Der Tag, an welchem nach langem Zögern dieses wichtige Aktenstück feierlich die königliche Sanktion erhielt, war ein Tag der Freude und der Hoffnung. Die an den Schranken des Hauses der Lords versammelten Gemeinen erhoben ein lautes Jubelgeschrei, als der Sekretär die Worte der Formel ausgesprochen, durch welche seit Jahrhunderten unsere Fürsten den Wünschen der Reichsstände ihre Zustimmung zu ertheilen pflegten. — Die Stimme der Hauptstadt und der Nation war der Wiederhall dieses Jubels; aber schon nach drei Wochen zeigte es sich, daß Karl nicht die Absicht hatte, den geschlossenen Vertrag zu halten. Das von den Volksvertretern bewilligte Geld ward erhoben; das Versprechen, durch welches die Bewilligung erlangt, ward gebrochen. Es entspann sich ein heftiger Kampf. Das Parlament ward in einer Weise aufgelös’t, die deutlich das Mißfallen des Königs bekundete. Einige der hervorragendsten Mitglieder wurden eingekerkert, und eins derselben, Sir Johann Elliot, starb im Gefängnisse nach jahrelangen Leiden.

Karl wagte indeß nicht, die zur Fortführung des Kriegs erforderlichen Steuern aus eigener Machtvollkommenheit ferner zu erheben; er beeilte sich demnach, Frieden mit seinen Nachbarn zu schließen, und befaßte sich von da an nur mit Britanniens politischen Angelegenheiten.

Eine neue Ära begann. Viele englische Könige hatten nur bei gewissen Gelegenheiten verfassungs­widriger Handlungen sich schuldig gemacht, aber keiner hatte es noch unternommen, sich systematisch zu einem Despoten zu machen, und das Parlament bis zu einem Nichts herabzubringen. Und dies war das Ziel, nach welchem Karl unverkennbar strebte. Die Häuser wurden vom März 1629 bis zum April 1640 nicht wieder zusammenberufen. Unsere Geschichte wies keinen Zeitraum von elf Jahren nach, der zwischen einem und dem nächsten Parlamente gelegen; nur ein Mal hat es einen halb so langen Zwischenraum gegeben. Diese Thatsache allein widerlegt die Behauptung, daß Karl nur in die Fußtapfen der Plantagenets und Tudors getreten sei.

Die Bitte um Recht wird verletzt. [Durch] Zeugnisse der eifrigsten Anhänger des Königs ist bewiesen, daß er die Bestimmungen in der Bitte um Recht in diesem Abschnitte seiner Regierung nicht nur bei einzelnen Gelegenheiten, sondern fortwährend und systematisch verletzte; daß er die Einkünfte größtentheils ohne gesetzliche Ermächtigung erhoben, und daß er der Regierung mißliebige Personen, ohne gerichtliche Vorladung und Verhör, Jahre lang im Kerker hat schmachten lassen.

Für solche Handlungen muß die Geschichte den König als persönlich verantwortlich erachten. Seit der Zeit seines dritten Parlaments war er selbst sein erster Premierminister; nur einige Personen, deren Charakter und Fähigkeiten seinen Plänen entsprachen, standen an der Spitze verschiedener Verwaltungszweige.

Charakter und Absichten Wentworths. [Thomas] Wentworth, erst zum Lord Wentworth und dann zum Earl von Strafford ernannt, ein äußerst fähiger, beredter und muthiger Mann, aber grausamen und herrschsüchtigen Charakters, war in politischen und militärischen Angelegenheiten der vertrauteste Rath des Königs. Früher eins der bedeutendsten Glieder der Oppositionspartei, hegte er gegen die, deren Sache er verlassen, jene eigenthümliche Abneigung, die in allen Zeiten die Apostaten charakterisirt hat. Da die Gefühle, die Hilfsquellen und die Politik der Partei, der er noch vor Kurzem angehört, ihm genau bekannt waren, hatte er einen umfassenden, tief durchdachten Plan entworfen, der die kluge Taktik der leitenden Staats­männer im Hause der Gemeinen fast vereitelt hätte. Dieses Plans erwähnte er in seiner vertraulichen Correspondenz unter der bezeichnenden Benennung: „Durch.“ Er beabsichtigte, in England Alles, und mehr noch als das, zu thun, was Richelieu in Frankreich gethan; Karl zu einem so unumschränkten Monarchen zu machen, wie nur irgend einer auf dem Festlande existirte; das Vermögen und die persönliche Freiheit des ganzen Volks unter die Verfügung der Krone zu stellen; die Gerichtshöfe aller selbstständigen Macht selbst in gewöhnlichen civilrechtlichen Angelegenheiten zwischen Privatleuten zu berauben, und mit schonungsloser Härte alle die zu bestrafen, die bei Handlungen der Regierung sich unzufrieden zeigten, oder bei irgend einem Gerichtshofe um Abstellung derselben einkamen.[9]

Dies war sein Ziel, und den einzigen Weg, der zu diesem Ziele führte, kannte er genau. Hätte er bei seiner wirklich klaren, zusammenhängenden und bestimmten Anschauungsweise nicht ein seinem Vaterlande und seinen Mitmenschen so verderbliches Ziel verfolgt, er würde die gerechtesten Ansprüche auf hohe Bewunderung gehabt haben. Daß es nur ein einziges Werkzeug gab, seine großen und kühnen Pläne auszuführen, und daß dieses Werkzeug ein stehendes Heer sei, sah er klar ein. Mit der ganzen Energie seines kräftigen Geistes strebte er nun nach der Errichtung eines solchen Heeres. In Irland, wo er Vicekönig war, gelang ihm wirklich die Einführung eines militärischen Despotismus, nicht nur über die eingeborene Bevölkerung, sondern auch über die englischen Colonisten, und er konnte sich mit Recht rühmen, daß der König auf dieser Insel so unumschränkt sei, als nur irgend ein Fürst der Welt.[10]

[9.] Die Correspondenz Wentworths scheint mir das im Text Gesagte völlig zu bestätigen. Alle Stellen abzuschreiben, die mich zu dem erlangten Schlusse geführt, würde eben so unmöglich sein, als es nicht leicht ist, eine bessere Auswahl zu treffen, als Mr. Hallam bereits getroffen hat. Aber ich mache den Leser besonders auf die vortreffliche Schrift aufmerksam, die Wentworth über die Angelegenheiten der Pfalz verfaßte. Sie ist vom 31. März 1637 datirt.

[10.] Dies sind Wentworths eigene Worte. Siehe seinen Brief an Laud vom 16. Decbr. 1634.

Charakter Laud’s. [Die] Verwaltung der Kirche leitete indeß hauptsächlich Wilhelm Laud, der Erzbischof von Canterbury. Mehr als alle Prälaten der anglikanischen Kirche ist Laud von den Grundsätzen der Reformation abgewichen, und Rom nahegetreten. Seine theologischen Ansichten entfernten sich von denen der Calvinisten mehr, als selbst die der holländischen Arminianer. Seine maßlose Vorliebe für Ceremonien, seine Verehrung der Festtage, Vigilien und geheiligten Orte, seine übel verhehlte Abneigung gegen die Ehe der Priester, sein glühender und von Eigennutz nicht völlig freier Eifer, mit dem er den Anspruch des Clerus auf das ehrerbietige Benehmen der Laien vertrat, würden ihm den Haß der Puritaner zugezogen haben, auch wenn er nur gesetzliche und milde Mittel zur Erreichung seiner Pläne verwendet hätte. Aber sein Verstand war ein beschränkter, und mit der Welt hatte er nur in geringem Verkehre gestanden. Er war heftig und reizbar von Natur, lebhaft empfindlich, wenn es seine eigene Würde galt, kalt für die Leiden Anderer, und zu dem bei abergläubischen Menschen gewöhnlichen Irrthume geneigt, die eigenen mürrischen und gehässigen Launen für die Regungen eines gottesfürchtigen Eifers zu halten. Jeder Winkel des Reichs ward unter seiner Leitung einer unausgesetzten und scharfen Beaufsichtigung unterworfen; jeder kleine Separatisten-Verein ward ausgespürt und aufgelöst, selbst die Privat­andachts­übungen der Familien entgingen den Späherblicken seiner Kundschafter nicht. Die Furcht vor seiner Härte war so groß, daß der tödtliche Haß gegen die allgemeine Kirche, der sich unzähliger Herzen bemächtigt, unter dem äußern Scheine voller Übereinstimmung mit derselben allgemein verborgen ward. Selbst an dem Vorabende der für ihn und seinen Stand so verhängnißvollen Unruhen konnten ihm die Bischöfe mehrerer umfangreichen Diöcesen noch berichten, daß in ihren Sprengeln auch nicht ein Dissidenter mehr zu finden sei.