Ehe das neue Parlament zu neuer Thätigkeit zusammentreten konnte, verging ein volles Jahr, ein ereignißvolles Jahr, welches in unserer Sprache und unseren Sitten unverlöschliche Spuren zurückgelassen hat. Niemals waren früher politische Streitigkeiten mit soviel Freimuth geführt worden, nie hatten politische Klubs von so ausgebildeter Organisation und so gewaltigem Einflusse existirt. Die eine Frage der Ausschließung beschäftigte alle Gemüther, und sämmtliche Pressen und Kanzeln des Reiches betheiligten sich an dem Streite. Von den Einen wurde erklärt, daß die Verfassung und Religion des Staates unter einem der katholischen Kirche ergebenen Herrscher gefährdet seien, die Anderen behaupteten, daß wenn die Reihe an Jakob komme, die Krone zu tragen, dieses Recht von Gott stamme, und selbst dann nicht vertilgt werden könne, wenn alle Zweige der gesetzgebenden Gewalt sich dagegen vereinigten.
Heftigkeit der Parteien bei der Frage der Ausschließungsbill. [Jede] Grafschaft wie jede Stadt und jede Familie war in gewaltiger Aufregung. Nachbarliche Artigkeit und Gastfreundschaft wurden gestört, die engsten Bande der Geselligkeit und Verwandtschaft lösten sich auf. Selbst Schulknaben bildeten wüthende Parteien, und der Herzog von York wie der Earl von Shaftesbury besaßen eifrige Anhänger in den Schulstuben von Westminster und Eton. Die Theater dröhnten von dem Geschrei der streitenden Parteien. Aufgeregte Protestanten brachten die Päpstin Johanna auf die Bühne, und wohlbezahlte Poeten würzten ihre Prologe und Epiloge mit Lobeserhebungen des Königs und des Herzogs. Die Mißvergnügten bestürmten den Thron mit Bitten um sofortige Einberufung des Parlaments. Die Loyalen sandten Addressen, voller Ausdrücke der tiefsten Verachtung gegen diejenigen, welche es wagten dem Souverain Vorschriften zu machen. Die Bürger Londons liefen zu Tausenden zusammen, um den Papst im Bilde zu verbrennen. Die Regierung stellte Cavallerie bei Templebar und schweres Geschütz um Whitehall auf. In diesem Jahre vermehrte sich unsere Sprache um zwei Worten: mob (Pöbel) und sham (Lüge, Betrug), bemerkenswerthe Erinnerungszeichen einer Zeit des Aufruhrs und Betrugs. Die Gegner des Hofes nannte man: Birminghams, Petitionäre und Ausschließungsmänner (exclusionists) die auf des Königs Seite standen: Anti-Birminghams, Verabscheuer (abhorrers) und Rennthiere (tantivies).
Die Namen Whig und Tory. [Diese] Bezeichnungen kamen bald aus der Mode, aber zu jener Zeit entstanden zwei Spottnamen, welche zwar anfänglich zur Verhöhnung benutzt, bald aber mit Stolz angenommen wurden, noch jetzt täglich in Anwendung sind, soweit die englische Zunge verbreitet ist, und die so lange unvertilgbar bleiben werden, als die englische Literatur besteht. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, daß einer dieser Spottnamen schottischen, der andere irländischen Ursprungs ist. In Schottland wie in Irland hatten sich in Folge der schlechten Regierung Banden von verzweifelten Menschen gebildet, deren Wildheit noch durch Fanatismus erhöht wurde. Einige der verfolgten Anhänger des Covenants, durch den härtesten Druck zur Verzweiflung getrieben, mordeten den Primas von Schottland, ergriffen gegen die Regierung die Waffen und fochten mit einigem Erfolg gegen die Truppen des Königs. Sie wurden erst besiegt, nachdem Monmouth mit einigen englischen Streitkräften sie an der Bothwellbrücke auseinander gesprengt hatte. Diese Zeloten bestanden zum größten Theile aus Landleuten des westlichen Unterlands, welche gewöhnlich Whigs hießen. So verband sich die Benennung Whig mit dem Begriffe eines presbyterianischen Eiferers in Schottland, und wurde auf diejenigen englischen Politiker übertragen, welche geneigt waren, dem Hofe zu opponiren, und protestantische Nichtconformisten mit Rücksicht zu behandeln. Die Moorgegenden Irlands boten zu gleicher Zeit papistischen Flüchtlingen, welche Ähnlichkeit mit denen hatten, welche man später Weißburschen (white-boys) nannte, einen Zufluchtsort. Diese Leute hießen damals Tories. Mit dem Namen Tory bezeichnete man daher diejenigen Engländer, welche sich sträubten zur Ausschließung eines katholischen Prinzen vom Throne beizutragen.
Die Wuth der feindlichen Parteien würde schon stark genug gewesen sein, wenn man dieselbe sich selbst überlassen hätte, so aber wurde sie von dem gemeinschaftlichen Feinde beider absichtlich noch mehr aufgestachelt. Ludwig unterließ noch immer nicht, sowohl den Hof wie die Opposition zu bestechen, und beiden zu schmeicheln. Er rieth Karl, fest zu bleiben, Jakob, eine Revolution in Schottland zu erregen, und ermuthigte die Whigs, nicht zu wanken, sondern mit Zuverlässigkeit auf Frankreichs Schutz zu rechnen.
Bei allem diesen bewegten Treiben konnte es einem scharfblickenden Auge nicht verborgen bleiben, daß die öffentliche Meinung allmälig sich einer Umwandlung näherte. Die Verfolgung der Katholiken hatte noch nicht aufgehört, aber die Verurtheilungen verstanden sich nicht mehr — wie früher — von selbst. Eine neue Rotte falscher Zeugen, unter ihnen ein Schuft Namens Dangerfield, der sich am meisten hervorthat, peinigte die Gerichtshöfe; aber obgleich die Lügen dieser Menschen besseren Klang hatten als die des Oates, so fanden sie doch weniger Glauben. Die Geschwornen waren nicht mehr so befangen, wie zur Zeit des allgemeinen Entsetzens, welches der Ermordung Godfrey’s folgte, und die Richter, während der Wahnsinnsperiode gefügige Werkzeuge des Volkes, hatten jetzt den Muth, zum Theil das auszusprechen, was sie von Anfang für wahr gehalten.
Zusammentritt des Parlaments, und Durchgang der Ausschließungsbill im Hause der Gemeinen. [Endlich], im Oktober des Jahres 1680, trat das Parlament zusammen. Die Whigs bildeten bei den Gemeinen eine so große Majorität, daß die Ausschließungsbill alle ihre Stadien ohne Beschwerde durchlief. Der König wußte kaum, auf welche Mitglieder seines eigenen Kabinets er zählen dürfe; Hyde hatte seine Toryansichten treulich festgehalten, und im Interesse der erblichen Monarchie eine beharrliche Thätigkeit entwickelt; Godolphin jedoch, in dem ängstlichen Bestreben nach Ruhe, und der Ansicht, daß diese nur durch Zugeständnisse herbeizuführen sei, wünschte, daß die Bill durchgehen möchte. Sunderland, stets falsch und verblendet, unfähig die Symptome der nahenden Reaction zu erkennen und voller Eifer die Partei, welche nach seiner Meinung unwiderstehlich war, zu versöhnen, beschloß gegen den Hof zu stimmen. Die Herzogin von Portsmouth beschwor ihren königlichen Geliebten, sich nicht mit Gewalt dem Verderben preiszugeben. Wenn es wirklich einen Punkt gab, bei welchem derselbe Regungen des Gewissens oder der Ehre in sich fühlte, so war es die Successionsfrage; es schien jedoch einige Tage, als ob er nachgeben würde. Er schwankte, fragte nach der Höhe der Summe, welche ihm die Gemeinen für seine Einwilligung zahlen würden, und gestattete, daß eine Unterhandlung mit den leitenden Whigs begann. Ein schweres gegenseitiges Mißtrauen aber, Jahre lang im Wachsthum begriffen, und durch die Kunstgriffe Frankreichs sorgfältig unterhalten, ließ keinen Vergleich zu Stande kommen, auf beiden Seiten fehlte das gegenseitige Vertrauen. Das ganze Volk blickte jetzt voll banger Erwartung auf das Haus der Lords. Die Pairs waren zahlreich versammelt, der König selbst anwesend, die Debatte lang, ernsthaft und bisweilen stürmisch. Mehrere erfaßten den Griff des Degens auf eine Art, welche an die aufgeregten Parlamente Heinrichs III. und Richards II. erinnerte.
Die Lords verwerfen die Ausschließungsbill. [Der] falsche Sunderland schloß sich an Shaftesbury und Essex an; der geistreiche Halifax aber warf alle Opposition darnieder. Verlassen von seinen wichtigsten Collegen und einer Menge gewandter Gegner preisgegeben, führte er die Sache des Herzogs von York in einer Folge von Reden, welche noch nach vielen Jahren als Meisterwerke der Logik, Genialität und Beredtsamkeit galten. Es ist ein seltener Fall, daß die Macht der Rede einen Umschwung in der Abstimmung hervorbringt, aber das Zeugniß der Zeitgenossen beweist zur Evidenz, daß bei dieser Gelegenheit durch die außerordentliche Redekunst des Halifax die Stimmen geändert wurden. Die Bischöfe, treu ihrer Lehre, unterstützten das Prinzip des Erblichkeitsrechts, und die Bill wurde mit großer Majorität verworfen.[5]
[5.] Ein anwesender Pair hat den Erfolg von Halifax’ Redekunst in Worten beschrieben, welche ich mittheilen will, weil sie, obgleich schon längst gedruckt, vermuthlich nur wenigen selbst der aufmerksamsten und wißbegierigsten Leser der Geschichte bekannt sind:
„Von außerordentlicher Beredtsamkeit und großen Mitteln waren die Feinde des Herzogs, welche die Bill vertheidigten, aber ein edler Lord trat auf, der an diesem Tage mit aller Macht der Rede in Beweisführung, in Gründen aus dem öffentlichen wie aus dem Privatinteresse der Menschen, in Ehre, Gewissen und Anstand sich selbst und jeden Andern übertraf. Zuletzt siegte er durch sein Verfahren und seine Talente, und wurden durch ihn Witz und Bosheit der anderen Partei zu nichte gemacht.“
Diese Stelle ist einer Denkschrift Heinrichs, Earls von Peterborough entlehnt, die sich in einem Buche unter dem Titel: „Succinct Genealogies, by Robert Halstead“ Fol. 1685, findet. Der Name Halstead ist fingirt. Die wahren Verfasser sind der Earl von Peterborough selbst und sein Kaplan. Das Buch ist höchst selten, da bloß vierundzwanzig Exemplare davon gedruckt wurden, von denen zwei das britische Museum besitzt. Von diesen beiden gehörte eines Georg IV. und das andere Mr. Grenville.