In England war die Tripleallianz höchst populär. Sie befriedigte sowohl den Nationalhaß wie den Nationalstolz, setzte dem Übermuthe eines mächtigen und ehrgeizigen Nachbars ein Ziel, und verband auf das Innigste die wichtigsten protestantischen Staaten. Cavaliere und Rundköpfe waren vollkommen zufrieden, aber die Freude der Rundköpfe war noch größer als die der Cavaliere, denn England hatte sich jetzt mit einem Lande von republikanischer Verfassung und presbyterianischer Religion gegen einen Staat verbündet, der von einem absoluten Fürsten regiert ward, welcher der römisch-katholischen Kirche ergeben war. Das Haus der Gemeinen zollte dem Vertrage lauten Beifall, und einige rücksichtslose Unzufriedene nannten ihn die einzige gute Maßregel, welche seit der Rückkehr des Königs ausgeführt worden sei.

Die Vaterlandspartei. [Dem] Könige aber war diese Billigung des Parlaments und Volks höchst gleichgültig. In der Tripleallianz sah er blos ein vorübergehendes Mittel zur Beschwichtigung der herrschenden Unzufriedenheit, welche einen ernsten Charakter anzunehmen schien. Er bekümmerte sich weder um die Selbstständigkeit und Sicherheit, noch um die Würde der Nation, über die er herrschte, und hatte angefangen, die verfassungs­mäßigen Beschränkungen lästig zu finden. Schon hatte sich im Parlamente eine fest zusammenhaltende Partei gebildet, welche man die Vaterlandspartei nannte. Diese bestand aus allen öffentlichen Männern, welche sich zum Puritanismus und Republikanismus hinneigten, und von denen Viele zwar der englischen Kirche und erblichen Monarchie zugethan, aber aus Furcht vor dem Papstthum und Entrüstung über die Verschwendung, Üppigkeit und Treulosigkeit des Hofes zur Opposition genöthigt waren. Die Macht dieses Vereins von Staats­männern war in stetem Wachsthum; alljährlich kamen einige von den Mitgliedern, welche durch die loyale Aufregung des Jahres 1661 in das Parlament gekommen waren, in Wegfall, und die erledigten Plätze wurden durch weniger fügsame Personen besetzt. Karl betrachtete sich nicht als König, so lange noch eine Versammlung von Unterthanen, ehe sie seine Schulden bezahlte, seine Rechnungen verlangen und darauf bestehen konnte, daß er erklärte, wer von seinen Maitressen oder lustigen Gesellschaftern das Geld weggefischt habe, welches zur Ausrüstung und Bemannung der Flotte bestimmt gewesen war. Wenn er auch nicht gerade nach Ruhm geizte, so verdrossen ihn doch die Spöttereien, welche bisweilen in den Verhandlungen der Gemeinen vorkamen, und bei einer Gelegenheit versuchte er durch ein sehr schlecht gewähltes Mittel diese Redefreiheit zu beschränken. Sir John Coventry, ein Landedelmann, hatte in der Debatte auf die Liederlichkeit des Hofes angespielt. Jede frühere Regierung würde ihn vor den Geheimen Rath gefordert und in den Tower geschickt haben; jetzt aber wählte man einen anderen Weg. Man sandte heimlich eine Rotte von Raufbolden ab, welche dem Beleidiger die Nase aufschlitzen mußten. Diese gemeine Rache verursachte, anstatt dem Geiste der Opposition zu schaden, eine solche Aufregung, daß der König sich zu der harten Demüthigung genöthigt sah, die Werkzeuge seiner Rache durch eine Akte zu verurtheilen, welche ihm das Begnadigungsrecht entzog.

Wie sehr er aber auch gegen die verfassungs­mäßigen Schranken eingenommen war, was sollte er thun, um sich von ihnen zu befreien? Er konnte sich nur vermittelst einer großen stehenden Armee zum Despoten machen, aber eine solche existirte nicht. Seine Einkünfte erlaubten ihm zwar einige reguläre Truppen zu halten, aber diese, wenn auch stark genug, um Mißtrauen und Besorgniß im Hause der Gemeinen wie im Volke hervorzurufen, waren kaum hinreichend, um Whitehall und den Tower gegen einen Aufstand des Londoner Pöbels zu vertheidigen. Solche Aufstände waren allerdings bedenklicher Art, denn es wurde berechnet, daß in der Hauptstadt und ihren Vorstädten nicht weniger als zwanzigtausend alte Cromwellsche Soldaten lebten.

Verbindung zwischen Karl II. und Frankreich. [Da] der König die Absicht hatte, sich von der Aufsicht des Parlaments zu befreien, und er zu diesem Unternehmen keine angemessene Hilfe im Innern zu finden hoffen konnte, so war es natürlich, daß er den Blick zu diesem Behufe nach dem Auslande richtete. Die Macht und der Reichthum des französischen Königs konnten der schwierigen Aufgabe gewachsen sein, die unbeschränkte Monarchie in England einzuführen. Ein solcher Bundesgenosse verlangte aber jedenfalls starke Beweise der Dankbarkeit für einen derartigen Dienst, Karl hätte zu der Bedeutung eines großen Vasallen herabsteigen, und Krieg und Frieden nach Vorschrift der Regierung beschließen müssen, welche ihm ihren Schutz gewährte. Seine Stellung zu Ludwig würde große Ähnlichkeit mit der gehabt haben, in der sich jetzt der Rajah von Nagpore und der König von Oude zur britischen Regierung befinden. Diese Fürsten sind verpflichtet, die Ostindische Kompagnie in allen Angriffs- und Vertheidigungs­kriegen zu unterstützen, und nur solche diplomatische Verbindungen zu unterhalten, welche die Ostindische Kompagnie erlaubt. Dafür sichert sie die Kompagnie gegen Empörung. So lange sie ihren Verpflichtungen gegen die überlegene Macht treulich nachkommen, läßt man sie über große Einkünfte verfügen, erlaubt ihnen, ihre Paläste mit schönen Frauen anzufüllen, sich in der Gesellschaft ihrer Lieblinge dumm zu schwelgen, und jeden Unterthanen, der ihnen mißfällt, ungestraft zu unterdrücken. Ein solches Leben mußte einem Manne von Hochherzigkeit und gewaltigem Geiste unerträglich sein; aber für den üppigen, trägen, abgespannten, jeder Vaterlandsliebe und alles Bewußtseins persönlicher Würde ermangelnden Karl hatte eine solche Aussicht durchaus nichts Mißfälliges. Daß der Herzog von York zu dem Plane, die Würde der Krone, welche er vermutlich einst selbst tragen würde, zu erniedrigen, die Hand geboten haben sollte, mag auffallend erscheinen, denn seine Gemüthsart war hochfahrend und herrschsüchtig, und er zeigte in der That ohne Unterbrechung durch Aufwallungen und gelegentliche Weigerungen seinen Haß gegen das französische Joch; er war jedoch durch Aberglauben fast ebenso verdorben, wie sein Bruder durch Nichtsthun und Üppigkeit. Jacob war damals schon Katholik. Frömmelei war die vorherrschende Richtung seines beschränkten halsstarrigen Geistes geworden und so mit seiner Herrschsucht verwachsen, daß diese beiden Leidenschaften kaum mehr zu unterscheiden waren. Es war sehr unwahrscheinlich, daß er ohne fremde Hilfe im Stande sein würde, das Übergewicht, oder auch nur Duldung für seinen Glauben zu erlangen, und bei seiner Gemüthsverfassung sah er in keinem Schritte etwas Erniedrigendes, wenn dadurch das Wohl der wahren Kirche befördert werden konnte.

Die Unterhandlung, welche eröffnet wurde, dauerte mehrere Monate. Die Hauptagentin zwischen den Höfen von England und Frankreich war die schöne, anmuthige und geistreiche Henriette, Herzogin von Orleans, Karls Schwester, Ludwigs Schwägerin, und der Liebling Beider. Der König von England erbot sich, den katholischen Glauben anzunehmen, die Tripleallianz aufzulösen und sich mit Frankreich gegen Holland zu verbinden, wenn Frankreich sich verpflichten wolle, ihm die nöthige militärische und pekuniäre Hilfe zu leisten, welche nöthig sei, um sich vom Parlamente unabhängig zu machen. Ludwig bemühte sich anfangs, diese Vorschläge mit scheinbarer Kälte anzuhören, und ging endlich in einer Weise darauf ein, als ob er eine große Gunst gewährte; der Weg aber, den er einzuschlagen gesonnen war, konnte ihm nur Gewinn bringen.

Pläne Ludwigs in Bezug auf England. [Es] scheint gewiß, daß es nie seine ernstliche Absicht war, mit bewaffneter Hand in England Despotismus und Papstthum einzuführen. Er mußte leicht einsehen, daß ein derartiges Unternehmen höchst schwierig und gewagt war, indem es auf Jahre hinaus alle Kräfte Frankreichs in Anspruch nehmen, und den vortheilhafteren Vergrößerungsplänen, die er im Sinne hatte, hinderlich sein würde. Zwar hätte er gern das Verdienst und den Ruhm erwerben mögen, gegen angemessene Bedingungen seiner Kirche einen bedeutenden Dienst zu leisten, er hatte aber keine Lust, seinen Vorfahren nachzuahmen, welche im zwölften und dreizehnten Jahrhundert den Kern des französischen Adels in Syrien und Egypten dem Tode entgegengeführt, und es war ihm wohlbekannt, daß ein Kreuzzug gegen den Protestantismus in England mit denselben Gefahren verbunden sein würde, wie die Unternehmungen, welche die Heere Ludwigs VII. und Ludwigs IX. verschlungen hatten. Es war für ihn keine Ursache vorhanden, den Stuarts Absolutismus zu wünschen, und die englische Verfassung betrachtete er durchaus nicht mit ähnlichen Gefühlen, durch welche späterhin Fürsten veranlaßt wurden, gegen die freien Institutionen benachbarter Völker Krieg zu führen. Dermalen hat jede große Partei, welche volksthümliche Regierung wünscht, ihre Verbindungen in jedem civilisirten Staate. Jeder wichtige Vortheil, den diese Partei erringt, giebt das Signal zu einer allgemeinen Bewegung. Es ist nicht auffällig, wenn Regierungen, denen eine gemein­schaftliche Gefahr droht, sich zu gegenseitiger Sicherung verbinden; aber im siebzehnten Jahrhundert gab es keine derartige Gefahr. Zwischen der öffentlichen Meinung in England und der von Frankreich lag eine große Kluft. Unsere Einrichtungen wie unsere Parteien verstand man in Paris ebenso wenig wie in Konstantinopel. Es ist zu bezweifeln, ob eins von den vierzig Mitgliedern der französischen Akademie ein englisches Werk in seiner Bibliothek hatte und Shakespeare, Johnson oder Butler auch nur dem Namen nach kannte. Einige Hugenotten, auf welche der Empörungsgeist ihrer Vorfahren übergegangen war, mochten vielleicht Sympathien für ihre Glaubensbrüder, die englischen Rundköpfe, hegen, aber die Hugenotten waren nicht mehr gefürchtet. Die Franzosen, der Mehrzahl nach Katholiken, und stolz auf die Erhabenheit ihres Monarchen wie auf ihre eigene Loyalität, betrachteten unsere Anstrengungen gegen Papstthum und Willkürherrschaft nicht blos ohne Bewunderung und Theilnahme, sondern mit entschiedener Mißbilligung und Abneigung. Man würde sich deshalb irren, wollte man das Verfahren Ludwigs Befürchtungen beimessen, welche nur entfernt denjenigen ähnelten, die in unserem Jahrhundert die heilige Allianz bestimmten, sich in die inneren Unruhen Spaniens und Neapels zu mischen.

Nichtsdestoweniger waren ihm die Vorschläge des Hofes von Whitehall äußerst willkommen. Er sann bereits auf großartige Pläne, welche Europa über vierzig Jahre lang in Gährung erhalten sollten. Es war sein Wunsch, die Vereinigten Provinzen zu demüthigen, und Belgien, die Franche Comté und Lothringen an Frankreich zu bringen. Dies war aber noch nicht Alles. Der König von Spanien, ein schwacher, kränklicher Knabe, starb aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Leibeserben. Seine älteste Schwester war die Königin von Frankreich. Somit lag die Vermuthung sehr nahe, daß die Zeit nicht mehr fern sei, wo das Haus der Bourbons seine Rechte an das große Reich erheben werde, in welchem die Sonne nie unterging. Der Vereinigung zweier so mächtigen Kronen auf einem Haupte würde sich ohne Zweifel eine kontinentale Koalition widersetzt haben; aber jeder solchen Koalition war Frankreich allein hinreichend gewachsen. England konnte den Stand der Dinge ändern, von der Stellung, welche es in einer solchen Krisis einnahm, hing das Schicksal der Welt ab, und es war zur Genüge bekannt, daß Parlament und Volk von England eifrig der Politik anhingen, deren Werk die Tripleallianz war. Es konnte daher für Ludwig nichts erfreulicher sein, als in Erfahrung zu bringen, daß die Fürsten des Hauses Stuart seine Hilfe wünschten und dieselbe durch unbegrenzte Ergebenheit zu erkaufen geneigt wären. Er entschloß sich, die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, und bildete sich selbst einen Plan, den er ohne Abweichung verfolgt hat, bis die Revolution von 1688 alle seine politischen Pläne über den Haufen warf. Er erklärte sich bereit, die Absichten des englischen Hofes zu befördern, und versprach kräftigen Beistand, spendete auch bisweilen so viel Unterstützung, als zur Aufrechterhaltung der Hoffnung nothwendig war, und er ohne Gefahr und Unbequemlichkeit missen konnte. Auf diese Art wurde es ihm möglich, mit viel geringeren Kosten als der Bau und die Einrichtung von Versailles oder Marly erforderten, England fast zwanzig Jahre hindurch zu einem eben so unbedeutenden Gliede des europäischen Staatenkörpers zu machen, wie die Republik San Marino. —

Seine Absicht war nicht etwa, unsere Verfassung umzustürzen, sondern nur die verschiedenen Elemente, aus denen sie bestand, in einem bleibenden Zustande von Aufregung zu erhalten, und zwischen den Börsenmännern und den Männern des Schwertes eine tödtliche Feindschaft hervorzurufen. Zu diesem Zwecke bestach und stachelte er beide Parteien abwechselnd, verlieh gleichzeitig den Ministern der Krone und den Häuptern der Opposition Pensionen, ermuthigte den Hof, den rebellischen Übergriffen des Parlaments entgegen zu treten, und verrieth dem Parlament die Willkürpläne des Hofes.

Einer von den Kunstgriffen, welche er anwandte, um sich Einfluß auf die englischen Rathbeschlüsse zu verschaffen, verdient besonders erwähnt zu werden. Obgleich Karl der Liebe, im höheren Sinne dieses Wortes, unfähig war, so beherrschte ihn doch jedes Weib, dessen Reize seine Begierden erregten, und dessen Manieren und Beredtsamkeit ihm die Zeit verkürzten. Man würde mit Recht einen Ehemann verspotten, der sich von einer Frau von Stand und gutem Rufe halb soviel gefallen ließe, als Englands König von den lockeren Dirnen ertrug, die, während sie seiner Freigebigkeit Alles verdankten, mit den Höflingen fast unter seinen Augen buhlten. Geduldig ließ er sich die Zanksüchtigkeit Barbara Palmers, und die naseweise Lustigkeit der Eleonore Gwynn gefallen. Ludwig war der höchst richtigen Meinung, der beste Gesandte, den er nach London schicken könne, sei eine schöne, lebenslustige und listige Französin, und eine solche war Louise von Querouaille, von unsern derben Vorfahren Madame Carwell genannt. Sie verdrängte bald alle Nebenbuhlerinnen, ward zur Herzogin von Portsmouth erhoben, mit Reichthümern überschüttet, und behauptete eine Herrschaft, die erst mit dem Tode Karls zu Ende ging.

Vertrag von Dover. [Die] wichtigsten Bedingungen des Bündnisses zwischen den beiden Kronen waren in einem geheimen Vertrage enthalten, welcher im Mai 1670 zu Dover ratificirt wurde, zehn Jahre nach dem Tage, an welchem Karl in demselben Hafen unter dem Jubel und den Freudenthränen seines zu vertrauensvollen Volkes gelandet war.