Durch den Einfluß dieser und anderer weniger hervorragender Männer wurden mehrere Dissentergemeinden bewogen, Dankadressen an den König zu richten. Toryistische Schriftsteller haben mit Recht bemerkt, daß die Sprache dieser Adressen so widerlich servil war wie nur in irgend einer der überschwenglichsten Lobreden, welche den Stuarts von Bischöfen gespendet worden sind. Bei genauer Untersuchung stellt es sich heraus, daß die Schmach nur einem sehr kleinen Theile der puritanischen Partei zur Last fällt. Es gab kaum einen Marktflecken in England, der nicht wenigstens ein kleines Häuflein Separatisten gehabt hätte, und man sparte keine Mühe, um sie zu einer Äußerung ihrer Dankbarkeit für die Indulgenz zu bewegen. Rundschreiben, welche sie zur Unterzeichnung aufforderten, wurden nach allen Gegenden des Landes in solchen Massen geschickt, daß, wie man scherzweise sagte, die Postfelleisen den Pferden zu schwer waren. Indessen belief sich die Gesammtzahl der Adressen, die man von allen über ganz England zerstreuten Presbyterianern, Independenten und Baptisten erlangen konnte, noch nicht auf sechzig; auch ist kein Grund zu der Vermuthung vorhanden, daß diese Adressen zahlreiche Unterschriften hatten.[45]

[45.] Die Adressen sind in der London Gazette zu finden.

Die Mehrzahl der Puritaner ist gegen den Hof. Baxter. [Die] große Masse der protestantischen Nonconformisten, welche fest an den bürgerlichen Freiheiten hing und den Versprechungen des Königs und der Jesuiten nicht traute, weigerte sich standhaft, für eine Begünstigung zu danken, hinter der man mit gutem Grund eine Schlinge argwöhnen durfte. Dies war die Stimmung aller angesehensten Oberhäupter der Partei. Zu ihnen gehörte Baxter. Er war, wie wir gesehen haben, bald nach Jakob’s Thronbesteigung in Untersuchung gezogen, von Jeffreys gröblich insultirt und von einer Jury, wie die höfischen Sheriffs der damaligen Zeit sie zu wählen pflegten, für schuldig erklärt worden. Baxter befand sich seit ungefähr anderthalb Jahren im Gefängniß, als der Hof ernstlich darauf zu denken begann, die Nonconformisten zu gewinnen. Er wurde nicht allein in Freiheit gesetzt, sondern auch bedeutet, daß er, wenn er sonst wollte, seinen Aufenthalt in London nehmen könnte, ohne die Anwendung der Fünfmeilenacte gegen sich zu fürchten. Die Regierung hoffte wahrscheinlich, daß die Erinnerung an vergangene Leiden und das Gefühl der gegenwärtigen Erlösung auf ihn die nämliche Wirkung äußern werde, wie auf Rosewell und Lobb. Diese Hoffnung erwies sich jedoch als irrig. Baxter war weder zu bestechen, noch zu täuschen; er weigerte sich, irgend eine Dankadresse für die Indulgenz zu unterzeichnen und verwendete seinen ganzen Einfluß zur Herbeiführung eines guten Vernehmens zwischen der Staatskirche und den Presbyterianern.[46]

[46.] Calamy’s Life of Baxter.

Howe. [Wenn] es irgend einen Mann gab, der in der Achtung der protestantischen Dissenters noch höher stand als Baxter, so war dies Johann Howe. Howe hatte, wie Baxter, durch den neuerlichen Umschwung der Politik persönlich gewonnen. Die nämliche Tyrannei, welche Baxter ins Gefängniß warf, hatte ihn in die Verbannung getrieben und bald nach Baxter’s Entlassung aus dem Gefängnisse der Kings Bench kehrte Howe von Utrecht nach England zurück. Man erwartete in Whitehall, daß Howe den ganzen Einfluß, den er auf seine Glaubensgenossen ausübte, zu Gunsten des Hofes verwenden werde. Der König selbst ließ sich herab, den Unterthan, den er unterdrückt hatte, um seinen Beistand zu bitten. Howe scheint geschwankt zu haben; der Einfuß Hampden’s aber, mit dem er intim befreundet war, vermochte ihn, der Sache der Verfassung treu zu bleiben. Eine Versammlung presbyterianischer Geistlichen wurde in seinem Hause gehalten, um über die Lage der Dinge zu berathen und über den einzuschlagenden Weg einen Beschluß zu fassen. Im Palaste erwartete man mit ängstlicher Spannung das Ergebniß. Zwei königliche Abgesandte wohnten der Verhandlung bei, und sie kamen mit der unwillkommnen Nachricht zurück, daß Howe sich entschieden gegen das Dispensationsrecht erklärt und nach langer Debatte die Majorität der Versammlung für sich gewonnen habe.[47]

[47.] Calamy’s Life of Howe. Den Antheil, den die Familie Hampden an dieser Angelegenheit gehabt, habe ich aus einem Briefe von Johnstone an Waristoun vom 13. Juni 1688 erfahren.

Bunyan. [Neben] Baxter und Howe muß noch ein andrer Mann genannt werden, der nach seiner Stellung und Gelehrsamkeit tief unter ihnen, an Tugend aber ihnen gleich, und an Genie hoch über ihnen stand, Johann Bunyan. Bunyan war ursprünglich Kesselflicker gewesen und hatte als gemeiner Soldat in der Parlamentsarmee gedient. Schon in seinen früheren Jahren hatten ihn furchtbare Gewissensbisse wegen seiner Jugendsünden gequält, von denen jedoch die schlimmsten solche gewesen zu sein scheinen, welche die Welt für verzeihlich hält. Seine große Reizbarkeit und seine glühende Phantasie machten seine inneren Kämpfe ganz besonders qualvoll. Er bildete sich ein, daß ein Verdammungsurtheil über ihn verhängt sei, daß er den heiligen Geist gelästert, daß er Christum verkauft habe und daß er thatsächlich von einem bösen Geiste besessen sei. Bald vernahm er laute Warnungsstimmen vom Himmel, bald versuchte ihn der Teufel durch gottlose Einflüsterungen. Er hatte Visionen von entfernten Berggipfeln, welche die Sonne glänzend beleuchtete, von denen er aber durch eine Schneewüste getrennt war. Er fühlte wie der Teufel ihn an den Kleidern zupfte; er glaubte, das Kainszeichen sei ihm aufgedrückt; er fürchtete daß er zerbersten werde, wie Judas. Diese Seelenkämpfe zerrütteten seine Gesundheit. Den einen Tag zitterte er wie ein vom Schlage Getroffener; ein andermal brannte es ihn wie Feuer in der Brust. Es ist kaum zu begreifen, daß er so entsetzlichen und andauernden Qualen nicht unterlag. Endlich zertheilten sich die Wolken. Aus dem Abgrunde der Verzweiflung erhob sich der Büßende in einen Zustand heiterer Glückseligkeit. Ein unwiderstehlicher Drang trieb ihn an, auch Andere des Segens theilhaftig werden zu lassen, dessen er selbst genoß.[48] Er schloß sich den Baptisten an und wurde Prediger und Schriftsteller. Seine Erziehung war die eines Handwerkers gewesen und er verstand keine andre Sprache als die englische, wie sie von dem niederen Volke gesprochen wird. Er hatte kein großes Musterwerk studirt, mit der einzigen, allerdings sehr bedeutenden Ausnahme unsrer herrlichen Bibelübersetzung. Seine Orthographie war schlecht; er machte häufige Verstöße gegen die Regeln der Grammatik. Doch sein angebornes Genie und seine durch eigene Erfahrung erworbene Kenntniß aller religiösen Gefühle, von der Verzweiflung bis zur Verzückung, ersetzten in ihm reichlich den Mangel an Gelehrsamkeit. Seine natürliche Beredtsamkeit erhob und rührte Zuhörer, welche bei den fleißig ausgearbeiteten Vorträgen großer Dialektiker und Hebraisten kalt blieben. Seine Werke waren unter den niederen Klassen weit verbreitet. Eines davon, des Pilgers Reise, wurde schon zu seinen Lebzeiten in mehrere fremde Sprachen übersetzt. Den Gelehrten und höher Gebildeten war es jedoch kaum bekannt, und die frommen Hüttenbewohner und Handwerker hatten sich bereits seit einem Jahrhundert daran erfreut, als es endlich von einem in der Literatur sehr hochstehenden Manne öffentlich empfohlen wurde. Die Kritik ließ sich nun herab, das Geheimniß einer so ausgedehnten und dauernden Popularität zu erforschen. Sie mußte gestehen, daß die unwissende Menge richtiger geurtheilt hatte als die Gelehrten und daß das verachtete Büchlein wirklich ein Meisterwerk war. Bunyan ist in der That ebenso gewiß der erste Allegoriker, wie Demosthenes der erste Redner und Shakespeare der erste Dramatiker ist. Zwar haben andere Allegoriker eine gleiche Erfindungsgabe gezeigt; aber kein andrer ist je im Stande gewesen, das Herz zu rühren und abstracte Begriffe zu Gegenständen des Entsetzens, des Mitleids und der Liebe zu machen.[49]

Es dürfte zu bezweifeln sein, ob irgend ein englischer Dissenter die Last der Strafgesetze schwerer empfunden hat als Johann Bunyan. Von den siebenundzwanzig Jahren, welche seit der Restauration verstrichen waren, hatte er zwölf im Gefängniß zugebracht. Dennoch fuhr er fort zu predigen, aber um dies zu können, mußte er sich als Fuhrmann verkleiden. Oft wurde er, im Fuhrmannskittel und mit der Peitsche in der Hand, durch eine Hinterthür in die Versammlung eingeführt. Hätte er nur an seine eigene Ruhe und Sicherheit gedacht, so würde er die Indulgenzerklärung freudig begrüßt haben. Jetzt durfte er endlich am hellen Tage predigen und ermahnen. Seine Gemeinde wuchs mit reißender Schnelligkeit. Tausende hingen an seinen Lippen und in Bedford, wo er sich größtentheils aufhielt, gingen reiche Beisteuern zum Bau eines Bethauses für ihn ein. Er stand in so hohem Ansehen bei dem gemeinen Volke, daß die Regierung ihm gern ein städtisches Amt übertragen hätte; aber sein scharfer Verstand und sein treues englisches Herz widerstanden siegreich allen Versuchungen und Täuschungen. Er war fest überzeugt, daß die angebotene Duldung nur ein Köder sei, um die puritanische Partei damit ins Verderben zu locken; auch wollte er nicht durch Annahme einer Stelle, zu der er nicht gesetzlich qualificirt war, die Gültigkeit der Dispensationsgewalt anerkennen. Eine der letzten edlen Handlungen seines tugendreichen Lebens war die Ablehnung einer Unterredung, zu der er durch einen Agenten der Regierung eingeladen wurde.[50]

[48.] Bunyan’s Grace Abounding.