Jakob’s und Tyrconnel’s Plan, die Prinzessin von Oranien von der Erbfolge im Königreich Irland auszuschließen. [Es] ist jedoch nicht wahrscheinlich, daß Jakob jemals einen so unsinnigen Schritt zu thun beabsichtigte. Er mußte wissen, daß England nicht einen einzigen Tag das Joch eines Usurpators ertragen hätte, der noch obendrein Papist war, und daß sowohl Diejenigen, welche die Ausschließungsbill unterstützt, als auch Die, welche sich ihr widersetzt hatten, jeden Versuch, die Prinzessin Marie bei Seite zu schieben, auf Leben und Tod bekämpft haben würden. Dagegen unterliegt es keinem Zweifel, daß der König bei einem minder unsinnigen, aber eben so unverantwortlichen Anschlage auf die Rechte seiner Kinder die Hand im Spiele hatte. Tyrconnel hatte im Einverständniß mit seinem Gebieter Anstalten getroffen, um Irland von dem Königreiche zu trennen und es unter Ludwig’s Protection zu stellen, sobald die Krone einem protestantischen Oberhaupte zufallen würde. Bonrepaux war zu Rathe gezogen worden, hatte seinem Hofe den Plan mitgetheilt und die Weisung erhalten, Tyrconnel zu versichern, daß Frankreich zur Ausführung dieser großartigen Idee kräftigen Beistand leisten werde.[28] Diese Unterhandlungen, welche im Haag vielleicht nicht in ihrem ganzen Umfange genau bekannt waren, aber doch stark vermuthet wurden, dürfen nicht außer Acht gelassen werden, wenn man sich ein richtiges Urtheil über das Verfahren bilden will, das die Prinzessin von Oranien wenige Monate später einschlug. Wer sie einer Verletzung der Kindespflicht beschuldigt, muß zugeben, daß ihr Fehler durch das ihr zugefügte Unrecht wenigstens sehr gemildert wird. Wenn sie im Interesse ihres Glaubens die heiligsten Bande der Blutsverwandtschaft zerriß, so folgte sie nur dem Beispiele ihres Vaters. Sie lieh erst dann die Hand zu seiner Absetzung, als er einen Anschlag zu ihrer Enterbung geschmiedet hatte.
[28.] Bonrepaux an Seignelay, 25. Aug. (4. Sept.) 1687. Ich will eine Stelle aus dieser wichtigen Depesche hier anführen. „Je sçay bien certainement que l’intention du Roy d’Angleterre est de faire perdre ce royaume (Irland) à son successeur, et de le fortifier en sorte que tous ses sujets Catholiques y puissent avoir un asile assuré. Son projet est de mettre les choses en cet estat dans le cours de cinq années.“ — In den Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690, findet sich eine Stelle, aus welcher hervorgeht, daß diese Unterhandlung nicht streng geheim gehalten wurde. „Obgleich der König es selbst vor seinen Räthen verschwieg, so ist es doch gewiß, daß er dem französischen König die Verfügung über jene Regierung und jenes Königreich versprochen hat, sobald die Dinge so weit gediehen sein würden, daß es sich thun ließe.“
Schwangerschaft der Königin. [Bonrepaux] war kaum davon benachrichtigt, daß Ludwig beschlossen habe, Tyrconnel’s Vorhaben zu unterstützen, so wurde jeder Gedanke an diesen Plan wieder aufgegeben. Jakob erblickte den ersten Schimmer einer Hoffnung, die ihn mit Stolz und Entzücken erfüllte: die Königin war schwanger.
Allgemeiner Zweifel. [Gegen] Ende October 1687 begann sich die große Neuigkeit gerüchtweise zu verbreiten. Man hatte bemerkt, daß Ihre Majestät sich unter dem Vorwande der Unpäßlichkeit von mehreren öffentlichen Feierlichkeiten fern gehalten. Es hieß, daß ihr eine Menge Reliquien, denen man eine außerordentliche Wirkung zuschrieb, umgehängt worden seien. Die Geschichte fand bald ihren Weg aus dem Palaste in die Kaffeehäuser und verbreitete sich rasch durch das ganze Land. Nur sehr Wenige begrüßten das Gerücht mit Freuden, der bei weitem größte Theil der Nation vernahm es mit einem Gemisch von Zweifel und Besorgniß. Die Sache war jedoch keineswegs so unglaublich. Der König hatte eben erst sein vierundfünfzigstes Jahr vollendet und die Königin stand im Sommer ihres Lebens. Sie hatte vier Kinder geboren, welche jung starben, und lange nachher wurde sie von einem fünften entbunden, das Niemand ein Interesse hatte als untergeschoben zu betrachten und das daher auch nie für ein solches erklärt wurde. Da indessen seit dieser letzten Schwangerschaft fünf Jahre verstrichen waren, so hatte das Volk unter dem Einflusse der Täuschung, welche die Menschen so leicht verleitet, das zu glauben was sie wünschen, jede Besorgniß, daß sie noch einen Thronerben zur Welt bringen werde, aufgegeben. Auf der andren Seite schien nichts natürlicher und wahrscheinlicher, als daß die Jesuiten einen frommen Betrug ersonnen haben könnten. Es unterlag keinem Zweifel, daß sie die Thronbesteigung der Prinzessin von Oranien als einen der härtesten Schläge betrachten mußten, der ihre Kirche treffen konnte. Eben so gewiß war es, daß sie nicht sehr gewissenhaft in der Wahl der Mittel sein würden, mit deren Hülfe sie ein so großes Unglück von ihrer Kirche abwenden konnten. In Werken von ausgezeichneten Mitgliedern ihrer Gesellschaft, welche von ihren Oberen sanctionirt waren, war es deutlich ausgesprochen, daß selbst Mittel, welche allen Begriffen von Gerechtigkeit und Humanität noch viel ärger Hohn sprachen, als die Einschmuggelung eines unächten Erben in eine Familie, mit Fug und Recht zu minder wichtigen Zwecken angewendet werden dürften, als die Bekehrung eines ketzerischen Königreichs war. Es war ruchbar geworden, daß einige Räthe des Königs und sogar der König selbst Pläne geschmiedet hätten, um die Prinzessin Marie ganz oder theilweis um ihr rechtmäßiges Erbe zu betrügen. Es bemächtigte sich der öffentlichen Meinung ein Verdacht, der zwar nicht wohl begründet, aber keineswegs so abgeschmackt war, als man gewöhnlich glaubt, und die Unbesonnenheit einiger Katholiken bestärkte das allgemeine Vorurtheil. Sie sprachen von dem glücklichen Ereignisse wie von etwas Außerordentlichem und Wunderbaren, wie von einem Zeichen derselben göttlichen Allmacht, welche Sara durch Isaak stolz und glücklich machte und die Gebete Hanna’s mit Samuel belohnte. Marien’s Mütter, die Herzogin von Modena, war unlängst gestorben. Kurz vor ihrem Tode sollte sie mit inbrünstigen Gebeten und reichen Opfergaben die heilige Jungfrau von Loretto angefleht haben, daß sie Jakob einen Sohn schenken möge. Der König selbst hatte im vergangenen August auf seiner Reise einen Abstecher nach der sogenannten heiligen Quelle gemacht und dort die heilige Winifreda gebeten, daß sie ihm das Geschenk verschaffen möge, ohne welches seine großen Pläne zur Verbreitung des wahren Glaubens nur unvollkommen ausgeführt werden könnten. Die unbesonnenen Zeloten, die auf solche Geschichten ein großes Gewicht legten, prophezeiten mit Zuversicht, daß das ungeborne Kind ein Knabe sein werde und boten darauf eine Wette von zwanzig Guineen gegen eine an. Sie meinten, der Himmel werde sich nicht in’s Mittel gelegt haben, wenn er nicht einen großen Zweck dabei hätte. Ein Fanatiker verkündete sogar, die Königin werde Zwillinge gebären, von denen der ältere König von England, der jüngere Papst werden würde. Marie konnte das Vergnügen, mit dem sie diese Prophezeiungen anhörte, nicht verbergen, und ihre Hofdamen sahen, daß sie sich nicht besser bei ihr insinuiren könnten, als wenn sie davon sprachen. Die Katholiken würden klüger gethan haben, wenn sie von der Schwangerschaft als von einem ganz natürlichen Ereignisse gesprochen und ihr unverhofftes Glück mit mehr Mäßigung getragen hätten. Ihr übermüthiger Triumph erregte nur den Unwillen des Volks und ihre Prophezeiungen bestärkten es in seinem Verdacht. Von dem Prinzen und der Prinzessin von Dänemark herab bis zu den Lastträgern und Waschweibern erwähnte Niemand die verheißene Geburt ohne ein höhnisches Lächeln. Die londoner Spottvögel beschrieben das neue Wunder in Reimen, die, wie man leicht denken kann, nicht eben die zartesten waren. Die ungeschliffenen Landsquires brachen in ein schallendes Gelächter aus, wenn sie mit Jemandem zusammentrafen, der so einfältig war zu glauben, daß die Königin wirklich noch einmal Mutter werden würde. Es erschien eine königliche Verordnung, welche der Geistlichkeit befahl, ein von Crewe und Sprat für dieses freudige Ereigniß besonders verfaßtes Bitt- und Dankgebet zu verlesen. Die Geistlichen gehorchten, aber man bemerkte, daß die Gemeinden nicht respondirten und kein Zeichen von Ehrerbietung äußerten. Bald circulirte in allen Kaffeehäusern ein rohes Spottgedicht auf die höfischen Prälaten, deren Feder sich der König bedient hatte. Mutter East (Ost) war darin ebenfalls reichlich mit Schmähungen bedacht. Zu diesem einheimischen einsilbigen Wörtchen hatten unsere Vorfahren den Namen des großen Hauses Este, welches in Modena regierte, verstümmelt.[29]
Die neue Hoffnung, welche den Muth des Königs so sehr hob, war indessen mit mancherlei Besorgnissen vermischt. Es bedurfte noch etwas mehr als die Geburt eines Prinzen von Wales zum Gelingen der von der Jesuitenpartei entworfenen Pläne. Es war nicht anzunehmen, daß Jakob so lange lebte, bis sein Sohn das zur Ausübung der königlichen Functionen erforderliche Alter erreicht hatte. Das Gesetz hatte den Fall eines minderjährigen Thronerben nicht vorgesehen, und der regierende Landesherr war nicht berechtigt, für diesen Fall eine testamentarische Verfügung zu treffen. Die gesetzgebende Versammlung allein konnte die Lücke ausfüllen. Starb Jakob, bevor Letzteres geschehen war, und hinterließ er einen Nachfolger von zarter Jugend, so mußte die höchste Gewalt unfehlbar protestantischen Händen zufallen. Selbst diejenigen Tories, welche am festesten an dem Grundsatze hingen, daß nichts sie zum Widerstande gegen ihren Lehnsherrn berechtigen könne, würden gewiß kein Bedenken getragen haben, das Schwert gegen ein papistisches Weib zu ziehen, die es gewagt hätte, sich die Vormundschaft über das Reich und über den jugendlichen Souverain anzumaßen. Der Ausgang eines Kampfes konnte kaum zweifelhaft sein. Der Prinz von Oranien oder seine Gemahlin wurde Regent und der junge König kam in die Hände ketzerischer Lehrer, deren Kunstgriffe die Eindrücke, welche sein Gemüth in der Kinderstube empfangen hatte, jedenfalls bald verwischten. Er konnte ein zweiter Eduard VI. werden und der durch die Fürsprache der Mutter Gottes und der heiligen Winifreda erlangte Segen konnte sich in Fluch verwandeln.[30] Gegen eine solche Gefahr konnte nur eine Parlamentsacte schützen, und eine solche Acte war nicht leicht zu erlangen.
[29.] Citters, 28. Oct. (7. Nov.), 22. Nov. (2. Dec.) 1687; die Prinzessin Anna an die Prinzessin von Oranien, 14. u. 20. März 1687/8; Barillon, 1.(11.) Dec. 1687; Revolution Politics; das Gedicht: „Two Toms and a Nat“; Johnstone, 4. April 1688; Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.
[30.] Die Besorgnisse des Königs über diesen Punkt werden von Ronquillo in einer Depesche vom 12.(22.) Dec. 1688 mit starken Farben geschildert: „Un Principe de Vales y un Dogue de York y otro di Lochaosterna (vermuthlich Lancaster), no bastan, a reducir la gente; porque el Rey tiene 54 años, y vendrá á morir, dejando los hijos pequeños, y que entonces el reyno se apoderará dellos, y los nombrará tutor, y los educará en la religion protestante, contra la disposicion que dejare el Rey, y la autoridad de la Reyna.“
Stimmung der Wahlkörper und der Peers. [Es] schien Alles anzudeuten, daß, wenn die Häuser einberufen werden sollten, sie von dem Geiste von 1640 beseelt nach Westminster kommen würden. Das Resultat der Grafschaftswahlen konnte kaum zweifelhaft sein. Die ganze Masse der Grundeigenthümer, hohe und niedere, geistlichen und weltlichen Standes, waren gegen die Regierung heftig aufgebracht. In der großen Mehrzahl derjenigen Städte, wo das Stimmrecht von der Entrichtung örtlicher Steuern oder von dem Besitze eines Grundstücks abhängig war, hätte sich kein höfisch gesinnter Kandidat blicken lassen dürfen. Ein sehr großer Theil des Unterhauses wurde von Mitgliedern von Municipalcorporationen gewählt. Diese Corporationen waren unlängst reorganisirt worden, um den Einfluß der Whigs und der Dissenters zu zerstören, mehr als hundert Wahlkörper waren durch der Krone ergebene Gerichtshöfe ihrer Freibriefe beraubt oder doch veranlaßt worden, einer gewaltsamen Entziehung ihrer Privilegien durch freiwilliges Aufgeben derselben zuvorzukommen. Jeder Mayor, jeder Alderman, jeder Stadtschreiber von Berwick bis Helstone war Tory und Anglikaner; aber Tories und Anglikaner waren jetzt dem Souverain nicht mehr ergeben. Die neuen Municipalbehörden waren noch unlenksamer als die früheren je gewesen waren, und sie wählten ohne allen Zweifel solche Abgeordnete, deren erster parlamentarischer Act eine Anklage gegen alle papistischen Geheimräthe und gegen alle Mitglieder der Hohen Commission war.
Bei den Lords waren die Aussichten fast eben so trübe als bei den Gemeinen. Es unterlag keinem Zweifel, daß die große Mehrzahl der weltlichen Peers gegen die Maßregeln des Königs sein würden, und auf der Bischofsbank, welche ihn vor sieben Jahren einstimmig gegen Diejenigen unterstützt hatte, die ihn seines Geburtsrechtes berauben wollten, konnte er nur auf den Beistand von vier oder fünf servilen Schmeichlern rechnen, die von ihren Berufsgenossen wie von der ganzen Nation verachtet wurden.[31]
Jedem, den die Leidenschaft nicht gänzlich verblendete, mußten diese Hindernisse unübersteiglich erscheinen. Die gewissenlosesten Sklaven der Gewalt ließen Zeichen von Besorgniß laut werden. Dryden äußerte, der König werde durch seinen Versuch, die Sache besser zu machen, sie nur verschlimmern, und er sehnte sich zurück nach den goldenen Tagen des sorglosen und gutmüthigen Karl.[32] Selbst Jeffreys wurde schwankend. So lange er arm war, war er stets bereit gewesen, um des Gewinns willen dem bösen Leumunde und dem öffentlichen Hasse zu trotzen; aber er hatte sich jetzt durch Bestechlichkeit und Erpressungen große Reichthümer erworben, und es lag ihm mehr daran, sich den Besitz derselben zu sichern, als sie noch zu vermehren. Seine Lauheit zog ihm einen strengen Verweis aus königlichem Munde zu. Aus Furcht, das große Siegel zu verlieren, versprach er Alles was von ihm verlangt wurde; Barillon aber bemerkte in seinem hierauf bezüglichen Berichte an Ludwig, daß der König von England sich selbst auf Diejenigen, die etwas zu verlieren hätten, nicht mehr verlassen könne.[33]