Das Gesetz, so wie es seit einer langen Reihe von Jahren interpretirt worden war, verbot der Convocation, irgend welche kirchliche Verordnung ohne vorherige Ermächtigung seitens der Krone auch nur in Berathung zu nehmen. Diese Ermächtigung, mit dem großen Siegel versehen, brachte Nottingham in aller Form in die Kapelle Heinrich’s VII. Zu gleicher Zeit überreichte er eine Botschaft vom Könige. Seine Majestät ermahnte die Versammlung, ruhig und vorurtheilsfrei die Vorschläge der Commission zu prüfen, und erklärte, daß er nur die Ehre und die Vortheile der protestantischen Religion im allgemeinen und der englischen Kirche im besonderen im Auge habe.[129]
Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der Convocation.
Die Bischöfe einigten sich schnell über eine Dankadresse für die königliche Botschaft und forderten das Unterhaus zum Beitritt auf. Jane und seine Anhänger erhoben Einwendungen über Einwendungen dagegen. Zuerst beanspruchten Sie das Recht eine Separatadresse zu überreichen. Als sie gezwungen wurden, darauf zu verzichten, verweigerten sie ihre Zustimmung zu irgend einem Ausdrucke, mit welchem gesagt werde, daß die englische Kirche mit irgend einer andren protestantischen Glaubensgesellschaft etwas gemein habe. Es wurden Amendements und Beweisgründe hin und her geschickt, Conferenzen gehalten, bei denen Burnet für die eine und Jane für die andre Seite die Hauptwortführer waren, und endlich mit großer Mühe ein Uebereinkommen zu Stande gebracht, dessen Resultat eine, im Vergleich zu der von den Bischöfen entworfenen, kalte und unfreundliche Adresse war, welche dem Könige im Bankethause überreicht wurde. Er verbiß seinen Unmuth, gab eine freundliche Antwort und sprach die Hoffnung aus, die Versammlung werde nun endlich zur Berathung der wichtigen Comprehensionsfrage schreiten.[130]
Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam.
Damit waren jedoch die Führer des Unterhauses nicht einverstanden. Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich’s VII. befanden, veranlaßte einer von ihnen eine Debatte über die eidverweigernden Bischöfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prälaten hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Männer, und ihr Rath könne unter den gegenwärtigen Umständen der Kirche von größtem Nutzen sein. Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Könne nichts geschehen, um diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich über einige unlängst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der gebührenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die Versammlung fing Feuer. Sei es nicht empörend, daß dieses ketzerische und schismatische Zeug in den Straßen öffentlich ausgeboten und in den Läden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des Wortführers, verkauft werden dürfe? Das Werk der Verstümmelung der Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel könne gewiß so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maßregeln zum Schutze ihrer eignen Freiheit und Würde getroffen habe. Es wurde nun darüber debattirt, wie das Drucken solcher anstößiger Bücher verhindert werden könne. Einige waren für Klagerhebung, Andere für eine geistliche Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht ein einziger auf eine Comprehension bezüglicher Vorschlag war auch nur discutirt worden. Weihnachten rückte heran, und zu dieser Zeit sollten die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischöfe wünschten, daß während der Ferien ein Ausschuß beisammen bleibe, um die Geschäfte vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war jetzt augenscheinlich, daß dieses Haus sich fest vorgenommen hatte, nicht einmal einen Theil des von den Königlichen Beauftragten entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Diöcesen waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie groß der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten, welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mußte in einem Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmüthige Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends für eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit nichts davon wissen.[134] Die Prälaten als Gesammtheit wünschten aufrichtig, daß den Nonconformisten ein Zugeständniß gemacht werden möchte. Aber die Prälaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsässige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem Parochialklerus im höchsten Grade zuwider, der Präsident hatte nicht die volle Autorität eines Primas, und überdies war es ihm gar nicht unlieb, die Männer, die ihn seiner Meinung nach übel behandelt hatten, in ihren Plänen behindert und gekränkt zu sehen.
Die Convocation prorogirt.
Man mußte nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt. Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele Jahre vergingen, ehe sie ihre Thätigkeit wieder beginnen durfte.
So endete, und zwar für immer, die Hoffnung, daß die englische Kirche bewogen werden könnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugeständniß zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minorität des Priesterstandes gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, daß ihre Niederlage thatsächlich ein glückliches Entrinnen war und daß der Sieg ein Unglück gewesen sein würde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Königin Elisabeth die große Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt haben würde, würde zu Wilhelm’s Zeiten mehr Herzen einander entfremdet als versöhnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigeführt hatten, war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der Königlichen Commission vorgeschlagenen würden ihm eine gefährliche Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt saß ein Laie, mochte er auch das Verfahren der Convention für unverantwortlich halten und die Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in diesem Augenblicke, während seine Gemüthsstimmung durch das seinen Lieblingsgeistlichen zugefügte vermeintliche Unrecht gereizt und er vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten getreten wären, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller sitzenden Communicanten hätte darreichen sehen, so würde das Band, das ihn an die Landeskirche knüpfte, zerrissen sein. Er würde sich in eine Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den er liebte, ohne Verstümmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche für jetzt noch fast ausschließlich aus Priestern bestand, würde bald durch viele und zahlreiche Gemeinden verstärkt worden sein, und diese Gemeinden würden eine verhältnißmäßig größere Menge Reicher, Vornehmer und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre Dissentergemeinde. Die so verstärkten episkopalen Schismatiker würden dem neuen Könige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Fürsten des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und höchst lehrreiche Thatsache, daß wir die bürgerliche und religiöse Freiheit, deren wir uns jetzt erfreuen, zum großen Theil der Beharrlichkeit verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689 sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu nehmen.[135]
[1] Siehe die Verhandlungen der Lords vom 5. Febr. 1688/89 und mehreren darauffolgenden Tagen; Braddon’s Pamphlet betitelt: The Earl of Essex’s Memory and Honour Vindicated, 1690, und die London Gazette vom 31. Juli und 4. und 7. August 1690, worin Lady Essex und Burnet öffentlich Braddon widersprachen.