In diesem Vertrage erklärte Karl, sich öffentlich zur katholischen Religion zu bekennen, seine Waffen mit denen Ludwigs zur Unterdrückung der Vereinigten Provinzen zu verbinden und die ganze Land- und Seemacht Englands aufbieten zu wollen, um die Rechte der Bourbons auf die große spanische Monarchie zu unterstützen. Ludwig dagegen verpflichtete sich, bedeutende Subsidien zu zahlen, und gab das Versprechen, bei etwaigem Ausbruch einer Empörung in England auf eigene Kosten eine Armee zum Beistande seines Bundesgenossen zu stellen.

Dieser Vertrag ward unter düsteren Auspicien abgeschlossen. Sechs Wochen nach seiner Unterzeichnung und Besiegelung war die liebenswürdige Prinzessin nicht mehr, deren Einfluß auf Bruder und Schwager so verderblich für ihr Vaterland gewesen. Durch ihren Tod entstand ein entsetzlicher Argwohn, welcher die neugestiftete Freundschaft zwischen den Stuarts und den Bourbons zu lösen drohte; nach kurzer Zeit aber wiederholten die Verbündeten ihre Versicherungen unverminderter Willfährigkeit.

Der Herzog von York, zu bornirt, um die Gefahr zu erkennen, oder zu fanatisch, sich deshalb Sorgen zu machen, verlangte mit Ungestüm, daß der Artikel, welcher die katholische Religion betraf, unverzüglich in Ausführung gebracht werde, aber Ludwig war scharfsinnig genug, einzusehen, daß diese Handlung eine Explosion in England verursachen werde, stark genug, um diejenigen Theile seines Planes zu zerstören, welche ihn am meisten interessirten. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, daß Karl noch ferner für einen Protestanten gelten, und an hohen Festen das Abendmahl nach dem Ritual der englischen Kirche empfangen solle; sein gewissenhafterer Bruder besuchte seitdem die königliche Kapelle nicht mehr.

Um diese Zeit verschied die Herzogin von York, die Tochter des verbannten Earl von Clarendon. Sie war vor einigen Jahren im Geheimen zur katholischen Kirche übergetreten, und hinterließ zwei Töchter, Maria und Anna, welche später nach einander Königinnen von England geworden sind. Dieselben wurden auf besonderen Befehl des Königs protestantisch erzogen, denn der König erkannte sehr wohl, daß es eine vergebliche Mühe sein würde, sich für ein Mitglied der anglikanischen Kirche auszugeben, wenn Kinder, die aller Wahrscheinlichkeit nach Erben des Thrones werden mußten, mit seiner Bewilligung eine katholische Erziehung genossen.

Die vornehmsten Beamten der Krone waren damals Männer, deren Namen mit Recht eine nicht beneidenswerthe Berühmtheit erlangt haben; jedoch müssen wir auch vorsichtig sein, und ihr Andenken nicht mit einer Schmach beladen, die mit Recht ihrem Gebieter gebührt. Der Vertrag von Dover war hauptsächlich ein Werk des Königs. Er conferirte darüber mit französischen Geschäftsträgern, schrieb in Betreff desselben viele eigenhändige Briefe, brachte selbst die entehrendsten Punkte, welche er enthielt, in Vorschlag, und verheimlichte sorgfältig mehrere dieser Artikel der Mehrzahl seiner Cabinetsräthe.

Natur des englischen Cabinets. [Wenige] Vorfälle in der Geschichte Englands sind merkwürdiger, als der Ursprung und das Wachsthum der Macht, welche das Cabinet jetzt besitzt. Seit frühester Zeit unterstützte die Beherrscher Englands ein Geheimer Rath, welchem das Gesetz viele bedeutende Befugnisse und Pflichten übertrug. Jahrhunderte hindurch berathschlagte dieses Collegium über die bedeutungsvollsten und kitzlichsten Staats­angelegen­heiten; doch änderte sich allmälig sein Charakter. Es wurde zu ausgedehnt für rasche That und Geheimhaltung. Die Stellung eines Geheimen Rathes wurde oft als ehrende Auszeichnung an Leute vergeben, denen man nichts anvertraute, und um deren Meinung man sich nicht kümmerte. Der Souverain beschränkte sich bei wichtigen Angelegenheiten auf den Rath eines kleinen Kreises leitender Minister. Die Vortheile und Nachtheile dieses Verfahrens sind von Bacon schon frühzeitig mit seiner bekannten, treffenden und scharfsinnigen Urtheilsgabe geschildert worden, aber erst nach Beendigung der Restauration zog der innere Rath die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Politiker der alten Schule betrachteten das Cabinet als eine nicht verfassungs­mäßige und gefährliche Behörde. Gleichwohl gewann es an Bedeutung, zog endlich die höchste ausübende Gewalt an sich, und wird jetzt seit mehreren Menschenaltern für einen wesentlichen Bestandtheil unserer Staats­verfassung angesehen. Seltsamer Weise ist das Cabinet dem Gesetze aber noch immer unbekannt, die Namen der Personen des hohen und niedern Adels, aus denen es besteht, werden dem Publikum nie amtlich bekannt gemacht, es führt keine Protokolle über seine Versammlungen und Beschlüsse, und keine Parlamentsakte hat seine Existenz anerkannt.

Die Cabale. [Einige] Jahre hindurch gebrauchte man im Volke das Wort Cabal gleichbedeutend mit Cabinet. Durch ein sonderbares Zusammentreffen bestand nämlich das Cabinet im Jahre 1671 aus fünf Personen, von deren Namen die Anfangsbuchstaben das Wort Cabal bildeten, es waren Clifford, Arlington, Buckingham, Ashley und Lauderdale. Durch diese Anwendung erhielt das Wort eine so üble Bedeutung, daß es seitdem nur als ein Vorwurf gebraucht wird.

Sir Thomas Clifford war Schatzkommissarius, und hatte sich im Hause der Gemeinen sehr bemerkbar gemacht. Er war von den Mitgliedern der Cabale das Ehrenwertheste, denn bei einem lebhaften und herrschsüchtigen Charakter besaß er ein starkes, wenngleich auf beklagenswerthe Weise irregeleitetes Gefühl für Ehre und Pflicht.

Heinrich Bennet, Lord Arlington, zu jener Zeit Staats­sekretair, hatte seit angetretenem Mannesalter auf dem Continent gelebt, und sich jene kosmopolitische Gleichgültigkeit gegen Verfassungen und Religionen zu eigen gemacht, welche man oft bei Leuten findet, deren Leben in unregelmäßiger diplomatischer Thätigkeit verflossen ist. Die Verfassungsform, welche ihm am meisten zusagte, war die französische; gab es eine Kirche, für welche er einige Vorliebe hegte, so war es die katholische. Bei einigem Unter­haltungs­talente, sowie ziemlicher Befähigung zu den gewöhnlichen Geschäften seines Amtes, hatte Arlington im Laufe seines an Reisen und Unterhandlungen reichen Lebens die Kunst erlernt, seine Rede und sein Benehmen der Gesellschaft anzupassen, in der er sich eben bewegte. Seine Lebhaftigkeit im Unterhaltungszimmer amüsirte den König, seine Würde bei Verhandlungen und Zusammenkünften imponirte dem Publikum, und es war ihm geglückt, sowohl durch geleistete Dienste, wie auch durch erregte Hoffnungen, sich einen bedeutenden Anhang zu verschaffen.

Buckingham, Ashley und Lauderdale waren Männer, welche die Unsittlichkeit, die unter den Staats­männern jener Zeit epidemisch war, in der schlimmsten Form, und durch große Verschiedenheit des Temperaments und der geistigen Anlagen modifizirt, besaßen. Buckingham war vom Vergnügen übersättigt, und hatte sich zum Zeitvertreib den Ehrgeiz erwählt. Wie er mit Architektur und Musik, mit Lustspielschreiben und mit Forschen nach dem Steine der Weisen sich zu unterhalten versucht hatte, so wollte er sich jetzt durch geheime Unterhandlungen und durch einen holländischen Krieg amüsiren. Er war bereits, mehr aus Unbeständigkeit und Lust zur Veränderung, als aus einem ernsteren Grunde, allen Parteien treulos geworden. Einmal stand er auf der Seite der Cavaliere, ein andermal war ein Verhaftsbefehl gegen ihn erlassen, weil er einen verrätherischen Verkehr mit dem Überreste der republikanischen Armee in der City unterhielt. Jetzt war er wieder Höfling, und bemüht, die Gnade des Königs durch Dienstleistungen zu erwerben, vor denen die Ausgezeichnetsten unter denen, welche für das königliche Haus gekämpft und gelitten hatten, sich mit tiefem Abscheu abgewandt haben würden.