Opposition in dem Hause der Gemeinen. [Hätte] man, während die Nation unter so viel Schande und Drangsal fast erlag, eine allgemeine Wahl vorgenommen, so würden nach aller Wahrscheinlichkeit die Rundköpfe wieder zur Herrschaft im Staate gelangt sein; das Parlament war aber noch immer das Cavalierparlament, welches in dem ersten Loyalitätstaumel gewählt worden, der auf die Restauration folgte. Es ward jedoch bald offenbar, daß keine gesetzgebende Versammlung in England, wäre sie auch noch so loyal, sich begnügen würde, blos das zu sein, was dergleichen Versammlungen zur Zeit der Tudors gewesen waren. Vom Tode Elisabeths bis zum Beginn des Bürgerkrieges hatten die Puritaner, welche in dem volksvertretenden Körper überwiegend waren, durch eine geschickte Anwendung der Macht des Geldes Übergriffe in das Gebiet der exekutiven Regierung gethan. Die Herren, welche nach Ausführung der Restauration das Unterhaus einnahmen, haßten zwar die Puritaner, waren aber gar nicht böse, die Früchte der puritanischen Staatskunst zu erben. Allerdings hatten sie den besten Willen, die Gewalt, welche ihnen im Staate geworden, zu dem Zwecke zu verwenden, ihrem König sowohl daheim, wie im Auslande, Macht und Ansehen zu verschaffen; sie waren aber auch entschlossen, ihre eigene Macht nicht aufzugeben. Die große englische Revolution des siebzehnten Jahrhunderts, nämlich die Übertragung der Oberleitung der ausführenden Verwaltung von der Krone auf das Haus der Gemeinen, war während des ganzen langen Bestehens dieses Parlaments in ruhigem, aber schnellem und entschlossenem Fortschreiten. Karl gerieth durch seine Thorheiten und Laster beständig in Geldverlegenheit. Nur durch die Gemeinen konnte er auf gesetzlichem Wege Geld erlangen, und es ließ sich nicht verhindern, daß sie selbst einen Preis für ihre Bewilligung festsetzten. Dieser bestand darin, daß es ihnen erlaubt sei, sich in alle Prärogativen des Königs zu mischen, ihm die Zustimmung zu Gesetzen, welche er mißbilligte, abzuzwingen, Cabinete aufzulösen, den Gang der auswärtigen Politik vorzuschreiben und selbst die Kriegsführung zu leiten. Der königlichen Würde und der Person des Souverains versprachen sie laut und offenherzig die treueste Anhänglichkeit. Clarendon aber waren sie keine Unterthanentreue schuldig, und so griffen sie ihn mit einer so heftigen Entrüstung an, wie ihre Vorgänger einst Strafford.

Sturz Clarendons. [Die] guten Eigenschaften, wie die Fehler dieses Staats­mannes beförderten gleichmäßig seinen Sturz. Er war das Haupt der Verwaltung, und wurde deshalb selbst für solche Handlungen verantwortlich gemacht, denen er in der Rathsversammlung lebhaften, wenn auch nutzlosen Widerstand entgegengestellt hatte. Die Puritaner und Alle, welche diese bemitleideten, hielten ihn für einen unverbesserlichen Zeloten, für einen zweiten Laud, nur mit mehr Verstand begabt als dieser. Er hatte stets behauptet, daß man die Amnestieakte streng handhaben müsse, und obgleich dieser Theil seines Verhaltens höchst ehrenwerth für ihn erschien, so verfeindete derselbe ihn doch mit allen Royalisten, welche ihren zerrütteten Verhältnissen durch Klagen gegen die Rundköpfe wegen erlittener Verluste und entzogener Nutzungen wieder aufzuhelfen wünschten. Die Presbyterianer Schottlands beschuldigten ihn des Sturzes ihrer Kirche, die irländischen Papisten warfen ihm den Verlust ihrer Güter vor. Als Vater der Herzogin von York hatte er gegründete Ursachen, eine unfruchtbare Königin zu wünschen, und kam daher in den Verdacht, absichtlich eine solche empfohlen zu haben. Den Verkauf Dünkirchens machte man ihm mit Recht zum Vorwurf; die Schuld an dem holländischen Kriege aber ward ihm mit weniger Grund zur Last gelegt. Sein reizbares Temperament, sein stolzes Benehmen, die maßlose Sucht, Reichthümer zu erwerben, die prahlerische Art mit der er dieselben wieder verschwendete, seine mit den Meisterstücken van Dyks gefüllte Gemäldegallerie — dem früheren Eigenthume verarmter Cavaliere, — sein Palast, dessen lange stattliche Fronte sich der bescheidenen Wohnung des Königs gegenüber erhob, unterwarfen ihn vielem wohlverdienten, jedoch auch manchem ungerechten Tadel. Als die holländische Flotte in der Themse ankerte, richtete sich die Wuth des Pöbels hauptsächlich gegen den Kanzler. Man warf ihm die Fenster ein, vernichtete die Bäume seines Gartens, und errichtete vor dem Eingange seines Palastes einen Galgen. Am verhaßtesten war er dem Hause der Gemeinen. Er war nicht fähig, zu erkennen, daß die Zeit schnell heranrückte, wo dieses Haus, wenn es überhaupt fortbestand, die Oberherrschaft im Staate erlangen, daß die Leitung desselben ein wichtiger Zweig der Staats­geschäfte werden, und daß es unmöglich sein würde, ohne den Beistand von Männern, welche das Vertrauen des Hauses besaßen, das Ruder des Staats­schiffs zu führen. Er ließ sich nicht davon abbringen, das Parlament als eine Corporation zu betrachten, die in keiner Hinsicht von jenem Parlamente abweiche, welches vor vierzig Jahren existirte, als er im Temple dem Studium der Rechtswissenschaft oblag. Zwar beabsichtigte er nicht, die gesetzgebende Versammlung der Vorrechte zu berauben, welche die alte Verfassung Englands ihr bewilligt; aber die neue Ausdehnung derselben, wenn auch natürlich und unvermeidlich, und nur durch ihre völlige Vernichtung abzuwenden, erfüllte ihn mit Widerwillen und Unruhe. Nie würde er sich entschlossen haben, das große Siegel unter eine Verordnung zur Erhebung von Schiffsgeld zu drücken, oder im Rathe seine Zustimmung dazu zu geben, daß ein Mitglied des Parlaments auf Grund von Äußerungen während der Debatte in den Tower geschickt werden könne; als aber die Gemeinen zu wissen verlangten, wozu das Geld, welches sie für den Krieg bewilligt, verwendet worden sei, als sie anfingen die schlechte Verwaltung der Flotte zu untersuchen, da gerieth er vor Unwillen außer sich. Er war der Ansicht, daß dergleichen Nachforschungen außerhalb ihrer Berechtigung lägen und gab zwar zu, daß das Haus eine sehr loyale Versammlung sei, die der Krone recht ersprießliche Dienste geleistet, und daß seine Absichten ganz vortrefflich sein könnten, aber in weiteren und engeren Kreisen sprach er unverholen sein Bedauern aus, daß der Monarchie aufrichtig ergebene Gentlemen mit solcher Unbedachtsamkeit die Vorrechte des Souverains antasteten. Wenn auch anderer Gesinnung als die Mitglieder des Langen Parlaments, handelten sie doch — sagte er — wie dieses Parlament, indem sie Angelegenheiten zu den ihrigen machten, welche, außerhalb des Wirkungskreises der Reichsstände, nur lediglich der Autorität der Krone unterlägen. Er versicherte, der Staat werde sich nie einer guten Regierung erfreuen, bis die Abgeordneten der Grafschaften sich damit begnügten, nicht mehr zu sein, als ihre Vorgänger zur Zeit Elisabeths. Alle Vorschläge, welche von Männern, die ihre Zeit besser erkannt hatten als er, zu dem Zwecke gemacht wurden, ein Einverständniß zwischen dem Hofe und den Gemeinen herbeizuführen, wies er als unreife Projecte, die mit den alten englischen Staats­verhältnissen nicht harmonirten, verächtlich zurück. Junge Sprecher, welche im Unterhause zu Ansehen und Auszeichnung gelangten, behandelte er abstoßend, und machte sich dieselben fast ohne Ausnahme dadurch zu unversöhnlichen Feinden. Ohne Zweifel war einer seiner größten Fehler die maßlose Verachtung der Jugend, und es war dieselbe um so weniger zu rechtfertigen, da seine eigene diplomatische Erfahrung in englischen Regierungs­angelegen­heiten, durchaus in keinem Verhältnisse zu seinen Jahren stand, indem er einen großen Theil seines Lebens im Auslande zugebracht und von der Welt, in der er sich nach seiner Rückkehr bewegte, nicht so viel wußte, als Leute, welche dem Alter nach seine Söhne sein konnten.

Aus diesen Gründen war er den Gemeinen verhaßt, und aus anderen Gründen auch bei Hofe nicht beliebt. Seine Moral wie seine Politik erinnerten an eine frühere Generation. Selbst als junger Student der Rechte, wo er mit so vielen witzigen und vergnügungslustigen Menschen umging, hatten ihn sein natürlicher Ernst und seine frommen Grundsätze fast ganz vor der Ansteckung der Modethorheiten bewahrt; um so weniger war er geeignet, im höheren Alter und bei schwankender Gesundheit noch ein Wüstling zu werden. Mit bitterem und verächtlichem Widerwillen betrachtete er die Lasterhaftigkeit der ausgelassenen Jugend, sowie er nicht minder die tiefste Abneigung gegen die theologischen Irrthümer der Sectirer hegte. Er benutzte jede Gelegenheit, um seinen Haß gegen Possenreißer, Schwelger und Buhlerinnen auszusprechen, welche den Palast erfüllten, und die Warnungen, die er gegen den König aussprach, waren nicht nur sehr scharf, sondern auch, was Karl noch ärgerlicher war, sehr lang. Es fand sich Niemand, der einem Minister beistand, dem man den doppelten Vorwurf machte, Fehler zu besitzen, welche die Wuth des Volkes erweckten, und Tugenden, welche dem Monarchen beschwerlich und unangenehm waren. Southampton war gestorben; Ormond stand dem Freunde mannhaft und treu, aber fruchtlos zur Seite. Der Kanzler fiel in die tiefste Ungnade. Der König nahm ihm das Siegel ab, die Gemeinen versetzten ihn in Anklagestand, sein Kopf war nicht mehr sicher, er entfloh aus England und wurde durch eine Akte zu ewiger Verbannung verurtheilt; die aber, welche seinen Fall herbeigeführt, begannen sich um die Trümmer seiner Gewalt zu streiten.

Durch Clarendon’s Hinopferung war der öffentliche Rachedurst etwas abgekühlt; doch war die Entrüstung über die Verschwendung und Nachlässigkeit der Regierung, so wie über den schlechten Ausgang des letzten Krieges noch keineswegs beschwichtigt. Die Räthe des Königs, denen das Schicksal des Kanzlers vorschwebte, fürchteten für ihre eigene Sicherheit. Sie beschworen deshalb den Herrscher, die Aufregung, welche im Parlamente wie im ganzen Lande herrschte, zu besänftigen und einen Schritt zu thun, der in der Geschichte des Hauses Stuart ohne Beispiel ist und der Klugheit und Hochherzigkeit eines Cromwell würdig gewesen wäre.

Zustand der europäischen Staats­angelegen­heiten und Überlegenheit Frankreichs. [Wir] sind jetzt bei dem Punkte angekommen, wo die Geschichte der großen, englischen Revolution anfängt, sich mit der Geschichte der auswärtigen Staats­angelegen­heiten zu verflechten. Die spanische Macht war seit vielen Jahren im Abnehmen begriffen. Spanien besaß zwar in Europa noch Mailand, die beiden Sicilien, Belgien und die Franche Comté, und in Amerika lagen seine Besitzungen zu beiden Seiten des Äquators noch weit über die beiden Grenzen der heißen Zone hinaus; allein dieser große Körper war gelähmt, und nicht nur ohne Macht, andere Staaten zu belästigen, sondern auch außer Stande, ohne Unterstützung einen Angriff auszuhalten. Frankreich war jetzt ohne Zweifel die bedeutendste Macht Europa’s. Seit jener Zeit haben seine Hilfsquellen unbedingt zugenommen, aber nicht so schnell wie die Hilfsquellen Englands. Auch darf man nicht vergessen, daß vor einhundert­achtzig Jahren das russische Kaiserreich — jetzt eine Monarchie ersten Ranges — ebensoweit außer dem Bereich der europäischen Politik lag, wie Abyssinien oder Siam, daß das brandenburgische Haus damals kaum bedeutender war, als jetzt das Haus Sachsen, und daß die Republik der Vereinigten Staaten von Amerika zu jener Zeit noch nicht existirte. Die Bedeutung Frankreichs hat sich demnach, obgleich sie noch immer sehr groß ist, relativ vermindert. Zu den Zeiten Ludwigs XIV. war Frankreichs Gebiet noch nicht ganz so ausgebreitet wie gegenwärtig, aber es war ein großes, abgeschlossenes, fruchtbares Land, zum Angriff wie zur Vertheidigung trefflich geeignet, in einem glücklichen Klima gelegen, und bewohnt von einem tapferen, gewerbfleißigen und geistreichen Volke. Der Staat gehorchte völlig der Leitung eines einzigen Geistes. Die großen Lehen, welche in Allem — den Namen ausgenommen — souveraine Fürstenthümer gewesen, waren Eigenthum der Krone geworden. Nur wenige hochbetagte Leute erinnerten sich noch der letzten Versammlung der Generalstaaten. Den Widerstand, den die Hugenotten, der Adel und die Parlamente der königlichen Macht entgegengestellt, war durch die beiden großen Cardinäle vernichtet, welche vierzig Jahre lang die Nation beherrscht hatten. Die Regierung war jetzt despotisch, aber wenigstens im Verkehr mit den höheren Ständen war dieser Despotismus ebenso mild als großmüthig, und gemäßigt durch ritterliche Gesinnungen und feine Sitte. Die Mittel, über welche der Souverain gebieten konnte, waren für jene Zeit von ungeheurer Bedeutung. Sein Einkommen, erhöht durch eine allerdings etwas harte und ungeregelte Besteuerung, welche drückend auf dem Landmann lastete, überstieg bei weitem das jedes anderen Herrschers; seine vorzüglich disciplinirte und von den größten damals lebenden Generälen befehligte Armee zählte bereits mehr als hundert­zwanzig­tausend Mann. Eine solche regulaire Truppenmacht war seit dem Untergange des römischen Kaiserreiches in Europa nicht gesehen worden. Unter den Seemächten nahm Frankreich zwar nicht den ersten Rang ein; aber wenn es auch Rivalen auf dem Meere hatte, so wurde es doch von keinem übertroffen. Seine Macht während der letzten vierzig Jahre des siebzehnten Jahrhunderts war so bedeutend, daß ein einzelner Feind ihm unmöglich widerstehen konnte und daß zwei mächtige Coalitionen, zu denen sich die halbe christliche Welt gegen Frankreich verbunden hatte, nichts auszurichten vermochten.

Charakter Ludwigs XIV. [Die] Achtung, welche Frankreichs Macht und Bedeutung einflößten, wurden noch durch die persönlichen Eigenschaften seines Königs erhöht. Kein Souverain hat jemals die Majestät eines großen Staates mit mehr Würde und Anstand vertreten, als er. Er war sein eigener Premierminister, und besorgte die Obliegenheiten dieser schwierigen Stellung mit einer Gewandtheit und einem Fleiße, die man in der That kaum von einem Manne hätte erwarten sollen, der schon in den Jahren der Kindheit Frankreichs Krone trug und von Schmeichlern umgeben war, ehe er noch sprechen konnte. Er besaß in ausgezeichnetem Grade zwei für einen Fürsten unschätzbare Talente, nämlich seine Diener passend zu wählen, und sich selbst den größeren Theil des Ruhmes ihrer Thätigkeit anzueignen. In seinem Verkehr mit auswärtigen Mächten zeigte er einigen Großmuth, aber keine Gerechtigkeit. Unglückliche Bundesgenossen, welche mit der einzigen Hoffnung auf sein Mitleid sich ihm zu Füßen warfen, beschützte er mit einer chevaleresken Uneigennützigkeit, die sich besser für einen irrenden Ritter schickte, als für einen Staatsmann; die heiligsten Bande der Treue aber galten ihm nichts, und er zerriß sie ohne Scham und Scheu, sobald sie seinem Interesse, oder dem was er Ruhm nannte, widerstritten. Doch diese Treulosigkeit und Gewaltthätigkeit waren weniger verletzend als der Übermuth, mit dem er seine Nachbarn unaufhörlich an seine eigene Erhabenheit und ihre Bedeutungslosigkeit erinnerte. Damals zeigte er noch nicht die finstre Frömmigkeit, welche in späterer Zeit dem französischen Hofe das Aussehen eines Klosters gab; er war im Gegentheil ebenso ausschweifend, wenn auch nicht so kindisch und träge wie sein Bruder von England. Doch war er ein aufrichtiger Katholik, und nicht nur sein Gewissen, sondern auch seine Eitelkeit veranlaßten ihn, seine Gewalt nach Art seiner berühmten Vorgänger, Chlodwig, Karl der Große und Ludwig der Heilige, zur Verherrlichung und Ausbreitung des wahren Glaubens zu verwenden.

Unsere Väter blickten freilich mit ernster Besorgniß auf Frankreichs wachsende Macht. Aber diese an sich völlig gerechtfertigte Empfindung war nicht frei von anderen, weniger lobenswerthen Gefühlen. Frankreich war unser Erbfeind. Gegen Frankreich hatten wir die ruhmvollsten Schlachten geschlagen, von denen unsere Geschichte erzählte. Zweimal war Frankreich von den Plantagenets erobert worden, und den Verlust Frankreichs hatte man lange als ein großes Nationalunglück betrachtet. Noch trugen unsere Souveraine den Titel eines Königs von Frankreich, noch prangten die französischen Lilien, verbunden mit unseren eigenen Löwen, im Wappenschilde des Hauses Stuart. Die Furcht vor Spanien hatte im sechzehnten Jahrhundert das feindselige Verhältniß unterbrochen, das von Alters her zwischen uns und Frankreich bestand. Die Furcht aber, welche Spanien einflößte, machte bald einem verächtlichen Mitleide Platz, und Frankreich trat wieder als alter Nationalfeind hervor. Der Verkauf Dünkirchens war die am allgemeinsten verschrieene Maßregel des wieder eingesetzten Königs gewesen, und Anhänglichkeit an Frankreich stand an der Spitze aller Verbrechen, deren die Gemeinen Clarendon beschuldigten. Selbst in Geringfügigkeiten zeigte sich die allgemeine Stimmung. Wenn in den Straßen von Westminster eine Rauferei zwischen den Dienern der französischen und spanischen Gesandtschaften stattfand, so gab das Volk, obgleich an jeder thätlichen Theilnahme kräftigst gehindert, doch die unzweideutigsten Zeichen, daß der alte Haß noch nicht erloschen war.

Frankreich und Spanien lagen eben in ernstem Streite mit einander. Eine der Hauptabsichten der Politik Ludwigs war sein ganzes Leben hindurch die Ausdehnung seiner Besitzungen bis an den Rhein. Aus diesem Grunde hatte er Spanien den Krieg erklärt und befand sich jetzt auf dem Wege der Eroberung. Die Vereinigten Provinzen gewahrten mit Besorgniß die Fortschritte seiner Waffen. Diese berühmte Föderation hatte den Gipfel der Macht, der Wohlfahrt und des Glückes erreicht. Das batavische Gebiet, den Wogen entrissen und durch menschliche Kunst gegen sie vertheidigt, war an Ausdehnung dem Fürstenthum Wales ziemlich gleich; aber dieser enge Raum glich einem geschäftigen und dicht bevölkerten Bienenstock, in welchem unaufhörlich neuer Reichthum geschaffen wurde und eine Masse alter Schätze aufgehäuft waren. Der Anblick von Holland, die vortreffliche Bodenkultur, die zahllosen Kanäle, die immer thätigen Mühlen, die endlosen Flotten von Barken, das rasche Aufblühen großer Städte, die beständig mit zahllosen Masten bespickten Häfen, die geräumigen stattlichen Häuser, die prachtvollen Villas, die reichgeschmückten Zimmer, die Gemäldesammlungen, die Landhäuser, die Tulpenbeete: dies Alles übte auf die englischen Reisenden einen Zauber aus, wie ihn der erste Anblick Englands auf einen Norweger oder Canadier hervorbringen mag. Cromwell hatte die Generalstaaten gezwungen sich vor ihm zu beugen; nach der Restauration aber hatten sie sich gerächt, mit Erfolg gegen Karl Krieg geführt, und einen ehrenvollen Frieden geschlossen. In so hohem Ansehen jedoch die reiche Republik in Europa stand, Ludwigs Macht war ihr überlegen. Nicht ohne guten Grund fürchtete sie, daß er sein Gebiet bald bis an ihre Grenzen ausdehnen werde, und sie hatte wohl Ursache, die unmittelbare Nachbarschaft eines ebenso mächtigen und ehrgeizigen, als gewissenlosen Monarchen zu scheuen. Es war jedoch schwer ein Mittel aufzufinden, welches die Gefahr beseitigen konnte. Die Holländer allein konnten Frankreich nicht die Wage halten, und von der Rheinseite her war keine Hilfe zu erwarten. Ludwig hatte verschiedene deutsche Fürsten für sich gewonnen, und der Kaiser selbst war durch die Unzufriedenheit der Ungarn beschäftigt. England hatte sich durch die Erinnerung an neuerdings erfahrene und erduldete schwere Beleidigungen von den Vereinigten Provinzen getrennt, und seine Politik war seit der Restauration so arm an Weisheit und Muth gewesen, daß man kaum auf eine wirksame Unterstützung von seiner Seite hoffen konnte.

Das Schicksal Clarendons und die überhandnehmende üble Stimmung des Parlaments bestimmten die Räthe Karls, plötzlich eine Politik zu ergreifen, welche die Nation in das freudigste Erstaunen versetzte.

Die Tripleallianz. [Der] englische Resident zu Brüssel, Sir William Temple, einer der erfahrensten Diplomaten und beliebtesten Schriftsteller jener Zeit, hatte seinem Hofe bereits vorgeschlagen, daß es eben so vortheilhaft als erwünscht sei, mit den Generalstaaten in Vernehmen zu treten, um der anwachsenden Macht Frankreichs einen Damm entgegen zu setzen. Längere Zeit hatte man seine Winke unberücksichtigt gelassen, jetzt aber hielt man es für angemessen, ihnen Folge zu leisten, und er bekam den Auftrag, mit den Generalstaaten deshalb zu unterhandeln. Er begab sich nach dem Haag, und kam bald zu einem Verständniß mit Johann de Witt, dem damaligen Premierminister Hollands. Schweden war, trotz seiner unbedeutenden Hilfsquellen, vierzig Jahre vorher durch das Genie Gustav Adolfs zu einem hohen Ansehen unter den europäischen Mächten gelangt, und hatte diese Stellung bis jetzt behauptet. Es wurde veranlaßt, sich bei dieser Gelegenheit mit England und den Nieder­landen zu verbinden. So ward jene Koalition gebildet, die unter dem Namen der Tripleallianz bekannt ist. Ludwig ließ wohl Verdruß und Gereiztheit merken, wagte es aber nicht, sich neben der Feindschaft Spaniens auch noch die der Verbündeten zuzuziehen. Er gab daher willig einen bedeutenden Theil des Gebietes auf, das seine Heere bereits erobert hatten, der Friede ward in Europa hergestellt, und die englische Regierung, noch kürzlich ein Gegenstand allgemeiner Verachtung, wurde einige Monate lang von den auswärtigen Mächten mit fast eben so hoher Achtung angesehen, als man früher dem Protektor gezollt hatte.