[49.] Young stellt Bunyan’s Prosa auf gleiche Stufe mit Durfey’s Poesie. Die fashionablen Leute im Spiritual Quixote stellen den Pilgrim’s Progress mit Jack the Giantkiller zusammen. Spät im achtzehnten Jahrhundert wagte Cowper nur eine Anspielung auf den großen Allegoriker:

Nicht nennen will ich dich, damit Dein Name

Statt wohlverdienten Ruhm nicht Hohn Dir bringe.

[50.] Fortsetzung von Bunyan’s Biographie im Anhang zu seiner „Überströmenden Gnade.“

Kiffin. [So] groß Bunyan’s Ansehen bei den Baptisten war, Wilhelm Kiffin’s Ansehen war noch größer. Kiffin war in Bezug auf Rang und Reichthum der Erste unter ihnen. Er pflegte seine geistlichen Talente bei ihren Versammlungen auszuüben, erwarb sich aber nicht durch Predigen seinen Unterhalt. Er machte große Handelsgeschäfte, stand an der Börse in hohem Ansehen und hatte sich ein bedeutendes Vermögen gesammelt. Niemand hätte vielleicht unter den dermaligen Verhältnissen dem Hofe werthvollere Dienste leisten können als er. Aber zwischen ihm und dem Hofe stand die Erinnerung an ein entsetzliches Ereigniß. Er war der Großvater der Gebrüder Hewling, der beiden muthigen Jünglinge, welche von allen Opfern der blutigen Assisen vielleicht am allgemeinsten bedauert worden waren. Für das traurige Loos des einen von ihnen war Jakob ganz besonders verantwortlich. Jeffreys hatte dem jüngeren Bruder einen Aufschub bewilligt. Churchill hatte der Schwester der beiden jungen Männer eine Audienz beim Könige verschafft, und sie hatte um Gnade gefleht; aber des Königs Herz war unerbittlich gewesen. Es war für die ganze Familie ein harter Schlag; am meisten aber war Kiffin zu bedauern. Er war siebzig Jahr alt, als er vereinsamt dastand. Diejenigen überlebend, die ihn hatten überleben sollen. Die herzlosen und feilen Schmarotzer von Whitehall glaubten, indem sie nach sich selbst urtheilten, der alte Mann werde durch einen Aldermansmantel und durch eine Geldentschädigung für das verwirkte Vermögen seiner Enkel leicht wieder zu gewinnen sein. Penn wurde zu dem Verführungswerke ausersehen; aber seine Bemühungen waren vergebens. Der König beschloß hierauf, die Wirkung seiner persönlichen Artigkeit zu versuchen. Kiffin wurde in den Palast beschieden. Er fand einen glänzenden Kreis von Kavalieren und Gentlemen versammelt. Jakob kam ihm sogleich entgegen, redete ihn sehr freundlich an und schloß mit den Worten: „Ich habe Sie zu einem der Aldermen von London bestimmt, Herr Kiffin.“ Der alte Mann sah den König fest an, brach in Thränen aus und antwortete: „Sire, ich bin abgenutzt, ich bin nicht mehr fähig, Eurer Majestät oder der Hauptstadt zu dienen. Und überdies, Sire, hat der Tod meiner armen Jungen mir das Herz gebrochen. Diese Wunde ist noch heute so frisch wie jemals, und ich werde sie mit ins Grab nehmen.“ Der König schwieg einige Augenblicke sichtlich bewegt und sagte dann: „Ich werde einen Balsam für diese Wunde finden, Herr Kiffin.“ Es war gewiß nicht Jakob’s Absicht, etwas Kränkendes oder Übermüthiges zu sagen, im Gegentheil, er scheint sich in einer ungewöhnlich weichen Stimmung befunden zu haben. Dennoch wirft keine Äußerung die uns von ihm berichtet wird, ein so nachtheiliges Licht auf seinen Character als diese wenigen Worte. Es sind die Worte eines hartherzigen, niedrig denkenden Mannes, der sich keine Verwundung des Gefühls denken kann, welche durch eine Stelle oder durch eine Pension nicht vollkommen zu heilen wäre.[51]

Der Theil der Dissenters, der sich der neuen Politik des Königs günstig zeigte, war von Anfang an klein gewesen und begann bald noch mehr zusammenzuschmelzen. Denn die Nonconformisten erkannten in nicht langer Zeit, daß ihre geistlichen Privilegien durch die Indulgenz eher geschmälert als erweitert worden waren. Der characteristische Zug des Puritaners war Abscheu gegen die Eigenthümlichkeiten der römischen Kirche. Er hatte sich nur deshalb von der anglikanischen Kirche losgetrennt, weil er meinte, daß sie ihrer hochmüthigen und üppigen Schwester, der Zauberin mit dem goldenen Becher und dem Purpurgewande, zu ähnlich sähe. Jetzt fand er, daß eine von den stillschweigenden Bedingungen des Bündnisses, welches einige seiner Seelenhirten mit dem Hofe geschlossen hatten, die war, daß die Religion des Hofes mit Achtung und Schonung behandelt werden sollte. Er begann bald sich nach den Tagen der Verfolgung zurückzusehnen. So lange die Strafgesetze noch angewendet wurden, hatte er die Worte des Lebens zwar im Geheimen und mit persönlicher Gefahr angehört, aber er hatte sie doch gehört. Wenn die Brüder in ihrer Stube versammelt waren, wenn die Schildwachen ausgestellt und die Thüren verschlossen waren, wenn der Prediger in der Kleidung eines Metzgers oder Fuhrmanns über das Dach hereingekommen war, dann wurde wenigstens ein wirklicher Gottesdienst gehalten. Kein Theil der göttlichen Wahrheit ward aus weltlichen Rücksichten unterdrückt oder verstümmelt, alle unterscheidenden Lehren der puritanischen Theologie wurden vollständig und sogar in ihrer ungeschminktesten Form dargestellt. Der römischen Kirche ward kein Pardon gegeben. Das Thier, der Antichrist, der Mensch der Sünde, die mystische Isabel, das mystische Babylon waren die Ausdrücke, mit denen man jenen hehren und bezaubernden Aberglauben zu bezeichnen pflegte. Dies war einst die Sprache Alsop’s, Lobb’s, Rosewell’s und anderer Geistlichen gewesen, welche kürzlich im Palast wohl aufgenommen worden waren; aber so sprachen sie jetzt nicht mehr. Geistliche, die nach einer hohen Stufe in der Gunst und dem Vertrauen des Königs strebten, durften es nicht wagen, in harten Worten von der Religion des Königs zu sprechen. Die Gemeinden beklagten sich daher laut, daß sie seit dem Erscheinen der Indulgenzerklärung, welche ihnen dem Wortlaute nach doch völlige Gewissensfreiheit gewähren wollte, das Evangelium nie mehr kühn und rein hätten verkünden hören. Früher hatten sie ihre geistliche Nahrung verstohlen erhaschen müssen, aber wenn sie sie erhascht hatten, so fanden sie sie wenigstens ganz nach ihrem Geschmacke zubereitet. Jetzt konnten sie sie öffentlich und in aller Bequemlichkeit zu sich nehmen, aber sie hatte ihren ganzen Wohlgeschmack verloren. Sie versammelten sich bei Tage und in geräumigen Lokalen; aber sie hörten Predigten, die ihnen bei weitem nicht so gefielen, als die, welche der Rector ihnen gehalten haben würde. In der Pfarrkirche wurde der selbstgeschaffene Gottesdienst und die Abgötterei Roms jeden Sonntag energisch angegriffen; im Versammlungshause aber hütete sich der Pastor, der noch vor wenigen Monaten die Geistlichen der Landeskirche für nicht viel besser als die Papisten erklärt hatte, jetzt sorgfältig, den Papismus zu tadeln, oder kleidete seinen Tadel wenigstens in ein so mildes Gewand, daß er selbst das Ohr eines Pater Petre nicht beleidigt haben würde. Auch war es nicht möglich, für diesen Wechsel einen stichhaltigen Grund aufzufinden. Die römisch-katholischen Lehren hatten sich nicht verändert; seit Menschengedenken waren die katholischen Priester noch nie so eifrig im Proselytenmachen gewesen; noch nie waren so viele katholische Schriften aus der Presse hervorgegangen; noch nie hatten Alle, die sich um die Religion kümmerten, den Streit zwischen Katholiken und Protestanten mit so gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Was konnte man also von der Aufrichtigkeit von Theologen halten, welche nicht müde geworden waren, den Papismus zu schmähen, so lange derselbe vergleichsweise harmlos und wehrlos war, und die jetzt, wo eine Zeit wirklicher Gefahr für den reformirten Glauben gekommen, sorgfaltig jedes Wort vermieden, das einem Jesuiten Anstoß geben konnte? Ihr Benehmen war in der That nicht schwer zu erklären. Es war bekannt, daß einige von ihnen Begnadigungen erlangt, es wurde vermuthet, daß andere Geld bekommen hatten. Ihr Vorbild war der schwache Apostel, der aus Angst den Herrn verleugnete, dem er prahlerisch die unverbrüchlichste Treue gelobt hatte, oder der noch schlechtere Apostel, der seinen Herrn um eine Handvoll Silberlinge verkaufte.[52]

So verloren die vom Hofe gewonnenen Dissentergeistlichen rasch den Einfluß, den sie einst auf ihre Glaubensbrüder besessen hatten. Auf der andren Seite fühlten sich die Sektirer durch eine starke religiöse Sympathie zu den anglikanischen Prälaten und Priestern hingezogen, welche trotz königlicher Befehle, Drohungen und Versprechungen einen heftigen Krieg gegen die römische Kirche unterhielten. Die so lange durch tödtliche Feindschaft getrennt gewesenen Anglikaner und Puritaner, näherten sich einander mit jedem Tage mehr und mehr und jeder Schritt zur Einigung vermehrte den Einfluß des Mannes, der ihr gemeinsames Oberhaupt war. Wilhelm eignete sich in jeder Beziehung zum Vermittler zwischen diesen beiden großen Parteien der englischen Nation. Man konnte nicht sagen, daß er einer von beiden angehöre; aber keine von beiden konnte sich bei ruhiger Überlegung weigern, ihn als einen Freund zu betrachten. Sein theologisches System stimmte mit dem der Puritaner überein. Zu gleicher Zeit betrachtete er das Episcopat wenn auch nicht als eine göttliche Einrichtung, doch als eine vollkommen rechtmäßige und höchst nützliche Form des Kirchenregiments. Fragen über Stellungen, Gewänder, Festtage und Liturgien waren in seinen Augen keine Lebensfragen. Ein einfacher Gottesdienst wie der, an den er von jeher gewöhnt war, würde seinem persönlichen Geschmacke am meisten zugesagt haben, aber er war dabei gern bereit, sich jedem Ritual zu fügen, das der Nation angenehm war, und bestand nur darauf, daß man ihm nicht zumuthete, diejenigen seiner protestantischen Brüder zu verfolgen, denen ihr Gewissen es nicht zuließ, seinem Beispiele zu folgen. Zwei Jahre früher würde er von zahlreichen Bigotten auf beiden Seiten für einen bloßen Laodicäer erklärt, worden sein, der weder kalt noch warm war und zu nichts taugte als ausgestoßen zu werden. Aber der Eifer, der Anglikaner gegen Dissenters und Dissenters gegen Anglikaner entflammt hatte, war durch gemeinsame Widerwärtigkeiten und Gefahren so gedämpft worden, daß die Lauheit, die man ihm früher als Verbrechen angerechnet, jetzt als eine seiner Haupttugenden betrachtet wurde.

[51.] Kiffin’s Memoirs; Luson’s Brief an Brooke vom 11. Mai 1773 in der Hughes-Correspondenz.

[52.] Man sehe unter anderen zeitgenössischen Flugschriften eine mit dem Titel: A Representation of the threatening Dangers impending over Protestants.

Der Prinz und die Prinzessin von Oranien gegen die Indulgenzerklärung. [Jedermann] war gespannt auf seine Ansicht über die Indulgenzerklärung. Eine Zeit lang nährte man in Whitehall die Hoffnung, daß seine bekannte Achtung vor den Rechten des Gewissens ihn wenigstens abhalten werde, öffentlich seine Mißbilligung einer Politik auszusprechen, die einen unleugbaren Anstrich von Freisinnigkeit hatte. Penn schickte zahlreiche Auseinandersetzungen nach dem Haag und begab sich sogar persönlich dahin, in der Hoffnung daß seine Beredtsamkeit, von der er eine hohe Meinung hatte, sich als unwiderstehlich erweisen werde. Aber obgleich er sein Lieblingsthema mit einer Redseligkeit entwickelte, die seine Zuhörer ermüdete und obgleich er sie versicherte, daß ein Mann, der mit den Engeln verkehre, ihm das Herannahen eines goldenen Zeitalters der Religionsfreiheit geoffenbart habe, so machte er doch keinen Eindruck auf den Prinzen.[53] „Ihr verlangt von mir,“ sagte er zu einem der Agenten des Königs, „daß ich einen Angriff auf meine eigne Religion unterstützen soll. Das kann ich mit gutem Gewissen nicht thun, und ich werde es nicht thun, nein, nicht um die Krone Englands, nicht um die Herrschaft der Welt!“ Diese Worte wurden dem Könige mitgetheilt und sie beunruhigten ihn nicht wenig.[54] Er schrieb mit eigner Hand eindringliche Briefe. Zuweilen nahm er den Ton des Beleidigten an. Er sei das Oberhaupt der königlichen Familie, als solches sei er berechtigt, von den jüngeren Mitgliedern Gehorsam zu erwarten, und es sei sehr hart, daß er in einer Angelegenheit, die ihm über Alles am Herzen liege, auf Widerstand stoße. Andere Male wurde ihm ein Köder vorgehalten, den man für unwiderstehlich hielt. Wenn Wilhelm nur in diesem einen Punkte nachgäbe, so würde die englische Regierung ihm dafür kräftigen Beistand gegen Frankreich leisten. Er ließ sich aber nicht bethören. Er wußte, daß Jakob selbst beim besten Willen ohne die Unterstützung eines Parlaments nicht im Stande sein würde, der gemeinschaftlichen Sache Europa’s einen wirksamen Dienst zu leisten, und es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß wenn ein Parlament zusammenkam, die erste Forderung beider Häuser die Cassirung der Indulgenzerklärung sein würde.