Es war besonders wichtig, die Mitwirkung zweier Gerichtshöfe zu gewinnen: der Kings Bench, welche der erste Criminalgerichtshof des Landes war, und des Gerichtshofs für Leerung der Gefängnisse, der in der Old Bailey saß und über die in der Hauptstadt begangenen Vergehen abzuurtheilen hatte. In beiden Gerichtshöfen aber stieß man auf große Schwierigkeiten. Herbert, der Oberrichter der Kings Bench, wollte trotz aller bis dahin bewiesenen Servilität nicht weiter gehen. Ein noch entschiedenerer Widerstand war von Sir Johann Holt zu erwarten, der als Syndikus der City von London auf der Bank der Old Bailey saß. Holt war ein ausgezeichnet gelehrter und aufgeklärter Jurist, dabei ein rechtschaffener und muthiger Mann und seine politische Meinung hatte eine whiggistische Färbung, obgleich er sich von allem Parteitreiben stets fern hielt. Dem Willen des Königs mußten jedoch alle Hindernisse weichen. Holt wurde seines Syndikats entsetzt. Herbert und ein andrer Richter von der Kings Bench entfernt, und die erledigten Stellen mit Männern besetzt, auf die sich die Regierung verlassen konnte. Allerdings mußte man in ziemlich niedere juristische Regionen hinabsteigen, ehe man Leute fand, welche zu Dienstleistungen, wie man sie jetzt brauchte, bereit waren. Der neue Oberrichter, Sir Robert Wright, war sprichwörtlich ein Ignorant, und die Unwissenheit war noch nicht sein ärgster Fehler. Seine Laster hatten ihn zu Grunde gerichtet. Um sich Geld zu verschaffen, hatte er zu unredlichen Mitteln seine Zuflucht genommen und einmal einen falschen Eid abgelegt, um in den Besitz von fünfhundert Pfund zu gelangen. Arm, ausschweifend und schamlos war er einer von den Schmarotzern Jeffreys’ geworden, der ihn beförderte und verächtlich behandelte. Dies war der Mann, den Jakob zum Lord Oberrichter von England erkor. Ein gewisser Allibone, der in der Rechtskunde noch unwissender war als Wright und als Katholik eigentlich gar nicht fähig war, ein öffentliches Amt zu bekleiden, wurde zum Unterrichter der Kings Bench ernannt. Sir Bartholomäus Shower, als serviler Tory und langweiliger Redner gleich bekannt, wurde Syndikus von London. Nachdem diese Veränderungen bewirkt waren, wurden mehrere Deserteurs zur Untersuchung gezogen und dem Wortlaute und dem Geiste des Gesetzes zum Hohn für schuldig befunden. Einige von ihnen vernahmen ihr Todesurtheil vor den Schranken der Kings Bench, Andere vor den Schranken der Old Bailey. Sie wurden vor den Augen der Regimenter, denen sie angehört hatten, gehängt und dafür Sorge getragen, daß diese Hinrichtungen durch die London Gazette, welche derartige Vorgänge nur selten berichtete, zur Öffentlichkeit gelangten.[5]
[5.] Siehe Statutes 18 Henry 6. c. 19; 2 & 3 Ed. 6. c. 2.; Eachard’s History of the Revolution; Kennet, III. 468; North’s Life of Guildford, 247.; London Gazette, April 18. & May 23. 1687; Vindication of the E. of R. (Earl of Rochester.)
Verfahren der Hohen Commission. [Man] kann wohl denken, daß das Gesetz, das so gröblich von denjenigen Gerichtshöfen verletzt wurde, deren ganze Autorität sich auf dasselbe gründete und die es als Richtschnur zu betrachten pflegten, von einem durch tyrannische Willkür errichteten Tribunale eben so wenig geachtet wurde. Während der ersten Monate ihres Bestehens hatte die neue Hohe Commission Geistlichen nur die Ausübung ihrer Amtshandlungen verboten; die Eigenthumsrechte waren noch unangetastet geblieben. Zu Anfang des Jahres 1687 aber beschloß man auch gegen die Pfründeneinkünfte einen Schlag zu führen und jedem anglikanischen Priester und Prälaten die Überzeugung beizubringen, daß, wenn er seine Beihülfe zur Vernichtung der Kirche, deren Diener er war, verweigerte, er in einer Stunde zum Bettler gemacht werden würde.
Die Universitäten. [Es] würde der Klugheit angemessen gewesen sein, das erste Exempel an einem unbekannten Individuum zu statuiren. Die Regierung aber war in einer so unseligen Verblendung befangen, daß man dieselbe in einem naiveren Zeitalter als eine göttliche Strafe betrachtet haben würde. Es wurde daher ohne weiteres gleich von Anfang an den beiden ehrwürdigsten Korporationen des Reichs, den Universitäten Oxford und Cambridge, der Krieg erklärt.
Die Macht dieser beiden Körperschaften war schon seit vielen Jahrhunderten groß; in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts aber hatte sie ihren Höhepunkt erreicht. Kein Nachbarland konnte sich so glänzender und reicher Sitze der Wissenschaft rühmen. Die Hochschulen von Edinburg und Glasgow, von Leyden und Utrecht, von Löwen und Leipzig, von Padua und Bologna kamen Gelehrten, welche in den prächtigen Stiftungen Wykeham’s und Wolsey’s, Heinrich’s VI. und Heinrich’s VIII. gebildet waren, ärmlich vor. Literatur und Wissenschaft waren in dem akademischen Systeme Englands mit Gepränge umgeben, mit obrigkeitlicher Gewalt bekleidet und mit den vornehmsten Institutionen des Landes eng verbunden. Kanzler einer Universität zu werden, war eine Auszeichnung, nach der die Magnaten des Reichs eifrig strebten; eine Universität im Parlament zu vertreten, war das Lieblingsziel des Ehrgeizes von Staatsmännern. Edelleute und selbst Fürsten waren stolz darauf, wenn eine Universität ihnen das Recht verlieh, den Scharlach der Doctorwürde zu tragen. Die Neugierigen wurden von den Universitäten angezogen durch alte, mit mittelalterlichen Verzierungen reich ausgestattete Gebäude, durch neuere Gebäude, welche glänzendes Zeugniß von dem künstlerischen Genie eines Jones und Wren gaben, durch imposante Hallen und Kapellen, durch Museen, durch botanische Gärten und durch die einzigen öffentlichen Bibliotheken, welche das Königreich damals besaß. Der Prunk, den namentlich Oxford bei feierlichen Gelegenheiten entfaltete, wetteiferte mit dem souverainer Fürsten. Wenn der Kanzler, der ehrwürdige Herzog von Ormond, in seinem geflickten Mantel auf seinem Throne unter der gemalten Decke der Sheldon’schen Tribüne saß, umgeben von vielen hundert Graduirten in der ihrem verschiedenen Range entsprechenden Kleidung, während die vornehmsten Jünglinge Englands ihm als Bewerber um akademische Ehren feierlich vorgeführt wurden, spielte er eine kaum minder königliche Figur als sein Gebieter im Bankethause zu Whitehall. Auf den Universitäten waren fast alle ausgezeichneten Geistlichen, Rechtsgelehrten, Ärzte, Schriftsteller, Dichter und Redner des Landes und zum großen Theil auch der hohe Adel und die reiche Gentry gebildet. Auch ist zu bemerken, daß die Verbindung zwischen dem Schüler und der Schule durch seinen Abgang nicht aufgelöst wurde. Er blieb oft während seines ganzen Lebens Mitglied des akademischen Körpers und behielt bei allen wichtigen Wahlen eine Stimme. Er hing daher an seinem alten Lieblingsaufenthalte am Cam und Isis mit weit größerer Zuneigung, als gebildete Leute sie in der Regel zu ihren Bildungsstätten empfinden. Es gab in England keinen Winkel, wo nicht beide Universitäten dankbare und treuergebene Söhne gehabt hätten. Jeder Angriff auf die Ehre oder die Interessen von Cambridge oder Oxford mußte nothwendig den Unwillen einer mächtigen, thätigen und intelligenten Klasse erregen, die über alle Grafschaften, von Northumberland bis Cornwall, zerstreut war.
Die seßhaften Graduirten waren vielleicht im Ganzen genommen den seßhaften Graduirten unsrer Zeit nicht überlegen, aber im Vergleich zu den anderen Gesellschaftskreisen standen sie damals auf einer viel höheren Stufe; denn Cambridge und Oxford waren die beiden einzigen Provinzialstädte im ganzen Königreiche, wo man eine bedeutende Anzahl hochgebildeter Männer fand. Selbst die Hauptstadt hatte große Achtung vor der Autorität der Universitäten, nicht nur in Fragen der Theologie, der Naturwissenschaften und des klassischen Alterthums, sondern auch in solchen Angelegenheiten, in denen die Hauptstädte in der Regel für die höchsten Instanzen gelten wollen. Von Will’s Kaffeehaus und dem Parterre des Drurylanetheaters appellirte man noch an die beiden großen Nationalsitze des Geschmacks und der Gelehrsamkeit. Schauspiele, die in London mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen worden waren, galten erst dann für außer Gefahr, wenn sie die strenge Prüfung eines mit Sophokles und Terenz vertrauten Zuhörerkreises bestanden hatten.[6]
Die englischen Universitäten hatten ihren großen moralischen und intellectuellen Einfluß energisch zu Gunsten der Krone angewendet. Das Hauptquartier Karl’s I. war in Oxford gewesen und die silbernen Krüge und Teller sämmtlicher Collegien waren zur Unterstützung seiner Kriegskasse eingeschmolzen worden. Cambridge war nicht weniger loyal gesinnt. Es hatte ebenfalls einen großen Theil seines Silbergeräths in’s königliche Lager gesandt, und der Rest würde auch nachgefolgt sein, wäre die Stadt nicht von den Parlamentstruppen genommen worden. Beide Universitäten waren von den siegreichen Puritanern mit der äußersten Strenge behandelt worden, beide hatten die Restauration mit Freuden begrüßt, beide hatten sich der Ausschließungsbill standhaft widersetzt und ihren tiefsten Abscheu über das Ryehousecomplot ausgesprochen. Cambridge hatte nicht nur seinen Kanzler Monmouth abgesetzt, sondern seinen Unwillen über den Verrath des Herzogs sogar in einer eines Sitzes der Gelehrsamkeit unwürdigen Weise zu erkennen gegeben, indem es die Leinwand, auf der Kneller seine einnehmende Physiognomie und Gestalt mit künstlerischer Vollendung dargestellt hatte, den Flammen übergab.[7] Oxford, das dem Herde des westlichen Aufstandes näher lag, hatte noch stärkere Beweise von Loyalität gegeben. Die Studenten hatten mit Bewilligung ihrer Professoren zu Hunderten die Waffen zur Vertheidigung der erblichen Thronrechte ergriffen. Und diese Körperschaften beschloß Jakob jetzt in offenem Widerspruch mit den Gesetzen und mit seinem verpfändeten Worte zu beschimpfen und zu berauben.
[6.] Dryden’s Prologe und Cibber’s Memoiren enthalten zahlreiche Beweise von dem Ansehen, welches der Geschmack der Oxforder bei den gefeiertsten Dichtern und Schauspielern genoß.
[7.] Siehe das Gedicht: Advice to the Painter upon the Defeat of the Rebels in the West, sowie noch ein andres ganz abscheuliches Gedicht über den nämlichen Gegenstand von Stepney, welcher damals am Trinity-Collegium studirte.
Verfahren gegen die Universität Cambridge. [Mehrere] Parlamentsacte, die so klar waren als nur irgend eine Verordnung des Gesetzbuches, hatten vorgeschrieben, daß auf beiden Universitäten Niemand zu irgend einem Grade zugelassen werden sollte, ohne den Suprematseid und einen andren ähnlichen Eid, der Gehorsamseid genannt, abgelegt zu haben. Dessenungeachtet wurde im Februar 1687 ein königliches Schreiben nach Cambridge gesandt, worin die Aufnahme eines Benedictinermönches, Namens Alban Francis, als Magister der freien Künste anbefohlen wurde.