Hinrichtung Staffords. [Die] im Hause der Gemeinen vorherrschende Partei erlitt durch diese Niederlage eine bittere Kränkung, doch fand sie darin einigen Trost, daß Blut von Katholiken fließen mußte. William Howard, Viscount Stafford, einer der Unglücklichen, welche bei dem Complot betheiligt sein sollten, wurde vor die Schranken seiner Pairs gestellt, auf die Beschuldigung Oates’ und zweier andern falschen Zeugen Dugdale und Turberville wegen Hochverraths verurtheilt und hingerichtet. Aber die näheren Umstände seines Prozesses und seiner Hinrichtung konnten den Führern der Whigpartei zu einer warnenden Lehre dienen. Eine große und ehrenwerthe Minorität des Hauses der Lords erklärte den Gefangenen für unschuldig. Die Volksmasse, welche noch vor wenigen Monaten die letzten, vor der Hinrichtung gegebenen Versicherungen der Opfer des Oates mit Spott und Hohngeschrei aufgenommen hatte, sprach nun laut seine Überzeugung aus, daß an Stafford ein Mord begangen worden sei. Als er in den letzten Augenblicken seine Unschuld betheuerte, rief man ihm zu: „Gott segne Euch, Mylord. Wir glauben Euch, Mylord!“ Ein scharfsichtiger Beobachter konnte leicht voraussehen, daß für das damals vergossene Blut bald anderes nachfließen werde.

Allgemeine Wahlen von 1681. [Der] König wollte das Mittel einer Auflösung nochmals versuchen. Er berief ein Parlament für den März des Jahres 1681 nach Oxford. Seit den Zeiten der Plantagenets waren die Häuser stets zu Westminster versammelt gewesen, außer wenn Seuchen in London herrschten, aber so ungewöhnliche Zeitumstände erheischten auch außerordentliche Vorsichtsmaßregeln. Wurde das Parlament an seinem gewöhnlichen Versammlungsorte gehalten, so konnte das Haus der Gemeinen sich für permanent erklären und Londons Magistrat und Bürgerschaft zu Hilfe rufen. Die Miliz konnte zum Schutze Shaftesbury’s herbeieilen, wie sie vor vierzig Jahren zur Vertheidigung Pyms und Hampdens aufgestanden war, die Wachen konnten entwaffnet, der Palast erobert und der König von den Rebellen zum Gefangenen gemacht werden; solche Gefahren waren in Oxford nicht möglich. Die Universität hielt es mit der Krone und der Adel der Umgegend gehörte fast durchgängig den Tories an, die Opposition hatte demnach hier mehr zu fürchten, als der König.

Der Wahlkampf war heftig. Im Hause der Gemeinen bildeten die Whigs noch immer eine Majorität, es war aber nicht zu verkennen, daß der Tory-Geist allenthalben im Lande rasch um sich griff. Man sollte glauben, der scharfblickende, gewandte Shaftesbury hätte den eintretenden Wechsel bemerken und zu dem, vom Hofe gebotenen Vergleiche seine Einwilligung geben müssen, aber er schien seine frühere Taktik nicht mehr verfolgen zu wollen. Anstatt Vorsichtsmaßregeln zu treffen, um bei schlimmem Erfolge sich den Rückzug zu sichern, nahm er eine Position, in welcher er siegen oder seinen Untergang finden mußte. Vielleicht war ihm der Kopf, so vortrefflich er auch war, durch die Gunst des Volkes, durch das Glück und durch die Aufregung des Kampfes schwindelnd geworden, vielleicht hatte er auch seine Partei so aufgestachelt, daß er sie nicht mehr beherrschen konnte und in wildem Laufe von denen mit fortgerissen wurde, die er zu leiten glaubte.

Das Parlament zu Oxford gehalten und aufgelöst. [So] kam der ereignißvolle Tag heran. Die Versammlung zu Oxford hatte mehr Ähnlichkeit mit einem polnischen Reichstage als einem englischen Parlament. Die Mitglieder der Whigpartei kamen in Begleitung einer großen Anzahl wohl bewaffneter und berittener Pächter und Dienstleute, welche trotzige Blicke mit den königlichen Garden wechselten. Die kleinste Veranlagung konnte bei dieser Gährung eine Revolution hervorrufen, nur wagte es keine Partei, den ersten Schlag zu führen. Noch einmal versprach der König, mit Ausnahmen der Ausschließungsbill in Alles zu willigen, die Gemeinen aber wollten nichts annehmen als eben die Ausschließungsbill. Nach Verlauf von wenigen Tagen war das Parlament wieder aufgelöst.

Toryreaction. [Der] König hatte gesiegt, und die Reaction, welche einige Monate vor dem Zusammentreten der Häuser zu Oxford ihren Anfang nahm, machte rasche Fortschritte. Die Nation war dem Papstthum allerdings noch immer feindlich gesinnt, aber wenn die Leute auf die Complotgeschichte zurückblickten, so erkannten sie doch, daß ihr protestantischer Eifer sie zu Thorheiten und Verbrechen veranlaßt hatte, und es schien ihnen unbegreiflich, daß sie sich durch alberne Mährchen verleiten ließen, das Blut ihrer Mitbürger und Mitchristen zu verlangen. Freilich mußten die loyalsten Männer zugestehen, daß Karls Verwaltung oft heilloser Art gewesen sei, aber Leute, die von seinem Verkehr mit Frankreich nicht so genau unterrichtet waren, als wir es jetzt sind, und auf welche die Heftigkeit der Whigs einen widerwärtigen Eindruck machte, rechneten die großen Zugeständnisse her, welche in den letzten Jahren das Parlament von ihm erlangt, und die noch bedeutenderen Zugeständnisse, zu denen er sich bereit gezeigt. Er hatte die Gesetze sanktionirt, welche die Katholischen von dem Hause der Lords, dem Geheimen Rathe und jedem bürgerlichen und militairischen Amte ausgeschlossen, und ebenso die Habeas-Corpus-Akte genehmigt. Waren keine größeren Bürgschaften da gegen die Gefahren, welche der Verfassung und der Kirche von einem katholischen Souverän drohten, so trug nicht Karl die Schuld, denn er hatte das Parlament aufgefordert, dergleichen Bürgschaften in Vorschlag zu bringen, sondern jene Whigs, welche von keinem Ersatzmittel für die Ausschließungsbill hören wollten. — Eins nur hatte der König seinem Volke abgeschlagen: er hatte sich geweigert, seinen Bruder des Geburtsrechtes zu berauben, aber ließ sich nicht annehmen, daß diese Weigerung aus ehrenwerthen Gründen stattgefunden? welche egoistischen Motive konnte selbst der Parteigeist dem Herzen des Königs zu Grunde legen? die Ausschließungsbill beeinträchtigte durch nichts die Hohheitsrechte des regierenden Königs und verminderte ebensowenig seine Revenüen, ja, er hätte sogar durch ihre Genehmigung eine bedeutende Vermehrung seines Einkommens erzielen können. Und konnte es ihm nicht gleichgültig sein, wer nach ihm die Krone trug? Ja, wenn bei ihm persönliche Vorliebe in’s Spiel kam, so wußte man, daß dieselbe mehr für den Herzog von Monmouth als für den Herzog von York vorhanden war. Das Verfahren des Königs ließ sich daher auf das Natürlichste dadurch erklären, daß trotz seines unstäten Charakters und seiner leichtfertigen Moral, er doch in diesem Falle von Pflicht und Ehre sich habe leiten lassen. Und war es so, konnte ihn die Nation dann zu einer Handlung zwingen, die er für verbrecherisch und ehrlos hielt? Auf sein Gewissen einen Zwang auszuüben, geschähe es auch durch streng verfassungs­mäßige Mittel, hielten eifrige Royalisten für unedel und pflichtwidrig, aber solche Mittel waren nicht die einzigen, welche die Whigs anzuwenden gedachten. Bereits zeigten sich Vorboten eines herannahenden Bürgerkriegs, und Männer, welche zu den Zeiten der bürgerlichen Unruhen und der Republik sich allgemein verhaßt gemacht hatten, traten jetzt aus der Verborgenheit hervor, in die sie sich nach der Restauration vor dem allgemeinen Unwillen geflüchtet hatten, gingen überall mit zuversichtlichen und geschäftigen Mienen herum und schienen einen zweiten Sieg der Heiligen schon im Voraus zu feiern. Ein zweites Naseby, ein zweiter hoher Gerichtshof, eine zweite Republik, ein nochmaliger Usurpator auf dem Throne, ein abermaliges Hinauswerfen der Lords aus ihrem Saale, eine zweite Säuberung der Universitäten, eine wiederholte Beraubung und Verfolgung der Kirche, eine neue Herrschaft der Puritaner — auf solche Resultate schien die verzweifelte Politik der Opposition hinzuarbeiten.

Solche Gefühle belebten die höheren und mittleren Klassen, welche sich in großer Zahl um den Thron schaarten. Der König befand sich in ähnlicher Lage wie sein Vater kurz nach dem Erlasse der großen Remonstration. Die Reaction von 1641 hatte man in ihrem Fortschritte gehemmt. Als sein ihm lange entfremdetes Volk mit versöhnlichen Herzen im Begriff war, zu ihm zurückzukehren, hatte Karl I. durch treulose Verletzung der Grundgesetze des Reiches das öffentliche Vertrauen auf immer verscherzt. Hätte Karl II. ebenso gehandelt, hätte er die Führer der Whigpartei gesetzwidrig verhaften und vor einem Tribunale, das keine legale Gerichtsbarkeit über sie besaß, des Hochverraths beschuldigen lassen, so würden sie ohne Zweifel das verlorne Übergewicht bald wieder erlangt haben. Es war ein Glück für ihn, daß er bei dieser Krisis sich rathen ließ, eine Politik zu verfolgen, die seinen Absichten ganz entsprechend war. Er entschloß sich, dem Gesetze Folge zu leisten, zugleich aber auch den kräftigsten und schonungslosesten Gebrauch von demselben gegen seine Widersacher zu machen. Er war nicht verpflichtet, vor Ablauf der nächsten drei Jahre ein Parlament einzuberufen, und befand sich eben in keiner Geldverlegenheit, denn der Betrag der Steuern, welche ihm auf Lebenszeit bewilligt waren, überstieg das angenommene Bedürfniß. Er lebte mit aller Welt in Frieden, konnte seine Ausgaben beschränken, indem er den kostspieligen und nutzlosen Posten zu Tanger aufgab, und wußte, daß er auf Geldhilfe von Seiten Frankreichs rechnen durfte. Es blieb ihm daher die nöthige Zeit, und fehlte ihm nicht an Mitteln, die Opposition in aller gesetzlichen Form systematisch zu bekämpfen. Die Richter konnte er willkürlich entlassen, die Geschwornen wurden von den Sheriffs ernannt, und in fast allen Districten Englands erwählte er die Sheriffs. Zeugen desselben Gelichters, welchem diejenigen angehört hatten, auf deren Aussagen die Katholiken das Schaffot besteigen mußten, waren bereit, auch die Whigs auf die Richtstätte zu liefern.

Verfolgung der Whigs. [Als] erstes Opfer fiel College, ein lauter, wilder Demagog von niedrigem Herkommen und schlechter Erziehung. Er war seines Handwerks ein Tischler, und hatte den Ruhm, der Erfinder des protestantischen Dreschflegels zu sein.[6] Als das Parlament in Oxford gewesen, sollte er dort den Plan gehabt haben, einen Angriff auf die Garde des Königs zu machen. Gegen ihn zeugten Dugdale und Turberville, dieselben Schurken, welche wenige Monate früher falsches Zeugniß gegen Stafford abgelegt. Einer Jury von Landedelleuten gegenüber konnte kein Exclusionist auf Gnade rechnen; er wurde für schuldig erklärt. Der Ausspruch der Geschwornen wurde von den Massen, welche das Gerichtshaus von Oxford füllten, mit enthusiastischem Gebrüll begrüßt, so unmenschlich wie das, welches er mit seinen Genossen ausgestoßen, wenn man unschuldige Katholiken zum Henkerstode verurtheilte. Seine Hinrichtung gab das Zeichen zu einer neuen Justiz-Schlächterei, nicht weniger schändlich als die, an der er früher selbst betheiligt gewesen war.

Die Regierung war durch diesen ersten Triumph so kühn geworden, daß sie jetzt ihr Absehen auf einen Feind von ganz anderer Art richtete. Man beschloß Shaftesbury auf Leben und Tod anzuklagen, und es wurden Beweise gesammelt, um gegen ihn einen Prozeß auf Hochverrath einzuleiten. Aber die Thatsachen, welche es zu beweisen galt, mußten in London geschehen sein. Die Sheriffs von London, von den Bürgern gewählt, waren eifrige Whigs. Sie ernannten eine große, aus Whigs bestehende Jury, welche den Antrag auf Anklage zurückwies; allein diese Niederlage entmuthigte die Rathgeber des Königs keineswegs, sondern bestimmte sie vielmehr, auf einen neuen, kühnen Plan zu sinnen.