[26.] Barillon, 31. Jan. (10. Febr.) 1686/7. „Je crois que, dans le fond, si on ne pouvoit laisser que la religion Anglicane et la Catholique établies par les loix, le Roy d’Angleterre en seroit bien plus content.“

In Schottland theilweise Duldung gewährt. [Wenige] Tage nach dem Abgang dieser Depesche that Jakob zögernd und widerstrebend den ersten Schritt zur Annäherung an die Puritaner. Er hatte sich entschlossen, mit Schottland zu beginnen, wo seine Befugniß, von Parlamentsacten zu dispensiren, von den willfährigen Ständen anerkannt war. Demgemäß wurde am 12. Februar in Edinburg eine Proklamation erlassen, welche ängstlichen Gewissen eine Erleichterung gewährte.[27] Diese Proklamation beweist vollkommen die Richtigkeit von Barillon’s Urtheil. Selbst in der Acte, durch die er den Presbyterianern Zugeständnisse machte, konnte Jakob seinen Widerwillen gegen sie nicht verhehlen. Die den Katholiken gewährte Duldung war vollkommen. Auch die Quäker hatten wenig Ursache sich zu beklagen. Aber die den Presbyterianern, welche die Hauptmasse des schottischen Volks bildeten, bewilligte Indulgenz war durch Bedingungen beschränkt, die sie fast werthlos machten. An die Stelle des bisherigen Religionseides, der sowohl Katholiken als Presbyterianer von Staatsämtern ausschloß, war ein neuer Religionseid gesetzt, der die Katholiken zuließ, aber die meisten Presbyterianer ausschloß. Den Katholiken war es erlaubt, Kapellen zu erbauen und sogar die Hostie überall, mit Ausnahme der Straßen in königlichen Burgflecken, in Prozession umherzutragen; den Quäkern war es gestattet, sich in öffentlichen Gebäuden zu versammeln; die Presbyterianer aber durften nur in Privatwohnungen Gottesdienst halten; es war ihnen streng verboten, Bethäuser zu bauen, sie durften nicht einmal eine Scheune oder ein Nebenhaus zu Andachtsübungen benutzen, und es ward ihnen nachdrücklich eingeschärft, daß, wenn sie es wagten, Conventikel unter freiem Himmel zu hatten, das Gesetz, welches sowohl den Predigern als den Zuhörern mit dem Tode drohte, mit schonungsloser Strenge angewendet werden sollte. Jeder katholische Priester durfte Messe lesen, jeder Quäker durfte vor seinen Glaubensbrüdern Reden halten; aber der Geheime Rath war angewiesen, darüber zu wachen, daß kein presbyterianischer Geistlicher sich unterfange, ohne specielle Erlaubniß der Regierung zu predigen. Jede Zeile dieses Dokuments und der dasselbe begleitenden Briefe beweist, wie schwer es dem Könige wurde, nur einigermaßen die Härte zu mildern, mit der er die alten Feinde seines Hauses von jeher behandelt hatte.[28]

Man hat wirklich Grund zu glauben, daß er bei Veröffentlichung dieser Proklamation noch keineswegs zu einer Coalition mit den Puritanern fest entschlossen war und daß er ihnen zuvörderst nur eben so viele Begünstigungen gewähren wollte, als durchaus nöthig waren, um die Anhänger der Landeskirche durch Einschüchterung zum Gehorsam zu bringen. Er wartete daher einen Monat, um zu sehen, welchen Eindruck das in Edinburg erlassene Edict in England machen werde. Diesen Monat verwendete er auf Petre’s Rath eifrig zu dem, was man closeting[29] nannte.

[27.] Sie ist zu finden im Anfange zu Wodrow II. 129.

[28.] Wodrow, Appendix, vol. II. Nos. 128, 129, 132.

[29.] Persönliche Bearbeitung Einzelner im Privatkabinet des Königs.   D. Übers.

Persönliche Bearbeitung Einzelner im königlichen Kabinet. [London] war voll von geeigneten Persönlichkeiten. Man erwartete die baldige Zusammenberufung des Parlaments zur Erledigung von Geschäften, und viele Mitglieder waren bereits in der Stadt. Der König nahm sich vor, sie Mann für Mann zu werben. Er hoffte, daß die eifrigen Tories — und aus solchen bestand das Unterhaus mit wenigen Ausnahmen — seinen dringenden Bitten schwer würden widerstehen können, wenn er dieselben nicht an die Gesammtheit, sondern an jeden Einzelnen, und nicht vom Thronsessel herab, sondern im vertraulichen Gespräch an sie richtete. Die Mitglieder, welche nach Whitehall kamen, um ihre Aufwartung zu machen, wurden demnach auf die Seite genommen und mit langen Privatunterredungen beehrt. Der König drang in sie, daß sie, als loyale Gentlemen, ihm nur in dem einem Punkte, der ihm mehr als alles Andre am Herzen liege, den Willen thun möchten. Er meinte, die Sache berühre seine persönliche Ehre. Die unter der vorigen Regierung von factiösen Parlamenten gegen die Katholiken erlassenen Verordnungen seien lediglich gegen ihn selbst gerichtet gewesen; diese Gesetze hätten ihm ein Brandmal aufgedrückt, ihn aus der Admiralität und aus dem Staatsrathe vertrieben, und er sei berechtigt, zu erwarten, daß Alle, die ihn liebten und ehrten, sich zur Abschaffung jener Gesetze vereinigen würden. Sah er, daß seine Zuhörer gegen diese Ermahnungen taub blieben, so nahm er seine Zuflucht zu Drohungen und Bestechungen. Denjenigen, die sich weigerten, ihm in dieser Angelegenheit zu Willen zu sein, wurde geradezu gesagt, daß sie keine Gunstbezeigung zu erwarten hätten. Trotz seiner Knauserei öffnete und vertheilte er seine Schätze. Mehrere von Denen, die zu einer Conferenz mit ihm eingeladen worden waren, nahmen aus seinem Schlafzimmer Geld mit fort, das sie aus königlicher Hand empfangen hatten. Die Richter, die sich gerade auf ihrer Frühjahrsrundreise befanden, erhielten Befehl vom Könige, die noch in der Provinz zurückgebliebenen Mitglieder zu besuchen und die Gesinnungen jedes Einzelnen zu erforschen.

Erfolglosigkeit der persönlichen Bearbeitung. [Das] Resultat aller dieser Nachforschungen war, daß die große Majorität des Hauses der Gemeinen entschlossen zu sein schien, sich den Maßregeln des Hofes zu widersetzen.[30] Einer von Denjenigen, deren Festigkeit allgemeine Bewunderung erregten, war Arthur Herbert, der Bruder des Oberrichters, Parlamentsmitglied für Dover, Kammerherr und Contreadmiral von England.

[30.] Barillon, 28. Febr. (10. März) 1686/7; Citters, 15.(25.) Febr.; Reresby’s Memoirs; Bonrepaux, 25. Mai (4. Juni) 1687.

Admiral Herbert. [Arthur] Herbert war bei den Seeleuten sehr beliebt und galt für einen der tüchtigsten adeligen Marineoffiziere. Man hatte allgemein vermuthet, daß er sich den Wünschen des Königs bereitwillig fügen werde, denn er fragte wenig nach der Religion, war vergnügungslustig und verschwenderisch, hatte kein Privatvermögen, bezog aus seinen Stellen ein jährliches Einkommen von viertausend Pfund und wurde seit langer Zeit zu den ergebensten persönlichen Anhängern Jakob’s gerechnet. Als aber der Contreadmiral im Privatkabinet vorgenommen und das Versprechen von ihm verlangt wurde, daß er für die Aufhebung der Testacte stimmen wolle, antwortete er, seine Ehre und sein Gewissen erlaubten ihm nicht, ein solches Versprechen zu geben. „Niemand zweifelt an Ihrer Ehre“, sagte der König, „aber ein Mann, der so lebt wie Sie, sollte nicht von seinem Gewissen sprechen.“ Auf diesen Vorwurf, einen Vorwurf, der dem Geliebten der Katharine Sedley übel anstand, erwiederte Herbert mit männlicher Offenheit: „Ich habe meine Fehler, Sire, aber ich könnte Leute nennen, welche viel häufiger von ihrem Gewissen sprechen als ich und dabei ein eben so lockeres Leben führen.“ Er wurde aller seiner Stellen entsetzt und die Rechnung über seine Ausgaben und Einnahmen als Kammerherr wurden mit großer und, wie er klagte, ungerechter Strenge geprüft.[31]