Im März 1687 starb der Präsident des Collegiums. Einer der Fellows, Doctor Thomas Smith, vom Volke spottweise Rabbi Smith genannt, ein ausgezeichneter Reisender, Büchersammler, Alterthumsforscher und Orientalist, der Kaplan bei der Gesandtschaft in Konstantinopel gewesen und mit der Vergleichung der alexandrinischen Handschriften beauftragt worden war, bewarb sich um den erledigten Posten. Er meinte als Gelehrter und als eifriger Tory einigen Anspruch auf die Begünstigung von Seiten der Regierung zu haben. Seine Loyalität war auch in der That so glühend und so unwandelbar, wie man sie in der ganzer englischen Kirche nur finden konnte. Er war lange mit dem Bischof Parker von Oxford intim befreundet gewesen und hoffte durch die Verwendung dieses Prälaten ein königliches Empfehlungsschreiben an das Collegium zu erhalten. Parker versprach sein Möglichstes zu thun, berichtete aber bald, daß er auf Schwierigkeiten gestoßen sei. „Der König,“ sagte er, „mag Niemanden empfehlen, der nicht ein Freund seiner Religion ist. Was können Sie in dieser Beziehung thun, um ihn zufrieden zu stellen?“ Smith antwortete, daß, wenn er Präsident werden sollte, er sich bemühen würde, Gelehrsamkeit, wahres Christenthum und Loyalität zu fördern. „Das wird nicht genügen,“ sagte der Bischof. „Nun so mag Präsident werden wer da will,“ versetzte Smith mannhaft; „ich kann nicht mehr versprechen.“
[12.] Dieser Thorweg ist jetzt verschlossen.
[13.] Wood’s Athenae Oxonienses; Walker’s Sufferings of the Clergy.
[14.] Burnet, I. 697; Tanner’s Notitia Monastica. Bei der Visitation im sechsundzwanzigsten Regierungsjahre Heinrich’s VIII. ergab es sich, daß die Einkünfte des Kings-Collegiums 751 Pfd. St., die des Neuen Collegiums 487 Pfd. St. und die des Magdalenen-Collegiums 1076 Pfd. St. betrugen.
Anton Farmer vom Könige als Präsident empfohlen. [Die] Wahl wurde auf den dreizehnten April festgesetzt und die Fellows aufgefordert, derselben beizuwohnen. Es ging die Rede, daß ein königliches Schreiben einlaufen werde, das einen gewissen Anton Farmer für die erledigte Stelle empfehle. Das Leben dieses Mannes war eine Reihenfolge ehrloser Handlungen. Er war Mitglied der Universität Cambridge gewesen und der Ausstoßung nur durch rechtzeitige freiwillige Entfernung entgangen. Dann hatte er sich den Dissenters angeschlossen und hierauf war er nach Oxford gegangen, um in das Magdalenen-Collegium einzutreten, wo er sich bald durch alle möglichen Laster auszeichnete. In der Regel taumelte er spät in der Nacht so betrunken, daß er nicht sprechen konnte, seinem Collegium zu. Es war allbekannt, daß er an der Spitze eines unehrenvollen Aufruhrs in Abingdon gestanden hatte, und er war ein regelmäßiger Gast bekannter Lieblingsorte von Wüstlingen gewesen. Endlich war er Kuppler geworden, hatte sogar die gewöhnliche Gemeinheit seines abscheulichen Gewerbes noch übertroffen und hatte von liederlichen jungen Leuten für Dienste, welche die Geschichte nicht gut erzählen kann, Geld genommen. Dieser erbärmliche Mensch war jetzt zum Papismus übergetreten. Sein Abfall sühnte alle seine Laster, und obgleich noch sehr jung, wurde er zum Vorsteher einer ernsten religiösen Gesellschaft empfohlen, in welcher das Ärgerniß, das er durch seine Lasterhaftigkeit gegeben, noch im frischen Andenken war.
Durch das allgemeine Landesgesetz war er als römischer Katholik von allen akademischen Ämtern ausgeschlossen, und da er niemals Fellow des Magdalenen-Collegiums noch des Neuen Collegiums gewesen, so hatte er der besonderen Verordnung Wilhelm’s von Waynflete gemäß gar kein Recht, sich um die erledigte Präsidentenstelle zu bewerben. Überdies hatte Waynflete den Mitgliedern seiner Stiftung noch ausdrücklich eingeschärft, daß sie bei der Wahl ihres Vorstehers namentlich auf seinen moralischen Character Rücksicht nehmen sollten, und hätte er auch keine derartige Weisung hinterlassen, so konnte eine meist aus Theologen bestehende Gesellschaft einem Mann wie Farmer schicklicherweise nicht die Leitung einer Bildungsanstalt übertragen.
Die Collegiaten stellten dem Könige ehrerbietigst vor, in welche Verlegenheit sie kommen würden, wenn das Gerücht, daß Farmer ihnen empfohlen werden sollte, sich als begründet erwies, und baten darum, daß Seine Majestät, wenn es ihm beliebe, sich in die Wahl einzumischen, ihnen einen Mann vorschlagen möchte, für den sie gesetzlicherweise und mit gutem Gewissen stimmen könnten. Von dieser ergebenen Bitte wurde keine Notiz genommen. Das königliche Schreiben lief ein. Der Überbringer desselben war ein Fellow des Collegiums, der unlängst Papist geworden war, Namens Robert Charnock, ein Mann von Talent und Geist, aber von heftigem und ruhelosem Temperament, das ihn einige Jahre später zu einem abscheulichen Verbrechen und zu einem entsetzlichen Schicksale trieb. Das Collegium versammelte sich am 13. April in der Kapelle. Man hatte noch immer einige Hoffnung, daß der König sich durch die an ihn gerichteten Vorstellungen werde bewegen lassen, und die Versammlung vertagte sich deshalb bis auf den 15. April, als den letzten Termin, an welchem die Wahl nach den Statuten des Collegiums stattfinden mußte.
Wahl des Präsidenten. [Der] 15. April erschien und die Collegiaten versammelten sich wieder in ihrer Kapelle. Von Whitehall war keine Antwort gekommen. Einige der älteren Mitglieder, darunter Smith, waren der Meinung, die Wahl lieber noch einmal zu verschieben, als einen Schritt zu thun, der den König möglicherweise beleidigen konnte. Aber die Sprache der Statuten war klar und die Mitglieder des Collegiums hatten sich eidlich verpflichtet, dieselben zu befolgen. Die Ansicht der Mehrheit war daher, daß kein weiterer Aufschub stattfinden dürfe. Es erfolgte eine heftige Debatte. Die Wähler waren zu aufgeregt, als daß sie hätten auf ihren Plätzen bleiben können; die ganze Kapelle war in Aufruhr. Diejenigen, welche für die Vornahme der Wahl stimmten, beriefen sich auf ihre Eide und auf die Verordnungen des Stifters, dessen Brot sie aßen. Sie behaupteten ganz richtig, der König habe nicht das Recht, ihnen selbst einen geeigneten Candidaten aufzudringen. In der Hitze des Streits fielen einige für toryistische Ohren anstößige Äußerungen und Smith ließ sich zu der Bemerkung verleiten, der Geist Ferguson’s habe sich seiner Collegen bemächtigt. Mit großer Stimmenmehrheit wurde endlich der Beschluß gefaßt, die Wahl unverzüglich vorzunehmen. Charnock verließ die Kapelle. Die übrigen Fellows gaben, nachdem sie vorher das Sakrament empfangen, ihre Stimmen ab. Die Wahl fiel auf Johann Hough, einen Mann von seltener Tugend und Besonnenheit, der, nachdem er Verfolgungen mit hohem Muthe und das Glück mit ernster Würde ertragen, zu hohen Ehren emporgestiegen und noch höhere bescheiden abgelehnt hatte, mehr als sechsundfünfzig Jahre nach diesem ereignißvollen Tage in hohem Alter, aber noch in voller Kraft des Geistes starb.
Die Gesellschaft beeilte sich, dem Könige die Umstände auseinanderzusetzen, welche es nothwendig gemacht hatten, ohne weiteren Verzug zur Wahl eines Präsidenten zu schreiten, und ersuchte den Herzog von Ormond als Kanzler der ganzen Universität, und den Bischof von Winchester als Visitator des Magdalenen-Collegiums, das Amt der Vermittelung zu übernehmen. Der König aber war viel zu aufgebracht und viel zu befangen, als daß er auf derartige Verstellungen hätte hören können.
Die Mitglieder des Magdalenen-Collegiums werden vor die Hohe Commission geladen. [Anfangs] Juni wurden die Collegiaten vor die Hohe Commission nach Whitehall beschieden. Fünf von ihnen kamen als Deputirte der Korporation der Aufforderung nach. Jeffreys behandelte sie nach seiner gewohnten Manier. Als einer von ihnen, ein ehrwürdiger Doctor, Namens Fairfax, einigen Zweifel an der Rechtsgültigkeit der Commission äußerte, begann er zu brüllen wie ein wildes Thier: „Wer ist der Mann? Wer giebt ihm das Recht, hier unverschämt zu sein? Ergreift ihn und steckt ihn in ein finstres Zimmer! Wie kann man ihn ohne Wächter lassen? Er steht als Wahnsinniger unter meiner Aufsicht. Es wundert mich, daß noch Niemand bei mir darauf angetragen hat, daß er in sicheres Gewahrsam gebracht werde.“ Als aber der Sturm ausgetobt hatte und die Aussagen über den sittlichen Charakter des vom Könige empfohlenen Kandidaten verlesen waren, hatte keiner der Commissare die Frechheit zu behaupten, daß ein solcher Mensch sich zum Präsidenten eines großen Collegiums eigne. Obadja Walker und die übrigen oxforder Papisten, die sich eingefunden hatten, um ihren Proselyten zu unterstützen, waren nicht wenig bestürzt. Die Commission erklärte Hough’s Wahl für ungültig und suspendirte Fairfax von seiner Collegiatur; von Farmer aber war keine Rede mehr und im August kam ein königliches Schreiben an, welches dem Collegium den Bischof von Oxford, Parker, empfahl.