Vor dem Beginn der Bürgerkriege waren selbst diejenigen, denen die Ansichten und Gewohnheiten der Puritaner am meisten zuwider waren, zu der Anerkennung gezwungen, daß ihre Moralität im Wesentlichen tadellos sei; doch jetzt wurde dieses Lob nicht mehr gezollt, zum Unglück aber auch nicht mehr verdient. Immer war es das Schicksal der Sekten, so lange sie verfolgt und unterdrückt wurden, im Rufe der Heiligkeit zu stehen; sobald sie aber mächtig sich erhoben, verschwand auch die hohe Achtung, welche ihnen bis dahin geworden war. Die Erklärung liegt nicht fern. Nur selten wird Jemand einer geächteten, religiösen Gesellschaft beitreten, den nicht Gewissensgründe dahin führen, und deshalb besteht ein solcher Verein mit nur wenigen Ausnahmen aus Persönlichkeiten, die von der Wahrheit und Richtigkeit ihres Glaubens völlig durchdrungen sind. Die strengste Zucht, welche in einer solchen Gesellschaft gehandhabt werden kann, ist ein sehr schwaches Werkzeug der Läuterung im Vergleich mit etwas heftiger Verfolgung. Es ist bestimmt wahr, daß zur Zeit als Diokletian die Christen verfolgte, nur Wenige sich taufen ließen, welche nicht die ernste, religiöse Überzeugung dazu bewog, und daß aus gleichem Grunde Viele sich protestantischen Gemeinden anschlossen, auf die Gefahr hin von Bonner verbrannt zu werden. Aber wenn eine Sekte zu Ansehen und Macht gelangt, wenn ihre Gunst den Weg bahnt zu Ehrenstellen und Reichthümern, so werden sich immer habsüchtige und ehrgeizige Menschen herandrängen, ihre Sprache reden, ihre Gebräuche annehmen, ihre Eigenthümlichkeiten nachahmen, überhaupt in allen äußeren Zeichen des Eifers ihre ehrenwerthen Mitglieder sehr bald übertreffen. Die strengste Wachsamkeit der kirchlichen Leiter und ihre schärfste Unterscheidungsgabe wird nicht hinreichen, das Eindringen solcher heuchelnden Gesellen zu verhindern. Es ist nicht möglich, das Unkraut vom Weizen zu sichten, aber bald fängt die Welt an einzusehen, daß die frommen Herren nicht besser sind als andere Leute und schließt dann nicht ganz unrichtig, daß, wenn sie nicht besser sind, sie wohl schlechter sein müssen. So dauert es gar nicht lange, daß die äußeren Zeichen, welche man früher als Eigenthümlichkeiten der Heiligkeit betrachtete, als charakteristische Kennzeichen eines Schurken betrachtet werden.
So erging es den englischen Nichtconformisten. Während sie unterdrückt waren, hatte sich ihre Gemeinschaft rein erhalten; als sie aber übermächtig wurden im Lande, da durfte Niemand der Hoffnung leben, ohne ihren Einfluß zu Ehren und Ansehen zu gelangen; ihre Gunst aber war nur dadurch zu gewinnen, daß man gewisse Zeichen und Losungsworte der geistlichen Brüderschaft mit ihnen wechselte. Einer der ersten Beschlüsse von Barebones Parlament, welches von allen das am meisten puritanische war, bestand darin, daß Niemand in den Dienst des Staates treten sollte, bevor das Haus sich von seiner Frömmigkeit genügend überzeugt habe. Was damals für ein Zeichen wahrer Gottseligkeit galt, der dunkle Anzug, das saure Ansehen, das kurzgeschorne Haar, das näselnde Gewinsel, die mit Bibelstellen durchwebte Rede, der Abscheu vor Schauspielen, Karten und Falkenbeize, wurde sehr leicht von Männern nachgeahmt, denen jede Religion gleichgültig war. Die aufrichtigen Puritaner verschwanden bald in einer Masse von weltlichen Leuten, die zum Theil der schlechtesten Sorte angehörten. Denn der anerkannteste Wüstling, der unter dem königlichen Banner gefochten hatte, konnte mit Recht für tugendhaft gelten, denen gegenüber, welche, während sie von süßen Erfahrungen und trostgewährenden Traktätleins sprachen, in steter Ausübung von Betrug, Raub und geheimer Wollust lebten. Das Volk bildete sich leider ein zu rasches Urtheil über die ganze Körperschaft nach dem Betragen dieser elenden Heuchler; die Gottesverehrung, die Sitten, die Redeweise der Puritaner wurden nach der öffentlichen Meinung mit den abscheulichsten und niedrigsten Ausschweifungen in Verbindung gebracht. Als die Restauration begonnen hatte, und man ohne Gefahr seine Feindschaft gegen die Partei aussprechen durfte, welche so lange im Lande geherrscht, da tönte aus allen Gegenden des Königreichs ein Schrei des Hasses gegen den Puritanismus, welcher häufig durch die Stimmen jener Schurken verstärkt wurde, deren Lasterhaftigkeit den puritanischen Namen in Verruf gebracht hatte.
So waren die beiden großen Parteien, welche nach langen Feindseligkeiten sich auf einen Augenblick zur Wiederherstellung der Monarchie die Hand gereicht, einander jetzt wiederum, sowohl in politischer wie religiöser Beziehung, gänzlich entfremdet. Die Masse des Volkes hielt zu den Royalisten. Vergessen waren die Verbrechen Straffords und Lauds, die Gräuelthaten der Sternkammer und der hohen Kommission, und Niemand gedachte mehr der großen Dienste, welche das Lange Parlament in dem ersten Jahre seines Bestehens dem Staate geleistet hatte. An die Ermordung Karls I., die finstere Tyrannei des Rumpfs und die Gewaltthätigkeiten des Heeres dachte man mit Entrüstung, und die Massen waren geneigt, Alle, welche dem vorigen Könige Widerstand entgegengesetzt, für dessen Tod und die daraus hervorgegangenen unglücklichen Folgen verantwortlich zu machen.
Das Haus der Gemeinen war in einer Zeit gewählt worden, als noch die Presbyterianer herrschten, und so vertrat es in keiner Art die allgemeine Stimmung des Volks, zeigte aber eine starke Neigung, der unduldsamen Loyalität der Edelleute ernsthaft entgegen zu treten. Als ein Mitglied öffentlich erklärte, daß Alle, welche gegen Karl I. die Waffen ergriffen, eben solche Verrätherei begangen wie diejenigen, welche ihn hingerichtet, wurde dasselbe zur Ordnung gerufen, und erhielt von dem Sprecher einen Verweis. Ohne Zweifel war es der allgemeine aufrichtige Wunsch des Hauses, die kirchlichen Streitigkeiten so zu ordnen, daß die gemäßigten Puritaner dadurch zufriedengestellt würden; eine solche Erledigung wünschte aber weder der Hof noch das Volk.
[1.] Wie wenig das Mitleid dabei im Spiele war, erkennt man zur Genüge aus einer Schrift, betitelt: A perfect Diurnal of some Passages of Parliament, and from other Parts of the Kingdom, from Monday July 24th to Monday July 31st,, 1643. „Als die Königin aus Holland zurückkehrte, brachte sie außer einem Haufen von schlechtem Gesindel, welches das Aussehen von Menschenfressern hatte, eine Anzahl wilder Bären mit. Ihr werdet aus dem Weiteren ersehen, zu welchem Zwecke. Man ließ diese Bären bei Newark zurück, um sie Sonntags in die Landstädte zu bringen und dort zu hetzen. Solcher Art ist die Religion, welche die, von denen hier die Rede ist, unter uns einführen wollen. Wagte es Jemand, ihre schändlichen Entheiligungen zu hindern oder sich nur Bemerkungen darüber zu erlauben, so wurde er unverzüglich als Rundkopf oder Puritaner bezeichnet und war in Gefahr geplündert zu werden. Einige von Oberst Cromwells Soldaten, welche zufällig am Sonntag nach der Stadt Uppingham in Rutland kamen, sahen die eben stattfindende Bärenhetze, und veranlaßten, daß das Spiel sofort unterbrochen und die Bären an einen Baum gebunden und erschossen wurden.“ Dieses war durchaus kein vereinzeltes Beispiel. Der Sheriff von Surrey, Oberst Pride, befahl, daß die Bären im Garten von Southwark getödtet werden sollten. Ein loyaler Satyriker läßt ihn diesen Befehl folgendermaßen vertheidigen: „Am meisten liegt mir die Tödtung dieser Bären am Herzen, wodurch ich mir den Haß des Volkes zugezogen, das mich mit allen Benennungen des Regenbogens beehrt. Aber erschlug nicht David einen Bären? Tödtete nicht der Lord Statthalter Ireton einen Bären? Tödtete nicht ein anderer Lord von den Unsrigen fünf Bären?“ Last Speech and dying Words of Thomas Pride.
[2.] Man sehe Penns New Witnesses proved Old Heretics und Muggletons Werke an mehreren Stellen.
Charakter Karls II. [Der] neueingesetzte König besaß um diese Zeit die Liebe des Volkes in höherem Maaße, als jemals einer seiner Vorgänger. Das Unglück, welches sein Haus betroffen, der heldenmüthige Tod seines Vaters, die vielen Leiden und romantischen Abenteuer, welche er erlebt, machten ihn zum Gegenstande allgemeiner Theilnahme. Durch seine Rückkehr wurde England von einer drückenden Knechtschaft erlöst. Herbeigerufen durch die Stimmen der beiden streitenden Parteien, war er der geeignete Mann, um als Schiedsrichter zwischen sie zu treten, und in gewisser Beziehung war er wohl befähigt, diese Aufgabe zu lösen. Die Natur hatte ihn mit vorzüglichen Anlagen und einem glücklichen Temperament ausgestattet, und von seiner Erziehung ließ sich erwarten, daß sie seinen Verstand entwickelt und ihn zur Ausübung jeder Tugend des öffentlichen und Privatlebens befähigt habe. Der Wechsel des Glücks war ihm nicht unbekannt, und beide Seiten der menschlichen Natur hatte er beobachten lernen. In früher Jugend hatte ihn das Schicksal aus dem Königsschlosse hinausgeworfen in ein Leben der Verbannung, der Gefahren und Entbehrungen; in einem Alter der geistigen und körperlichen Kraftfülle, in dem das erste Aufbrausen der jugendlichen Leidenschaften sich bereits gelegt, ward er zurückgerufen von seinen unstäten Wanderungen, um Englands mächtige Krone zu tragen. Bittere Erfahrungen hatten ihm bewiesen, wie oft die zur Schau getragene Ergebenheit der Hofleute Bosheit, Verrätherei und Undank verbirgt; dagegen waren ihm in der Hütte der Armuth die überzeugendsten Beweise von wahrem Seelenadel gegeben worden. Als hohe Belohnung jedem versprochen ward, der ihn seinen Feinden verrathen würde, und man denjenigen, welcher ihm hilfreich beistehen wollte, mit dem Tode bedrohte, da hatten arme Landleute und die niedrigsten seiner Diener mit rührender Aufopferung dem unglücklichen Fürsten zur Seite gestanden, und ihn mit derselben tiefen Ehrerbietung behandelt, als ob die Krone seiner Väter noch in vollem Glanze auf seinem Haupte strahlte. Es stand zu erwarten, daß ein junger Mann, dem es weder an Fähigkeiten noch an liebenswürdigen Eigenschaften gebrach, durch die gemachten Erfahrungen zu einem großen und ausgezeichneten König herangebildet worden sei. Karl besaß, neben gefälligen Formen für die Gesellschaft, feine und einnehmende Manieren und nicht wenig Talent für lebendige Unterhaltung; aber dabei war er dem Sinnengenusse im höchsten Grade ergeben, sowie ein Freund des Müßiggangs und der Leichtfertigkeit, ohne Kraft sich zu beherrschen, ohne hohen Begriff von menschlicher Tugend und Zuneigung, ohne Drang nach Ruhm, und unempfindlich gegen jeden Tadel. Nach seiner Ansicht war jeder käuflich, nur daß er sich oft in höheren Preis stellte, als ein anderer, und wenn der Handel recht hartnäckig und geschickt betrieben ward, so gab es für denselben verschiedene und wohlklingende Namen. Die höchste Geschicklichkeit, mit welcher kluge Männer den Preis ihrer Fähigkeiten zu steigern wußten, ward Rechtschaffenheit, die raffinirteste Gewandtheit, mit der liebenswürdige Frauen den Preis ihrer Reize zu erhöhen verstanden, Sittsamkeit genannt. Vaterlandsliebe, Familienliebe, Freundesliebe, Liebe zu Gott, dies Alles waren leere Phrasen, zarte und schickliche Benennungen für die Selbstliebe. Bei einer solchen Ansicht von den Menschen war es Karl natürlich sehr gleichgültig, wie diese über ihn dachten. Ehre und Schande waren ihm dasselbe, was dem Blinden Licht und Dunkelheit sein mag. Man hat seine Verachtung der Schmeichelei hoch gerühmt, aber sie erscheint des Lobes nicht würdig, wenn man sie in Zusammenhang mit den übrigen Eigenschaften seines Charakters bringt. Man kann sowohl über der Schmeichelei stehen, wie unter ihr, wer dem Schmeichler nicht traut, wird auch keinem Andern trauen; wer keinen Begriff von wahrem Ruhme hat, wird auch den scheinbaren verachten.
Bei Karls Gemüthsart ist es rühmlich zu erwähnen, daß er trotz der schlechten Meinung, welche er von den Menschen hatte, doch nie ein Menschenfeind wurde. Er fand in den Menschen wenig was ihm nicht hassenswerth dünkte, und doch haßte er sie nicht, er war sogar menschenfreundlich genug, daß es ihm Kummer verursachte, wenn er ihre Leiden sah, oder ihre Klagen hören mußte. Diese Art von Menschenfreundlichkeit aber, welche bei einem Privatmann recht schön und lobenswerth sein mag, indem dessen Macht, Nutzen oder Schaden zu bringen, auf einen engen Kreis beschränkt wird, ist bei Herrschern häufiger ein Laster gewesen als eine Tugend. Mehr als ein wohlgesinnter Fürst hat ganze Provinzen dem Raube und der Unterdrückung preisgegeben, blos weil es ihn unangenehm berührte, andere als glückliche Gesichter auf seinen Spaziergängen und an seiner Tafel zu sehen. Keiner ist geeignet, das Scepter eines großen Staats zu führen, welcher Bedenken trägt, zum Besten der Massen mit denen er niemals in Berührung kommt, die Wenigen, welche Zutritt bei ihm haben, zu kränken. Die leichtsinnige Schwäche, welche Karl besaß, war so groß, wie sie vielleicht noch nie bei einem Manne von seinem Verstande gefunden wurde; obgleich nichts weniger als ein Schwachkopf, war er doch ein Sklave. Nichtswürdige Männer und feile Frauen, deren Erbärmlichkeit er völlig durchschaute, von denen er wußte, daß er ebensowenig ihre Liebe wie sie sein Vertrauen besaßen, konnten mit Leichtigkeit ihm Alles abschmeicheln was sie wünschten: Titel, Ehrenstellen, Güter, Staatsgeheimnisse und Begnadigungen. Obgleich er viel austheilte, genoß er doch niemals das Vergnügen, welches die Freigebigkeit verursacht, und ebensowenig erntete er den Ruhm derselben. Er gab nie aus freiem Antriebe, aber es war ihm unangenehm das Erbetene zu versagen. Eine natürliche Folge davon war, daß im Allgemeinen nicht diejenigen, welche sie verdienten, oder die in seiner Gunst standen, Empfänger dieser Gnadenbeweise waren, sondern daß sie den unverschämtesten und zudringlichsten Bewerbern zu Theil wurden, denen es gelungen war, sich eine Audienz zu verschaffen.
Die Beweggründe, welche das politische Verhalten Carls II. leiteten, waren ganz anderer Natur als diejenigen, welche die Handlungen seines Vorgängers wie seines Nachfolgers auf dem Throne bestimmten. Er war nicht der Mann, den eine patriarchalische Regierungstheorie oder die Lehre vom göttlichen Recht anziehen konnte. Durchaus frei von Ehrgeiz, verabscheute er alle Geschäfte, und ehe er sich der Mühe unterzogen hätte, die Zügel der Regierung selbst in die Hand zu nehmen, würde er lieber auf die Krone Verzicht geleistet haben. Seine Arbeitsscheu sowie seine Unkenntniß der Staatsgeschäfte waren so groß, daß selbst die Schreiber, welche Gelegenheit hatten ihn im Geheimen Rathe zu beobachten, über seine kindische Ungeduld und seine läppischen Bemerkungen oft nur mit Mühe das Lachen unterdrücken konnten. Seine Schritte wurden weder von der Dankbarkeit noch von der Rache geleitet, denn auf sein Gemüth konnten empfangene Beleidigungen ebensowenig wie geleistete Dienste einen anderen als einen schwachen und rasch vorübergehenden Eindruck machen. Es war nur sein Wunsch, ein König zu sein wie es später Ludwig XV. von Frankreich war, ein Herrscher, der zur Befriedigung seiner Privatneigungen rücksichtslos den Staatsschatz benutzen und durch Ehrenstellen und Geld Personen an sich fesseln konnte, die geeignet waren seinen Müßiggang zu theilen, und welcher, wenn auch die schlechteste Verwaltung den Staat an den Rand des Verderbens gebracht, immer noch die mißliebige Wahrheit aus dem Bereiche seines Serails fern halten und nichts sehen und hören wollte, was ihn in seiner üppigen Trägheit hätte stören können. Zu diesen Zwecken, aber auch nur zu diesen Zwecken, wünschte er eine willkürliche Gewalt, vorausgesetzt daß sie ohne Anstrengung und Gefahr erlangt werden konnte. Bei den religiösen Streitfragen, welche Zwiespalt unter den Protestanten hervorriefen, blieb sein Gewissen vollkommen unberührt, denn seine Ansichten schwankten fortwährend zwischen Unglauben und Pabstthum. Wenn aber auch sein Gewissen bei dem Kampfe der Episcopalen und Presbyterianer unberührt blieb, so war es doch anders mit seinen Neigungen. Gerade diejenigen Laster, gegen welche der Puritanismus die wenigste Nachsicht zeigte, übte er am fleißigsten, und als Mann von guter Erziehung, der mit großem Scharfblick die lächerlichen Seiten einer Sache erkannte, ließ er es nicht an verächtlichen Scherzen über die puritanischen Abgeschmacktheiten fehlen. Es ist indessen nicht zu leugnen, daß er einige Ursache hatte mit dieser Secte unzufrieden zu sein. In einem Alter wo die Leidenschaften am ungestümsten herrschen, und der Leichtsinn am ehesten zu entschuldigen ist, hatte Karl einige Monate in Schottland gelebt, dem Namen nach als König, in der That aber ein Staatsgefangener unter der Obhut der schroffen Presbyterianer. Nicht genug, daß sie ihm zumutheten ihren Gottesdienst zu üben und ihr Covenant zu unterschreiben, bewachten sie jeden seiner Schritte, und überhäuften ihn mit Strafpredigten, wenn er sich eine jugendliche Thorheit zu Schulden kommen ließ. Er wurde gezwungen endlose Gebete und Predigten anzuhören, und konnte sich noch glücklich schätzen, wenn er nicht von einem fanatischen Kanzelredner, auf seine eigenen Schwächen rücksichtslos sowie auf das tyrannische Regiment seines unglücklichen Vaters und den papistischen Götzendienst der Mutter aufmerksam gemacht wurde. Er hatte diese Zeit seines Lebens in so traurigen Verhältnissen zugebracht, daß das Unglück, welches ihn zu neuer Wanderung hinaustrieb, ihm eher eine Befreiung als ein Mißgeschick dünken mußte. Beherrscht von diesen Gefühlen, war es Karls eifrigster Wunsch, die Partei zu vernichten, welche seinem Vater so heftigen Widerstand entgegengestellt hatte.
Charakterschilderung des Herzogs von York und des Earl von Clarendon. [Nach] demselben Ziele strebte des Königs Bruder, Jacob, Herzog von York. Obgleich in hohem Grade der Sinnenlust ergeben, war Jacob fleißig, methodisch, und liebte Autorität und Beschäftigung. Sein Verstand war höchst einfach und beschränkt, sein Charakter starr, hartnäckig und unversöhnlich. Daß dieser Fürst kein Wohlgefallen an den freien Institutionen Englands und an der Partei finden konnte, welche für diese Institutionen die wärmste Theilnahme hegte, leuchtet ein. Obgleich ein Mitglied der anglikanischen Kirche hatte der Herzog doch schon gewisse Neigungen gezeigt, welche die guten Protestanten ernstlich beunruhigten.