Parker zum Präsidenten empfohlen. [Parker] war kein erklärter Papist. Es lag jedoch ein Umstand gegen ihn vor, der, selbst wenn die Präsidentur erledigt gewesen wäre, hätte entscheidend sein müssen: er hatte weder dem Neuen Collegium noch dem Magdalenen-Collegium jemals angehört. Aber die Präsidentur war gar nicht erledigt, denn Hough war rechtskräftig gewählt und sämmtliche Mitglieder des Collegiums waren eidlich verpflichtet, ihn in seinem Amte zu erhalten. Sie entschuldigten sich daher mit vielen Versicherungen ihrer Loyalität und ihres Bedauerns, daß sie dem Befehle des Königs nicht Folge leisten könnten.
Die Karthause. [Während] Oxford so der Tyrannei energisch entgegen trat, leistete man an einem andren Orte nicht weniger tapferen Widerstand. Jakob hatte vor einiger Zeit den Administratoren der Karthause, Männern von hohem Rang und Ansehen im Königreiche, den Befehl gegeben, einen römischen Katholiken, Namens Popham, in das unter ihrer Verwaltung stehende Hospital aufzunehmen. Der Vorsteher der Anstalt, Thomas Burnet, ein durch Genie, Gelehrsamkeit und Tugend ausgezeichneter Geistlicher, hatte, obgleich der wilde Jeffreys im Collegium saß, den Muth, sie darauf aufmerksam zu machen, daß jene Zumuthung dem Willen des Stifters sowohl als einer Parlamentsacte zuwiderlaufe. „Was thut dies zur Sache?“ fragte ein dem Vorstande angehörender Höfling. „Ich meine, es thut sehr viel zur Sache,“ antwortete eine von Alter und Sorgen geschwächte Stimme, die aber in keiner Versammlung ohne Achtung gehört wurde, die Stimme des ehrwürdigen Ormond. „Eine Parlamentsacte,“ fuhr der Patriarch der Kavalierpartei fort, „ist meiner Ansicht nach keine Kleinigkeit.“ Es wurde die Frage gestellt, ob Popham zugelassen werden solle, und der Beschluß lautete auf seine Zurückweisung. Da der Kanzler seinem Grolle nicht wohl durch Fluchen und Verwünschungen gegen Ormond Luft machen konnte, so lief er in voller Wuth fort und mehrere von der Minorität folgten ihm. In Folge dessen blieb keine beschlußfähige Anzahl übrig und es konnte daher auf den königlichen Befehl keine formelle Antwort gegeben werden.
Die nächste Sitzung fand nur zwei Tage, nachdem die Commission Hough’s Wahl für ungültig erklärt und Fairfax suspendirt hatte, statt. Die Administratoren erhielten einen zweiten Befehl mit dem großen Staatssiegel; aber das tyrannische Verfahren gegen das Magdalenen-Collegium hatte ihren Muth noch erhöht, anstatt ihn zu schwächen. Sie setzten ein Schreiben an Sunderland auf, durch welches er ersucht wurde, dem Könige mitzutheilen, daß sie im vorliegenden Falle Seiner Majestät nicht gehorchen könnten, ohne das Gesetz und ihre Amtspflicht zu verletzen.
Es dürfte kaum zu bezweifeln sein, daß, wenn diese Zuschrift nur von unbedeutenden Männern unterzeichnet gewesen wäre, der König irgend einen Gewaltschritt gethan haben würde. Aber selbst er erschrak beim Anblick der großen Namen Ormond, Halifax, Danby und Nottingham, der Oberhäupter aller Farben der großen Partei, der er seine Krone verdankte. Er begnügte sich deshalb, Jeffreys zu bedeuten, daß er das weiter einzuschlagende Verfahren in Erwägung ziehen solle. Einmal hieß es, es werde ein Prozeß bei der Kings Bench anhängig gemacht werden, ein andermal, die Kirchliche Commission werde den Fall in die Hand nehmen, aber diese Drohungen verstummten nach und nach wieder.[15]
[15.] A Relation of the Proceedings at the Charterhouse, 1689.
Rundreise des Königs. [Der] Sommer war jetzt weit vorgerückt und der König trat eine Reise an, die längste und glänzendste, die man seit vielen Jahren gesehen hatte. Am 16. August begab er sich von Windsor nach Portsmouth, besichtigte die Festungswerke, berührte einige mit Kröpfen Behaftete und fuhr dann in einer seiner Yachten nach Southampton. Von hier reiste er nach Bath, wo er sich einige Tage aufhielt und die Königin zurückließ. Als er wieder abreiste, begleiteten ihn der Obersheriff von Somersetshire und eine große Anzahl Gentlemen bis an die Grenze der Grafschaft, wo ihn der Obersheriff von Gloucestershire mit einem nicht minder glänzenden Gefolge erwartete. Der Herzog von Beaufort kam bald darauf den königlichen Equipagen entgegen und geleitete dieselben nach Badminton, wo ein des Rufes, den sich der Herzog durch seinen glänzenden Haushalt erworben hatte, würdiges Mahl für ihn angerichtet war. Am Nachmittag ging der Zug weiter nach Gloucester. Zwei Meilen vor der Stadt wurde er vom Bischofe und der Geistlichkeit bewillkommnet. Am Südthore erwartete ihn der Mayor mit den Schlüsseln. Die Glocken gingen und aus allen Röhrtrögen floß Wein, während der König durch die Straßen nach dem Platze zog, der die ehrwürdige Kathedrale umgiebt. Er übernachtete in der Dechanei und brach am folgenden Morgen nach Worcester auf. Von Worcester ging er nach Ludlow, Shrewsbury und Chester, und wurde überall mit äußeren Zeichen der Freude und Ehrerbietung empfangen, die er schwach genug war, als Beweise zu betrachten, daß die durch seine Maßregeln hervorgerufene Unzufriedenheit gedämpft sei und ihm ein leichter Sieg bevorstehe. Der scharfblickendere Barillon benachrichtigte Ludwig, daß der König in einer Täuschung befangen sei, daß die Reise keinen wirklichen Nutzen gebracht habe und daß die nämlichen Gentlemen von Worcestershire und Shropshire, die es für ihre Pflicht gehalten, ihren Souverain und Gast mit allen Ehrenbezeigungen zu empfangen, sich so widerspenstig als je zeigen würden, wenn die Testangelegenheit zur Sprache käme.[16]
Unterwegs schlossen sich dem königlichen Zuge zwei Höflinge an, die in Character und Meinungen weit von einander verschieden waren. Penn war auf einer geistlichen Hirtenreise in Chester. Seine Popularität und sein Ansehen waren unter seinen Glaubensbrüdern tief gesunken, seitdem er ein Werkzeug des Königs und der Jesuiten geworden war.[17] Jakob aber nahm ihn sehr freundlich auf und er durfte am Sonntage im Ballhause einen Vortrag halten, während Cartwright in der Kathedrale predigte und der König an einem in der Grafschaftshalle errichteten Altare die Messe hörte. Man sagt sogar, Seine Majestät habe geruht, einen Augenblick in das Ballhaus einzutreten und der melodischen Beredtsamkeit seines Freundes mit Anstand zuzuhören.[18]
Der wüthende Tyrconnel war von Dublin über den Kanal gekommen, um von seiner Verwaltung Bericht zu erstatten. Alle achtungswertheren englischen Katholiken behandelten ihn als einen Feind ihres Stammes und als eine Schande ihrer Religion mit Kälte. Sein Gebieter aber hieß ihn herzlich willkommen und entließ ihn mit Versicherungen seines ungeschwächten Vertrauens und seiner steten Unterstützung. Jakob vernahm mit großer Freude, daß bald die ganze Verwaltung Irlands in römisch-katholischen Händen sein werde. Die englischen Ansiedler waren schon ihrer ganzen politischen Macht beraubt, es blieb nur noch übrig, sie auch ihres Eigenthums zu berauben, und diese letzte Gewaltthat wurde so lange aufgeschoben, bis man sich die Mitwirkung eines irischen Parlaments gesichert haben würde.[19]
Von Cheshire wendete sich der König nach dem Süden und in der festen Überzeugung, daß die Fellows des Magdalenen-Collegiums es trotz ihres widerspenstigen Geistes nicht wagen würden, einem ihnen mündlich gegebenen Befehle den Gehorsam zu verweigern, reiste er nach Oxford. Auf dem Wege dahin machte er einige kleine Abstecher nach Orten, die ihn als König, als Bruder und als Sohn besonders interessirten. Er besuchte das gastliche Dach von Boscobel und die Überreste der Eiche, die in der Geschichte seines Hauses eine so wichtige Rolle spielt. Er fuhr über das Schlachtfeld von Edgehill, wo die Kavaliere zuerst mit den Soldaten des Parlaments die Schwerter kreuzten. Am 3. September speiste er mit großem Gepränge im Palast von Woodstock, einem alten berühmten Schlosse, von dem kein Stein mehr vorhanden ist, dessen Lage aber noch heute auf der Wiese des Blenheimparks durch zwei unweit der stattlichen Brücke stehende Platanen bezeichnet wird.
[16.] London Gazette vom 18. Aug. bis 1. Sept. 1687; Barillon, 19.(29.) Sept.