Penn war so unbesonnen, hierauf zu antworten, daß er ernstlich glaube, die Papisten würden nun zufrieden sein. „Das University-Collegium,“ sagte er, „ist ein schönes Collegium, Christchurch ein vortrefflicher Platz und Magdalenen ein herrliches Gebäude. Die Lage ist angenehm, die Gartenanlagen am Flusse reizend. Wenn die Katholiken vernünftig sind, werden sie sich damit begnügen.“ Diese alberne Erklärung würde allein schon Hough und seine Collegen in die Unmöglichkeit versetzt haben, nachzugeben. Die Unterhandlung wurde abgebrochen, und der König beeilte sich, seiner Drohung gemäß die Ungehorsamen fühlen zu lassen, was es hieß, sich seine Ungnade zuziehen.
Eine kirchliche Specialcommission wird nach Oxford gesandt. [Cartwright], Bischof von Chester, Wright, Oberrichter der Kings Bench, und Sir Thomas Jenner, ein Baron des Schatzkammergerichts, erhielten eine Specialvollmacht zur Visitation des Collegiums. Am 20. October kamen sie in Oxford an, begleitet von drei Schwadronen Kavalerie mit gezogenen Säbeln. Am folgenden Morgen nahmen die Commissare im Hörsaale des Magdalenen-Collegiums ihre Sitze ein und Cartwright hielt eine loyale Rede, welche noch vor wenigen Jahren von den Oxfordern mit lautem Beifall aufgenommen worden wäre, die aber jetzt mit stummem Unwillen angehört wurde. Es erfolgte hierauf eine lange Debatte. Der Präsident vertheidigte seine Rechte mit Geschick, Mäßigung und Entschiedenheit. Er versicherte seine hohe Achtung vor der königlichen Autorität, behauptete aber fest, daß er nach den Gesetzen Englands ein Eigenthumsrecht an das Haus und an die mit der Präsidentur verbundenen Einkünfte habe. Dieses Rechts könne ihn ein Machtspruch des Landesherrn nicht berauben. „Wollen Sie sich unsrer Visitation unterwerfen?“ fragte der Bischof. „Ich unterwerfe mich derselben,“ antwortete Hough mit weiser Vorsicht, „in so weit sie mit dem Gesetz im Einklange steht, weiter nicht.“ — „Wollen Sie den Schlüssel zu Ihrer Wohnung ausliefern?“ fragte Cartwright. Hough schwieg. Die Frage wurde wiederholt, und Hough antwortete nun mild aber entschieden, daß er dies nicht thun werde. Die Commissare nannten ihn einen unberufenen Eindringling und forderten die Collegiaten auf, seine Autorität nicht mehr anzuerkennen und für die Aufnahme des Bischofs von Oxford zu stimmen. Charnock versprach bereitwilligst Gehorsam, Smith gab eine ausweichende Antwort, die Hauptmasse der Collegiaten aber erklärte auf das Bestimmteste, daß sie Hough noch immer als ihren rechtmäßigen Präsidenten betrachteten.
Hough’s Protest. [Jetzt] bat Hough um die Erlaubniß, selbst noch einige Worte an die Commissare richten zu dürfen. Sie bewilligten ihm dies sehr artig, vielleicht weil sie nach seinem ruhigen und gelassenen Benehmen erwarteten, daß er ein Zugeständniß machen werde. „Mylords,“ sprach er, „Sie haben mich heute meines freien Eigenthums beraubt; ich protestire hiermit gegen Ihr ganzes Verfahren als gesetzwidrig, ungerecht und nichtig und appellire an unsren erlauchten Gebieter, den König, in seinen Gerichtshöfen.“ Ein lautes beifälliges Gemurmel erhob sich unter den Studirenden, welche den Saal füllten. Die Commissare waren wüthend. Man suchte die Verbrecher, welche applaudirt hatten, herauszufinden, aber vergebens. Der ganze Zorn der Commission richtete sich nun gegen Hough. „Glauben Sie nicht, daß Sie uns trotzen können,“ rief Jenner mit einem Wortspiel auf den Namen des Präsidenten.[21] „Ich werde die Autorität Seiner Majestät aufrecht erhalten, so lange ich Athem in meiner Brust habe,“ setzte Wright hinzu. „Das Alles kommt von Ihrem nach Popularität haschenden Protest. Sie haben den Landfrieden gebrochen und sollen sich dafür vor der Kings Bench verantworten. Ich verpflichte Sie bei Strafe von tausend Pfund, beim nächsten Termine zu erscheinen. Wir wollen sehen, ob die Civilgewalt Sie nicht bändigen wird. Reicht sie nicht aus, so sollen Sie auch die militairische haben.“ Oxford befand sich in der That in einer Stimmung, welche die Commissare nicht wenig beunruhigte. Die Soldaten erhielten Befehl, ihre Carabiner zu laden, und man sagte, es sei ein expresser Bote nach London geschickt worden, um schleunige Nachsendung von Verstärkungen zu verlangen. Es fand jedoch keine Ruhestörung statt.
[21.] Im Deutschen läßt sich das Wortspiel nicht wiedergeben. Hough und huff (trotzen) wird im Englischen ziemlich gleich ausgesprochen. D. Übers.
Einsetzung Parker’s. [Der] Bischof von Oxford wurde mittelst Vollmacht ruhig eingesetzt, aber nur zwei Mitglieder des Magdalenen-Collegiums wohnten der Feierlichkeit bei. Mancherlei Anzeichen bewiesen, daß der Geist des Widerstandes sich auch des Volks bemächtigt hatte. Der Thürsteher des Collegiums warf seinen Schlüssel weg. Der Kellermeister weigerte sich, den Namen Hough’s aus dem Wirthschaftsbuche zu streichen. In der ganzen Stadt war kein Schlosser aufzutreiben, der die Thür der Präsidentenwohnung aufsprengen wollte. Die eigenen Diener der Commissare mußten die Thür mit eisernen Stangen erbrechen. Die Predigten, welche am nächstfolgenden Sonntage in der Universitätskirche gehalten wurden, waren voll von Bemerkungen, welche Cartwright tief kränkten; aber sie waren so gehalten, daß er nichts dagegen thun konnte.
Wäre Jakob nicht ganz verblendet gewesen, so würde er hier innegehalten haben. Die Collegiaten waren im Ganzen genommen nicht geneigt, den Widerstand noch weiter zu treiben. Sie waren der Meinung, daß sie ihre Achtung vor ihren Statuten und Eiden hinreichend bewiesen hätten, indem sie ihre Mitwirkung bei der Einsetzung eines Unberufenen verweigerten, und daß sie sich ihm jetzt, da er im factischen Besitze des Amtes war, als ihrem Oberhaupte unterwerfen könnten, ohne einen Vorwurf auf sich zu laden, bis er durch den Ausspruch eines competenten Gerichts entfernt wurde. Nur ein Collegiat, Doctor Fairfax, weigerte sich, auch nur soweit nachzugeben. Die Commissare würden zu einer solchen Verständigung gern die Hand geboten haben und einige Stunden lang herrschte eine Waffenruhe, von der Viele glaubten, daß sie zu einem gütlichen Vergleich führen werde. Aber bald war Alles wieder in Aufregung. Die Collegiaten sahen, daß die öffentliche Meinung sie offen der Kleinmüthigkeit beschuldigte; in der Stadt sprach man schon ironisch von einem Magdalenengewissen und sagte, der tapfere Hough und der brave Fairfax seien verrathen und verlassen worden. Noch ärgerlicher waren die Spötteleien Obadja Walker’s und seiner Renegatensippschaft. Das also, sagten diese Apostaten, sei das Ende von all den hochtrabenden Worten, in denen die Gesellschaft ihren Entschluß erklärt habe, treu zu ihrem rechtmäßigen Präsidenten und zu ihrem protestantischen Glauben zu stehen! Während die Collegiaten, tief gekränkt durch den öffentlichen Tadel, ihre bedingte Unterwerfung bereueten, erfuhren sie, daß diese den König noch keineswegs zufriedengestellt habe. Es sei nicht genug, sagte er, daß sie sich erboten hätten, dem Bischof von Oxford als factischem Präsidenten zu gehorchen; sie müßten auch die Commission und Alles was dieselbe gethan habe, als gesetzlich anerkennen. Sie müßten eingestehen, daß sie pflichtvergessen gehandelt hätten, müßten ihr Benehmen bereuen und versprechen, daß sie sich in Zukunft besser betragen wollten, müßten Seine Majestät um Verzeihung bitten und ihm zu Füßen fallen. Nur zwei Collegiaten, Charnock und Smith, über welche der König nicht zu klagen hatte, wurden von der Verpflichtung, diese erniedrigenden Entschuldigungen zu machen, ausgenommen.
Nie that Jakob einen thörichteren Fehlgriff. Die Collegiaten, schon mit sich selbst unzufrieden, weil sie so weit nachgegeben hatten, und durch den Tadel des Publikums gereizt, ergriffen eifrig die ihnen jetzt gebotene Gelegenheit, die öffentliche Achtung wieder zu gewinnen. Sie erklärten einstimmig, sie würden niemals deshalb, daß sie in ihrem Rechte gewesen seien, um Verzeihung bitten, und eben so wenig anerkennen, daß die Visitation ihres Collegiums und die Beraubung ihres Präsidenten gesetzlich gewesen sei.
Vertreibung der Collegiaten. [Jetzt] ließ sie der König das angedrohte ganze Gewicht seiner Hand fühlen. Durch ein summarisches Edict wurden sie zur Vertreibung verurtheilt. Diese Strafe wurde indessen noch nicht für genügend erachtet. Man wußte, daß viele Edelleute und Gentlemen, welche ein kirchliches Patronatrecht hatten, sich bemühen würden, für Männer zu sorgen, welche für die Gesetze Englands und für den protestantischen Glauben so viel gelitten. Deshalb erklärte die Hohe Commission die Vertriebenen für unfähig, irgend ein geistliches Amt wieder zu bekleiden, und Diejenigen, welche noch nicht ordinirt waren, wurden für unfähig erklärt, die geistliche Ordination zu empfangen. So hatte Jakob die Genugthuung, Viele von ihnen aus einer Lage, in der sie alle möglichen Annehmlichkeiten des Lebens genossen und die schönsten Aussichten auf zukünftige Anstellungen hatten, in hoffnungslose Dürftigkeit zurückgeworfen zu haben.
Aber all’ diese Strenge hatte gerade die entgegengesetzte Wirkung als er erwartete. Der Geist der Engländer, dieser trotzige Geist, den kein König aus dem Hause Stuart jemals durch Erfahrung erkennen lernte, empörte sich heftig gegen die Ungerechtigkeit. Oxford, der friedliche Sitz der Gelehrsamkeit und Loyalität, war in einem Zustande, ähnlich dem, in welchem sich London am Morgen nach dem Versuche Karl’s I., die fünf Parlamentsmitglieder festnehmen zu lassen, befunden hatte. Der Vicekanzler war am Tage der Vertreibung von den Commissaren zu Tische eingeladen worden. Er lehnte die Einladung ab. „Mein Geschmack,“ sagte er, „ist verschieden von dem des Obersten Kirke; ich kann unter dem Galgen nicht mit Appetit essen.“ Die Studenten weigerten sich, den neuen Vorsteher des Magdalenen-Collegiums zu grüßen. Smith erhielt den Spottnamen Dr. Schuft und wurde in einem Kaffeehause öffentlich insultirt. Als Charnock die Demies aufforderte, in seiner Gegenwart ihre akademischen Übungen vorzunehmen, antworteten sie ihm, daß sie ihrer rechtmäßigen Vorsteher beraubt seien und sich keiner widerrechtlichen Autorität unterwerfen würden. Sie versammelten sich zum Studiren wie zum Gottesdienst auf eigne Hand. Man versuchte es, sie durch das Anerbieten der einträglichen Collegiaturen, welche eben für erledigt erklärt worden waren, zu verführen, aber ein Untergraduirter nach dem andren antwortete mit männlichem Freimuth, daß sein Gewissen ihm nicht gestatte, aus einem Unrecht für sich Nutzen zu ziehen. Ein Student, der sich zur Annahme einer Collegiatur überreden ließ, wurde von seinen Comiletonen aus dem Saale gestoßen. Es wurden junge Leute aus anderen Collegien eingeladen, aber mit geringem Erfolg; die reichste Stiftung des Landes schien selbst für arme Studenten alle Anziehungskraft verloren zu haben. Inzwischen wurde in London und im ganzen Lande Geld zur Unterstützung der vertriebenen Collegiaten gesammelt. Die Prinzessin von Oranien zeichnete zur großen Freude aller Protestanten zweihundert Pfund. Der König, beharrte nichtsdestoweniger bei dem eingeschlagenen Verfahren. Auf die Vertreibung der Collegiaten folgte bald die Ausstoßung einer Menge Demies. Währenddem nahmen die körperlichen und geistigen Kräfte des neuen Präsidenten mehr und mehr ab. Er hatte zu der Zeit, als sein Kollegium sich in offener Empörung gegen seine Autorität befand, noch einen schwachen Versuch gemacht, der Regierung einen Dienst zu leisten, indem er eine Vertheidigung der Indulgenzerklärung oder vielmehr der Lehre von der Transsubstantiation erscheinen ließ. Diese Schrift rief viele Entgegnungen hervor, namentlich eine von Burnet, die mit außerordentlicher Kraft und Schärfe geschrieben war. Wenige Wochen nach der Vertreibung der Demies starb Parker in dem Hause, von dem er gewaltsam Besitz ergriffen hatte. Man sagte damals, Reue und Scham hätten sein Ende beschleunigt. Er ruht in der schönen Vorkapelle des Collegiums, aber kein Denkstein bezeichnet sein Grab.
Das Magdalenen-Collegium in ein papistisches Seminar verwandelt. [Der] ganze Plan des Königs wurde nun vollends ausgeführt: das Collegium wurde zu einem papistischen Seminar umgestaltet. Bonaventura Giffard, der katholische Bischof von Madura, ward Präsident. In der Kapelle wurde katholischer Gottesdienst gehalten und an einem Tage zwölf Katholiken als Collegiaten aufgenommen. Einige servile Protestanten bewarben sich um die Aufnahme, wurden aber abschläglich beschieden. Smith, der loyal bis zur Begeisterung, aber noch immer ein aufrichtiges Mitglied der anglikanischen Kirche war, konnte das veränderte Aussehen des Hauses nicht ertragen. Er entfernte sich, kam der Aufforderung zur Rückkehr in seine Wohnung nicht nach, und wurde daher abgesetzt. So war das Beraubungswerk vollendet.[22]