Oliver Cromwell. [Die] Seele dieser Partei war Oliver Cromwell. Er war zu friedlichen Beschäftigungen erzogen, hatte aber doch, schon über vierzig Jahre alt, eine Stelle in der Parlamentsarmee angenommen. Kaum Soldat geworden, erkannte er mit dem hellen Blicke des Genie’s, was Essex und Genossen, trotz aller ihrer Erfahrung, nicht erkannt hatten. Ihm ward sofort klar, worin die Stärke der Royalisten bestand, und welche Mittel zur Bewältigung derselben anzuwenden seien. Er erkannte, daß eine Reorganisation des Parlamentsheeres nothwendig, und daß zu diesem Zwecke reiches und vortreffliches Material vorhanden sei, wenn auch nicht so glänzendes, aber doch zuverlässigeres als das, aus dem die tapfern Schwadronen des Königs gebildet waren. Es mußten Rekruten beschafft werden, die nicht nur als Miethlinge dienten, sondern aus anständigen Lebensverhältnissen kamen, und einen ernsten Charakter, Gottesfurcht und Eifer für die öffentliche Freiheit besaßen. Solche Männer stellte er in die Reihen seines eigenen Regimentes, und indem er sie einer strengen, bis dahin in England unbekannten Disziplin unterwarf, wirkte er zugleich durch Reizmittel von außerordentlicher Kraft auf ihre geistige und sittliche Natur.

Die Ereignisse des Jahres 1644 lieferten den vollständigen Beweis von der Überlegenheit seines Geistes. Im Süden, unter Essex’ Oberbefehl, erlitten die Truppen des Parlaments eine schimpfliche Niederlage nach der andern; im Norden aber ward durch den Sieg bei Marston Moor ein reicher Ersatz für alles Das geboten, was andernorts verloren ging. Den Royalisten war dieser Sieg kein härterer Schlag, als der Partei, die in Westminster bis dahin das Übergewicht gehabt, denn man wußte allgemein, daß die Energie Cromwells und der ausdauernde Muth der von ihm gebildeten Truppen die Schlacht, welche die Presbyterianer schimpflich verloren, wieder gewonnen hatten.

Selbst­verleugnungs­verordnung. [Die] Selbstverleugnungs­verordnung und die neue Organisation der Armee waren Folgen dieser Begebenheiten. Essex und die meisten derjenigen Männer, die unter ihm hohe Posten eingenommen hatten, wurden unter schicklichen Vorwänden und mit allen Zeichen der Achtung entlassen; die Führung des Kriegs ward andern Händen übergeben. Fairfax, ein tapferer Soldat, aber ein Mann von mittelmäßigen Fähigkeiten und unentschlossenem Charakter, wurde dem Namen nach Generalissimus der Armee, Cromwell aber war das eigentliche Haupt derselben.

Cromwell organisirte nun eilig die ganze Armee nach denselben Grundsätzen, nach denen er die Organisation seines eigenen Regimentes bewirkt hatte, und mit der Vollendung dieses Werkes war auch der Ausgang des Krieges entschieden. Die Cavaliere standen nun einem natürlichen Muthe gegenüber, der nicht geringer als ihr eigener war, einem höhern Enthusiasmus, als sie selbst besaßen, und einer Disziplin, die ihnen durchaus mangelte. Daß die Soldaten des Fairfax und Cromwell von anderer Zucht seien, als die des Essex, wurde bald sprichwörtlich.

Sieg des Parlaments. [Der] erste große Zusammenstoß der Royalisten und der neuorganisirten Armee der beiden Häuser hatte bei Naseby statt; der Sieg der Rundköpfe war vollständig und entscheidend, und andere Triumphe reiheten sich ihm in kurzer Zeit an. Wenig Monate genügten, und die Autorität des Parlaments war vollständig im ganzen Königreiche hergestellt. Karl flüchtete zu den Schotten, und diese lieferten ihn seinen englischen Unterthanen in einer Weise aus, die ihrem Nationalcharakter wenig Ehre machte.

Noch war der Ausgang des Krieges zweifelhaft, und schon hatte das Parlament den Primas hinrichten, den Gebrauch der Liturgie, soweit sich seine Autorität erstreckte, verbieten lassen, und Jedermann aufgefordert, jene berühmte Urkunde zu unterschreiben, die unter dem Namen der feierlichen Ligue und des Covenants bekannt ist. Nach beendigtem Kampfe ward das Werk der Neuerung und Rache mit erhöhtem Eifer fortgesetzt. Man veränderte die Kirchenverfassung des Königreichs und verjagte die meisten Mitglieder des alten Klerus aus ihren Pfründen. Den Royalisten, die schon durch die dem Könige gewährten reichen Unterstützungen verarmt waren, wurden so hohe Geldbußen auferlegt, daß sie völlig zu Grunde gingen. Viele Güter wurden confiscirt und viele geächtete Cavaliere fanden es gerathen, den Schutz einflußreicher Mitglieder der siegenden Partei mit großen Kosten zu erkaufen. Ausgedehnte Besitzungen der Krone, der Bischöfe und Kapitel zog man ein und vergab sie entweder an Andere, oder verkaufte sie öffentlich, so daß in Folge dieser Beraubungen ein großer Theil des Bodens von England auf einmal feilgeboten wurde. Da nur wenig Geld vorhanden, der Markt überfüllt, der Besitztitel unsicher und die Furcht vor mächtigen Kauflustigen der freien Mitbewerbung hinderlich war, waren die Preise oft nur dem Namen nach vorhanden. Spurlos verschwanden auf diese Weise viele alte und ehrenwerthe Familien, und viele bis dahin unbekannte Leute wurden in kurzer Zeit reich.

Während aber die Häuser in dieser Art ihre Autorität geltend machten, ward sie plötzlich ihren Händen entrissen. Das Parlament hatte diese Autorität dadurch erlangt, daß man eine Gewalt erschaffen, der keine Schranken gesetzt werden konnten. Im Sommer 1647, nachdem ungefähr zwölf Monate verflossen, seit der letzte feste Platz der Cavaliere sich dem Parlamente ergeben, mußte das Parlament sich seinen eigenen Soldaten unterwerfen.

Herrschaft und Charakter der Armee. [Nun] folgte ein Zeitraum von dreizehn Jahren, in dem England, wenn auch unter verschiedenen Namen und Formen, in der That durch das Schwert regiert ward. Weder vor noch nach dieser Zeit ist in unserm Vaterlande die bürgerliche Gewalt einer Militairdictatur unterworfen gewesen.

Die Armee, die nun die Hauptmacht im Staate bildete, war von allen denen sehr verschieden, die wir seitdem kennen gelernt haben. Die Löhnung des gemeinen Soldaten ist jetzt der Art, daß sie nur die unterste Klasse der Arbeiter Englands reizen kann, ihren Stand aufzugeben. Der Gemeine ist von dem höhern Offizier durch eine fast unübersteigliche Schranke getrennt. Von allen denen, die im Militairdienste avancirt sind, hat die größere Mehrzahl die Stellen erkauft. Die entfernten Besitzungen Englands sind so zahlreich und ausgedehnt, daß jeder in den Kriegsdienst Eintretende fürchten muß, entweder viele Jahre im Exile, oder einige Jahre unter Himmelsstrichen zu verleben, die auf Gesundheit und Kraft eines Europäers nachtheilig einwirken. Die Armee des langen Parlaments war für den Dienst im Inlande bestimmt; die Löhnung des gemeinen Soldaten war bedeutend höher als der Lohn, den die große Masse des Volkes durch Arbeit verdiente, und jeder, der sich durch Einsicht und Tapferkeit auszeichnete, hatte Hoffnung auf höhere Stellungen. So kam es, daß in den Reihen des Heeres Leute standen, die an Stand und Bildung die große Masse überragten, nüchtern, sittlich, fleißig und zu denken gewöhnt waren, Leute, die weder aus Hang zur Veränderung und Zügellosigkeit, noch durch die Kniffe der Werbeoffiziere veranlaßt, sondern aus religiösem und politischem Eifer und mit dem Streben nach Auszeichnung und Beförderung die Waffen ergriffen hatten. Diese Soldaten sprachen in ihren feierlichen Beschlüssen mit Stolz aus, daß sie weder durch Zwang, noch aus Gewinnsucht Dienste genommen, daß sie nicht Janitscharen seien, sondern freigeborene Engländer, die aus eigenem Antriebe für die Freiheit und die Religion Englands ihr Leben einsetzten, und deren Recht und Pflicht es wäre, die Wohlfahrt der Nation, die sie gerettet hätten, zu bewachen.

Einem aus solchen Elementen hervorgegangenen Heere konnte man ohne Nachtheil für die Wirksamkeit desselben einige Freiheiten nachsehen, die bei andern Truppen alle Disziplin aufgelöst haben würden. Gewöhnlich werfen Soldaten, die politische Klubs bilden, Abgeordnete erwählen und Beschlüsse über wichtige politische Fragen fassen, jeden Zwang ab, hören auf eine Armee zu sein und werden die schlechtesten und gefährlichsten Pöbelhaufen. In unserer Zeit würde es nicht gerathen sein, religiöse Zusammenkünfte in irgend einem Regimente zu gestatten, bei denen ein Korporal, der in der Bibel belesen, die Andachtsübungen seines weniger aufgeklärten Obersten leitete, oder einen vom Glauben abgefallenen Major Zurechtweisungen ertheilte. Aber die Krieger, die Cromwell gebildet, waren so einsichtsvoll, so ernst und so mächtig ihrer selbst, daß, unbeschadet der militairischen Organisation, eine politische und religiöse in ihrem Lager bestehen konnte. Leute, die außer dem Dienste als Demagogen und als Prediger im freien Felde verrufen waren, zeichneten sich durch Beharrlichkeit, Liebe zur Ordnung und durch strengen Gehorsam sowohl auf der Wache und bei den Exercitien, als auf dem Kampfplatze aus.