hatte er jetzt, bei dem Wendepunkte seines Schicksals, dem Zorne des Fürsten getrotzt, den er kurz zuvor demüthig um Nachsicht angefleht. In wenigen Stunden wurde das Räthsel aufgeklärt. Unmittelbar vor seiner Vorladung nach Kensington hatte er von seiner Gattin die Mittheilung erhalten, daß sein Leben nicht gefährdet sei, daß nur ein Belastungszeuge gegen ihn existire, daß es ihr und ihren Freunden gelungen sei, Goodman zu bestechen.[61]

Verschwinden Goodman’s.

Goodman war eine Freiheit gestattet worden, wegen der man nachmals die Regierung mit einigem Grunde getadelt hat. Denn seine Aussage war von der höchsten Wichtigkeit, sein Character war notorisch schlecht, die gemachten Versuche Porter zu verführen, bewiesen, daß, wenn Fenwick’s Leben mit Geld zu retten war, solches nicht gespart werden würde, und Goodman war nicht, wie Porter, behülflich gewesen, Jakobiten an den Galgen zu bringen, und war daher nicht, wie Porter, durch ein unauflösliches Band an die Sache Wilhelm’s gekettet. Die Familien der gefangenen Verschwörer bedienten sich der Vermittelung eines schlauen und kühnen Abenteurers, Namens O’Brien. Dieser Mann kannte Goodman genau. Sie hatten in der That einer und der nämlichen Räuberbande angehört. Im „Hund” in Drury Lane, einer Taverne, welche von gesetzlosen und verzweifelten Menschen frequentirt wurde, trafen sie miteinander zusammen. O’Brien war von einem andren Jakobiten von entschlossenem Character begleitet. Sie stellten Goodman die einfache Alternative, entweder zu verschwinden und als Belohnung ein Jahrgeld von fünfhundert Pfund zu erhalten, oder auf der Stelle ermordet zu werden. Er willigte theils aus Habsucht, theils aus Furcht ein. O’Brien war nicht der Mann sich prellen zu lassen wie Clancy. Von dem Augenblicke an wo der Handel abgeschlossen, wich er nicht eher wieder von Goodman’s Seite als bis sie in Saint-Germains waren.[62]