[57.] Burnet I. 726—731; Answer to the Criminal Letters issued out against Dr. Burnet; Avaux Neg., July 7.(17.), 14.(24.) July 28. (Aug. 7.) 1687, Jan. 19.(29.) 1688; Ludwig an Barillon, 30. Dec. 1687 (9. Jan. 1688); Johnstone an Waristoun, 21. Febr. 1688; Lady Russel an Dr. Fitzwilliam, 5. Oct. 1687. Da man vermuthet hat, daß Burnet, der seine persönliche Wichtigkeit nicht zu unterschätzen pflegte, die ihm drohende Gefahr übertrieben habe, so will ich hier die Worte Ludwig’s und Johnstone’s anführen: „Qui que ce soit“, sagt Ludwig, „qui entreprenne de l’enlever en Hollande trouvera non seulement une retraite assurée et une entière protection dans mes états, mais aussi toute l’assistance qu’il pourra désirer pour faire conduire surement ce scélérat en Angleterre.“ — „Mit Bamfield (Burnet) ist es ganz bestimmt so“, sagt Johnstone. „Niemand zweifelt hier daran, und Einige, die dabei betheiligt sind, leugnen es nicht. Seine Freunde sagen, sie hätten gehört, daß er nicht vorsichtig sei, sondern aus Eitelkeit, um seinen Muth zu zeigen, mit thörichter Verwegenheit handle, so daß Jedermann ihn auslachen werde, wenn ihm ein Unglück zustoßen sollte. Ich bitte ihm dies von Seiten Jones’ (Johnstone) zu sagen. Wenn Einige abgefaßt werden könnten, während sie ihren coup d’essai auf ihn machen, so wäre das sehr gut, weil sie dadurch abgeschreckt würden, etwas gegen Ogle (den Prinzen) zu unternehmen.“
Sendung Dykvelt’s nach England. [Während] Burnet Wilhelm’s Sekretär für die englischen Angelegenheiten in Holland war, wurde Dykvelt mit nicht geringerem Nutzen in London verwendet. Dykvelt war einer von den ausgezeichneten Staatsmännern, welche in der edlen Schule des Johann de Witt ihre politische Bildung erhalten hatten und nach dem Falle dieses großen Ministers ihre Pflichten gegen die Republik dadurch am besten zu erfüllen glaubten, daß sie sich um den Prinzen von Oranien schaarten. Keiner von den Diplomaten im Dienste der Vereinigten Provinzen stand in Bezug auf Gewandtheit, Character und Manieren über Dykvelt, und ebenso scheint keiner ihm in der Kenntniß der englischen Verhältnisse gleichgekommen zu sein. Es fand sich ein Vorwand, um ihn zu Anfang des Jahres 1687 mit Beglaubigungsschreiben von den Generalstaaten in einer besonderen Mission nach England zu senden. Eigentlich aber galt seine Sendung nicht der Regierung, sondern der Opposition, und er handelte nach Privatinstructionen, welche von Burnet entworfen und von Wilhelm genehmigt waren.[58]
[58.] Burnet, I. 708; Avaux Neg., Jan. 3.(13.), Feb. 6.(16.) 1687; Van Kampen, Karakterkunde der Vaderlandsche Geschiedenis.
Unterhandlungen Dykvelt’s mit englischen Staatsmännern. [Dykvelt] berichtete, daß Jakob sich durch das Benehmen des Prinzen und der Prinzessin tief gekränkt fühle. „Die Pflicht meines Neffen ist, meine Hand zu stärken“, sagte der König, „aber es hat ihm von jeher Vergnügen gemacht, wenn er mir hat hinderlich sein können.“ Dykvelt antwortete, in Privatangelegenheiten habe Seine Hoheit stets die Wünsche des Königs berücksichtigt und werde dies auch in Zukunft jederzeit thun, aber es sei doch kaum recht und billig, die Unterstützung eines protestantischen Fürsten gegen die protestantische Kirche zu erwarten.[59] Der König war zum Schweigen gebracht, aber nicht besänftigt. Mit einem Verdrusse, den er nicht verhehlen konnte, sah er, daß Dykvelt alle die verschiedenen Abteilungen der Opposition mit einer Geschicklichkeit musterte und einschulte, welche dem gewandtesten englischen Staatsmanne zur Ehre gereicht haben würde und die bei einem Ausländer bewundernswürdig war. Der Geistlichkeit wurde gesagt, daß sie in dem Prinzen einen Freund des Episcopats und der Liturgie finden werde. Den Nonconformisten wurde Hoffnung gemacht, daß sie von ihm nicht nur Duldung, sondern sogar Gleichstellung zu erwarten hätten. Selbst die römischen Katholiken wurden versöhnt und einige der Angesehensten unter ihnen sagten dem Könige ins Gesicht, daß sie mit dem, was Dykvelt ihnen biete, zufrieden seien und daß sie eine durch das Gesetz verbürgte Duldung einem gesetzwidrigen und unsicheren Übergewichte vorzögen.[60]
[59.] Burnet I. 711. Dykvelt’s Depeschen an die Generalstaaten enthalten, so weit ich es habe ersehen oder erfahren können, kein Wort über den wirklichen Zweck seiner Sendung. Seine Correspondenz mit dem Prinzen von Oranien war streng privater Natur.
[60.] Bonrepaux, 12.(22.) Sept. 1687.
Danby. [Die] Oberhäupter aller wichtigen Parteien der Nation hielten häufige Besprechungen in Gegenwart des geschickten Gesandten. Die Ansicht der Torypartei war bei diesen Zusammenkünften hauptsächlich durch die Earls von Danby und von Nottingham vertreten. Obgleich seit Danby’s Sturze bereits über acht Jahre vergangen waren, so stand sein Name doch bei den alten Kavalieren Englands noch in hohem Ansehen, und selbst viele von denjenigen Whigs, die ihn früher verfolgt hatten, gaben jetzt bereitwillig zu, daß er für die Sünden Anderer habe büßen müssen und daß sein Eifer für die Hoheitsrechte ihn zwar oft irre geleitet habe, aber bei alledem durch zwei ehrenwerthe Gefühle gemildert worden sei: durch Eifer für die Staatsreligion und durch Eifer für die Würde und Unabhängigkeit seines Vaterlandes. Auch im Haag wurde er hoch geschätzt, denn man vergaß es ihm dort nie, daß er es gewesen war, der Karl trotz des Einflusses Frankreichs und der Papisten bewogen hatte, die Hand der Prinzessin Marie ihrem Vetter zu geben.
Nottingham. [Daniel] Finch, Earl von Nottingham, ein Edelmann, dessen Name in der Geschichte dreier ereignißvoller Regierungen häufig genannt werden wird, stammte aus einer Familie von unvergleichlicher juristischer Auszeichnung. Einer seiner Verwandten hatte das Siegel Karl’s I. geführt, hatte seine eminenten Talente und Kenntnisse zu schlechten Zwecken gemißbraucht und war von der Rache der Gemeinen Englands, mit Falkland an der Spitze, verfolgt worden. Einen ehrenvolleren Ruf erlangte unter der folgenden Generation Heneage Finche. Er war unmittelbar nach der Restauration zum Staatsprokurator ernannt worden und war nacheinander zum Lordsiegelbewahrer, zum Lordkanzler, zum Baron Finch und Earl von Nottingham emporgestiegen. Während dieser ganzen glänzenden Laufbahn hatte er die Hoheitsrechte stets so hoch gehalten, als er es mit Ehren und Anstand konnte; nie aber war er bei irgend einer Machination gegen die Grundgesetze des Reichs betheiligt gewesen. Inmitten eines verderbten Hofes hatte er seine persönliche Rechtschaffenheit unbefleckt zu erhalten gewußt. Auch als Redner genoß er eines hohen Rufes, obwohl seine nach Mustern aus der Zeit vor dem Bürgerkriege gebildete Diction gegen das Ende seines Lebens von den Schöngeistern der heranwachsenden Generation steif und pedantisch genannt wurde. In Westminsterhall wird er noch immer mit Achtung als der Mann erwähnt, welcher aus dem Chaos, dem man in alter Zeit den Namen der Billigkeit gab, zuerst ein neues juristisches System bildete, das ebenso geregelt und vollständig ist wie das nach welchem die Richter des gemeinen Rechts verfahren.[61] Ein wesentlicher Theil der sittlichen und geistigen Eigenschaften dieses großen Staatsmannes ging mit dem Titel Nottingham auf seinen ältesten Sohn über. Dieser Sohn, der Earl Daniel, war ein rechtschaffener und tugendhafter Mann. Obwohl er in einigen abgeschmackten Vorurtheilen befangen und sonderbaren Anfällen von Launenhaftigkeit unterworfen war, kann man ihn doch nicht beschuldigen, daß er um unredlichen Gewinns oder strafbaren Genusses willen vom Pfade des Rechts abgewichen wäre. Er war, wie sein Vater, ein ausgezeichneter Redner und sprach eindringlich, aber weitschweifig und mit zu monotoner Gemessenheit. Seine Persönlichkeit entsprach ganz seiner Rede. Seine Haltung war steif, seine Gesichtsfarbe so dunkel, daß man ihn für den Eingebornen eines wärmeren Himmelstrichs hätte halten können, und seine scharf markirten Gesichtszüge hatten einen Ausdruck, welcher dem des Hauptleidtragenden bei einem Begräbnisse glich. Man pflegte von ihm zu sagen, daß er eher wie ein spanischer Grande als wie ein englischer Gentleman aussähe. Spottvögel gaben ihm die Spitznamen Dismal (Trübselig), Don Dismallo und Don Diego, welche noch heute nicht vergessen sind. Er hatte auf das Studium der Wissenschaft, durch die seine Familie sich so hoch emporgeschwungen, großen Fleiß verwendet und war für einen vornehm und reich gebornen Mann in den Gesetzen seines Vaterlandes erstaunlich bewandert. Er war ein treuer Sohn der Hochkirche und bewies seine Achtung vor derselben auf zwei Wegen, welche bei den Lords, die sich zu seiner Zeit als ihre besonderen Freunde gerirten, nicht gewöhnlich war, nämlich dadurch, daß er Schriften zur Vertheidigung ihrer Glaubenssätze herausgab und daß er sich in seinem Privatleben nach ihren Gebeten richtete. Wie viele andre eifrige Anglikaner hatte er bis vor Kurzem die monarchische Regierungsform kräftig unterstützt. Die Politik aber, welche seit der Unterdrückung des Aufstandes im Westen befolgt wurde, empörte ihn auf das heftigste, und zwar deshalb nicht weniger, weil sein jüngerer Bruder Heneage in Folge seiner Weigerung, die Dispensationsgewalt des Königs zu vertheidigen, seines Amtes als Generalprokurator entsetzt worden war.[62]
[61.] Siehe seine Biographie von Lord Campbell.
[62.] Johnstone’s Correspondenz; Mackay’s Memoirs; Arbuthnot’s John Bull; Swift’s Schriften von 1710 bis 1714 an mehreren Stellen; Whiston’s Brief an den Earl von Nottingham und des Letzteren Antwort darauf.