Befindet sich ein Land in der Lage, in der sich damals England befand, wird das königliche Amt mit Liebe und Verehrung, aber die dasselbe verwaltende Person mit Haß und Mißtrauen betrachtet, so sollte man meinen, daß der einzuschlagende Ausweg nicht fern läge: die Würde des Amtes aufrecht zu halten, und die Person zu beseitigen. Diesen Weg wählten unsere Vorfahren 1399 und 1689. Hätte im Jahre 1642 ein Mann gelebt, der eine Stellung wie Heinrich von Lancaster zur Zeit der Entthronung Richards II., oder wie der Prinz von Oranien zur Zeit der Thronentsetzung Jakobs II. einnahm, so ließe sich annehmen, daß die Häuser die Dynastie gewechselt, aber keine förmliche Veränderung der Verfassung ausgeführt haben würden, und der neue König, durch ihre Wahl zu dem Throne berufen und abhängig von ihrer Unterstützung, hätte nothwendig in Übereinstimmung mit ihren Wünschen und Ansichten regieren müssen. Aber die Partei des Parlaments zählte keinen Prinzen von königlichem Geblüte zu ihren Anhängern, und wenn sie auch Männer von hohem Range und ausgezeichneten Fähigkeiten besaß, so war doch keiner unter ihnen, der die übrigen dergestalt überragte, daß man ihn als Throncandidaten aufstellen konnte. Da es einen König geben mußte, und ein neuer nicht zu finden war, so stellte sich die Nothwendigkeit heraus, Karl den königlichen Titel zu belassen, und es blieb nur der eine Ausweg übrig, den Titel von den Hoheitsrechten zu trennen.
Schien auch die Änderung, welche die Häuser an unsern Institutionen vorzunehmen beschlossen, eine weitumfassende, als man sie genau in Vertragsartikel geordnet hatte; so ging sie doch in der That um nicht viel weiter als jene Änderung, welche in der nächsten Generation die Revolution hervorbrachte. Der Souverain ward in der Revolution allerdings nicht durch ein Gesetz der Macht beraubt, seine Minister zu wählen; aber es steht auch fest, daß es seit der Revolution keinem Minister möglich war, länger als sechs Monate im Amte zu bleiben, wenn das Haus der Gemeinen widersprach. Der Souverain hat zwar noch immer die Gewalt Pairs zu ernennen, und die noch viel wichtigere des Schwertes; aber er ist seit der Revolution bei Ausübung dieser Gewalten stets von Räthen umgeben gewesen, die das Vertrauen der Volksvertreter besaßen. Die Führer der Rundköpfe vom Jahre 1642 und die Staatsmänner, die vielleicht ein halbes Jahrhundert später die Revolution hervorriefen, verfolgten in der That genau dasselbe Ziel, und dieses Ziel war, den Streit zwischen der Krone und dem Parlamente dadurch zu Ende zu bringen, daß man dem Letztern die Oberaufsicht über die executive Verwaltung zuertheilte. Die Staatsmänner der Revolution bewirkten dies indirekt durch einen Dynastie-Wechsel. Die Rundköpfe von 1642 mußten einen direkten Weg zum Ziele einschlagen, da sie den Dynastie-Wechsel nicht bewirken konnten.
Es darf uns jedoch nicht befremden, wenn die Forderungen der Opposition, die eine vollständige und förmliche Übertragung aller der Krone bisher angehörigen Befugnisse auf das Parlament umfaßten, jene große Partei abschreckten, deren charakteristische Merkmale Achtung vor gesetzlicher Autorität und Furcht vor gewaltsamen Neuerungen waren. Diese Partei hatte noch kürzlich die Hoffnung gehegt, die Erlangung des Übergewichts in dem Hause der Gemeinen durch friedliche Mittel zu bewirken; in dieser Hoffnung aber war sie getäuscht. Karl hatte durch seine Treulosigkeit die alten Feinde unversöhnlich gemacht, eine Anzahl gemäßigter und im Übertritte zu ihm begriffener Männer in die Reihen der Mißvergnügten zurückgetrieben, und seine besten Freunde so tief gekränkt, daß sie sich eine Zeit lang beschämt und entrüstet zurückzogen. Jetzt aber mußten die constitutionellen Royalisten unter zwei Gefahren wählen, und sie hielten es für Pflicht, eher zu einem Fürsten zu stehen, dessen bisheriges Verfahren sie verabscheuten und dessen Worten sie wenig Vertrauen schenkten, als eine Entwürdigung des königlichen Amtes und eine völlige Umgestaltung der Reichsverfassung zu dulden. Mit diesen Gefühlen traten viele Männer, deren Tugenden und Fähigkeiten einer jeden Sache zur Ehre gereicht haben würden, auf die Seite des Königs.
Anfang des Bürgerkriegs. [Im] August 1642 griff man endlich zum Schwerte, und fast in jeder Grafschaft des Königreichs standen zwei bewaffnete Parteien einander feindlich gegenüber. Welche von den streitenden Parteien anfangs die furchtbarste war, läßt sich schwer bestimmen. Die Häuser geboten über London und die umliegenden Grafschaften, über die Flotte, die Themseschifffahrt und die meisten großen Städte und Seehäfen; fast alle Kriegsvorräthe im Königreiche standen zu ihrer Verfügung, so daß sie Zölle sowohl von Waaren, aus fremden Ländern eingeführt, als auch von einigen wichtigen Erzeugnissen inländischer Industrie erheben konnten. Der König war mit Artillerie und Munition schlecht versehen. Die Steuern, welche er aus den von seinen Truppen besetzten Landbezirken zog, lieferten einen weit geringern Ertrag, als der, den das Parlament allein aus der City von London erhob. Zwar ist es nicht zu läugnen, daß die Freigebigkeit seiner reichen Anhänger ihn mit Geldmitteln unterstützte, daß viele von ihnen ihr Grundeigenthum mit Schulden belasteten, ihre Juwelen verpfändeten und ihre silbernen Geräthe und Taufbecken zu Gelde machten, um ihm zu helfen; allein die Erfahrung hat vollständig bewiesen, daß die freiwillige Aufopferung Einzelner, selbst in den Zeiten der größten Aufregung, gegen eine strenge regelmäßige Besteuerung, die willige und zähe Zahler zugleich drückt, nur eine dürftige finanzielle Hilfsquelle ist.
Karl besaß jedoch einen Vortheil, der nicht nur den Mangel an Vorräthen und Geld mehr als aufgewogen haben würde, wenn er ihn gut benützt hätte, sondern ihm auch, ungeachtet der schlechten Führung, einige Monate lang die Überlegenheit im Kriege gab. Seine Truppen kämpften anfangs viel besser, als die des Parlaments. Bestanden auch beide Armeen fast nur aus Leuten, die nie ein Schlachtfeld gesehen hatten, so war dennoch der Unterschied ein großer. In den Reihen der Parlamentstruppen standen eine Menge Miethlinge, die Mangel und Müßiggang bewogen hatten, sich anwerben zu lassen. Hampdens Regiment hielt man für eins der Besten; aber selbst dieses Regiment schildert Cromwell nur als eine zusammengelaufene Bande von unbeschäftigten Kellnern und Bedienten. Die Armee des Königs dagegen bestand größtentheils aus muthigen, begeisterten Gentlemen, gewohnt, den Tod der Schande vorzuziehen, im Fechten und im Gebrauche der Feuerwaffe geübt, als kecke Reiter vertraut mit der männlichen und gefahrvollen Lust der Jagd, die man passend ein Bild des Krieges genannt hat. Solche Männer, ihre Leibrosse unter sich und kleine Schaaren kommandirend, die aus ihren jüngern Brüdern, ihren Stallknechten, Wildhütern und Jägern zusammengestellt waren, zeigten sich schon am ersten Tage des Feldzugs befähigt, in einem Gefecht mit Ehren zu bestehen. Zwar brachten es diese tapfern Freiwilligen nie zu der Ausdauer, dem pünktlichen Gehorsam und der maschinenmäßigen Präzision in den Bewegungen, die den regulären Soldaten eigen sind; aber man stellte sie anfangs Feinden entgegen, die eben so undisziplinirt wie sie, und bei weitem nicht so unternehmend, stark und beherzt waren. Aus diesem Grunde fochten die Cavaliere eine Zeit lang fast immer mit Glück.
Auch in der Wahl eines Generals war das Parlament unglücklich gewesen. Der Rang und Reichthum des Grafen Essex machten ihn zu einem der bedeutendsten Glieder der Parlamentspartei. Er hatte ruhmvoll auf dem Continente gefochten, und bei dem Beginne des Krieges ward er als Militair so hoch geachtet, wie nur irgend ein Mann im Lande; aber bald zeigte es sich, daß er dem Posten des Oberbefehlshabers nicht gewachsen war. Er hatte wenig Energie und durchaus keinen erfinderischen Geist, so daß ihn die im pfälzischen Kriege erlernte regelmäßige Taktik nicht vor dem Schimpfe bewahrte, sich von einem Anführer wie Ruprecht, der keinen höhern Ruhm als den eines kühnen Parteigängers beanspruchen konnte, überrumpeln und zersprengen zu lassen.
Ebenso wenig waren die Offiziere, denen man unter Essex die Hauptposten anvertraut hatte, geeignet, das zu ersetzen, was ihm fehlte. Das Parlament kann man dafür nicht verantwortlich machen. In einem Reiche, in dem seit Menschengedenken kein großer Landkrieg geführt war, suchte man vergebens nach Generalen von erprobter Kunst und Tapferkeit, mußte daher anfangs unerprobten Männern vertrauen und gab natürlich von diesen denen den Vorzug, die sich entweder durch ihre Stellung, oder durch ihre im Parlamente entwickelten Fähigkeiten hervorgethan hatten. Aber auch nicht eine einzige Wahl war eine glückliche zu nennen; weder die großen Herren noch die großen Redner zeigten sich als gute Soldaten. Der Graf von Stamford, einer der bedeutendsten Männer des hohen Adels, ward bei Stratton von den Royalisten geschlagen; Nathaniel Fiennes, der an Fähigkeiten in bürgerlichen Angelegenheiten keinem seiner Zeitgenossen nachstand, bedeckte sich durch die kleinmüthige Übergabe von Bristol mit Schmach. Von allen Staatsmännern, die in jener Zeit hohe Militairposten empfingen, scheint Hampden allein auch im Felde die Fähigkeit und Energie gezeigt zu haben, durch die er sich in der Politik auszeichnete.
Erfolge der Royalisten. [Nach] Verlauf eines Jahres waren alle Kriegsvortheile entschieden auf Seiten der Royalisten. In den westlichen und nördlichen Grafschaften hatten sie gesiegt, sie hatten dem Parlamente Bristol, die zweite Stadt des Königreichs, entrissen, und mehrere Schlachten gewonnen, ohne eine einzige ernste oder schimpfliche Niederlage zu erleiden. Unter den Rundköpfen dagegen begann das Mißgeschick Uneinigkeit und Unzufriedenheit hervorzurufen; das Parlament ward bald durch Komplote, bald durch Tumulte in einer steten Aufregung erhalten, so daß man es für nöthig erachtete, London gegen die königliche Armee zu befestigen, und einige mißvergnügte Bürger an ihren eigenen Hausthüren aufzuhängen. Mehrere der bekanntesten Pairs, die bis dahin zu Westminster geblieben waren, flüchteten an den Hof, damals zu Oxford, und unbezweifelt würde Karl im Triumphe nach Whitehall marschirt sein, wenn zu dieser Zeit die Operationen der Cavaliere durch scharfsinnige und energische Köpfe geleitet worden wären.
Aber der König ließ den günstigen Augenblick vorübergehen, und dieser Augenblick kam nie wieder. Im August 1643 belagerte er die Stadt Gloucester, die von den Einwohnern und der Garnison mit einer Hartnäckigkeit vertheidigt ward, wie sie die Anhänger des Parlamentes seit dem Beginn des Krieges nicht gezeigt hatten. Dieses Beispiel erweckte den Eifer Londons, und die Miliz der City erklärte sich bereit, nach allen Orten zu gehen, wo man ihrer Dienste bedürfe. Man sammelte schnell eine beträchtliche Streitmacht, und ließ sie nach dem Westen ausrücken. Man entsetzte Gloucester. In allen Theilen des Königreichs verloren die Royalisten den Muth, die Parlamentspartei ward von neuem begeistert, und die abtrünnigen Lords, welche jüngst von Westminster nach Oxford geflohen waren, kehrten eilig von Oxford nach Westminster zurück.
Erstehen der Independenten. [Neue] beunruhigende Symptome zeigten sich nun in dem kranken Staatskörper. Von Anfang an hatte die Parlamentspartei Männer gehabt, die Pläne zu verwirklichen suchten, vor denen die Mehrzahl dieser Partei zurückgebebt wäre. Diese Männer waren Independenten in religiöser Beziehung. Sie waren der Ansicht, jede christliche Gemeinde sei nach Christus die höchste Gerichtsstelle in geistlichen Angelegenheiten, Berufungen an Provinzial- und National-Synoden seien der heiligen Schrift eben so sehr entgegen, als Berufungen an den erzbischöflichen Gerichtshof oder den Vatican, und Papstthum, Prälatur und Presbyterianismus seien nur drei Formen einer und derselben großen Apostasie. In der Politik waren die Independenten, um sie mit der Benennung ihrer Zeit zu bezeichnen, Wurzel- und Zweig-Männer, oder, um einen verwandten Ausdruck unserer Zeit anzuwenden, Radicale. Mit der Beschränkung der Macht des Monarchen nicht zufrieden, wollten sie auf den Trümmern des alten englischen Staats eine Republik errichten. An Zahl wie an Einfluß waren sie anfangs zwar unbedeutend gewesen, aber bevor noch der Krieg zwei Jahre gedauert, hatten sie sich, wenn auch nicht zu der größten, doch zu der mächtigsten Partei im Lande ausgebildet. Die alten parlamentarischen Führer hatte theils der Tod geraubt, theils hatten sie selbst das öffentliche Vertrauen verscherzt. Pym war mit fürstlichen Ehren neben den Plantagenets zur Gruft bestattet; Hampden war seiner würdig gefallen, indem er bei einem vergeblichen Versuche, den kühnen Reitern Ruprechts standzuhalten, seinen Leuten ein heldenmüthiges Beispiel geben wollte; Bedford war der Sache untreu geworden; Northumberland war als ein lauer Anhänger bekannt, und Essex sammt seinen Unterbefehlshabern hatte wenig Kraft und Befähigung zur Leitung der Kriegsoperationen bewiesen. Unter diesen Umständen begann die feurige, entschlossene und hartnäckige Independenten-Partei sowohl im Lager als im Hause der Gemeinen ihr Haupt zu erheben.