[88.] Clarendon’s Diary, May 22. 1688.
[89.] Auszug aus Tanner’s Handschriften in Howell’s State Trials; Life of Prideaux; Clarendon’s Diary, May 16. 1688.
[90.] Clarendon’s Diary, May 16 & 17. 1688.
Berathung im Palast zu Lambeth. [Am] Achtzehnten wurde im Palast des Primas zu Lambeth eine Versammlung von Prälaten und anderen ausgezeichneten Theologen gehalten. Tillotson, Tenison, Stillingfleet, Patrick und Sherlock waren dabei anwesend. Vor dem Beginn der Berathung wurde eine feierliche Betstunde gehalten. Nach einer langen Besprechung setzte der Erzbischof eigenhändig eine Petition auf, in der die allgemeine Ansicht ausgesprochen war. Sie war nicht im elegantesten Style abgefaßt. Sancroft zog sich durch den schwülstigen und unschönen Periodenbau sogar spöttelnden Tadel zu, den er mit weniger Geduld ertrug, als er bei viel härteren Prüfungen gezeigt hatte. Dem Inhalte nach aber konnte nichts geschickter entworfen sein, als dieses denkwürdige Actenstück. Man verwahrte sich entschieden gegen alle Illoyalität und Intoleranz, versicherte dem König, daß die Kirche noch immer, wie von jeher, dem Throne treu ergeben sei und daß die Bischöfe seiner Zeit am geeigneten Orte als Lords des Parlaments und als Mitglieder des Oberhauses der Convocation beweisen wurden, wie es ihnen keineswegs an humaner Rücksicht auf die Gewissensbedenken der Dissenters fehle. Aber das Parlament habe sowohl unter der vorigen wie unter der gegenwärtigen Regierung ausgesprochen, daß der Souverain nach der Verfassung nicht berechtigt sei, in kirchlichen Angelegenheiten von Gesetzen zu dispensiren. Deshalb sei die Erklärung gesetzwidrig und Klugheit, Ehre und Gewissen gestatte den Petenten nicht, sich bei der feierlichen Veröffentlichung einer ungesetzlichen Erklärung im Hause Gottes und während der Zeit des Gottesdienstes zu betheiligen.
Diese Petition wurde von dem Erzbischof und sechs seiner Suffraganen, Lloyd von St. Asaph, Turner von Ely, Lake von Chichester, Ken von Bath und Wells, White von Peterborough und Trelawney von Bristol, unterzeichnet. Der Bischof von London unterzeichnete nicht mit, weil er suspendirt war.
Die Petition der sieben Bischöfe dem Könige überreicht. [Es] war spät am Freitag Abend, und am Sonntag Morgen sollte die Erklärung in den Kirchen von London verlesen werden. Die Petition mußte daher dem Könige unverweilt überreicht werden. Die sechs Bischöfe brachen sofort nach Whitehall auf; der Erzbischof, dem schon seit geraumer Zeit der Zutritt bei Hofe untersagt war, begleitete sie nicht. Lloyd ließ seine fünf Collegen im Hause des Lord Dartmouth in der Nähe des Palastes zurück, begab sich zu Sunderland und bat den Minister, die Petition zu lesen und sich zu erkundigen, wann der König geneigt sein werde, sie in Empfang zu nehmen. Sunderland wollte, aus Furcht sich zu compromittiren, die Petition gar nicht ansehen, begab sich aber sogleich ins königliche Kabinet. Jakob befahl, die Bischöfe vorzulassen. Er hatte von seinem Spion Cartwright erfahren, daß sie wohl geneigt wären, dem königlichen Befehle zu gehorchen, aber einige kleine Änderungen in der Form wünschten und eine unterthänige Bitte in diesem Sinne vorlegen wollten. Seine Majestät war daher sehr gut gelaunt. Als die Prälaten vor ihm knieten, bat er sie freundlich, aufzustehen, nahm das Papier, aus Lloyd’s Händen und sagte: „Das ist Mylord Canterbury’s Hand.“ — „Ja, Sire, seine eigene Hand,“ war die Antwort. Jakob las die Petition, brach sie dann zusammen und sprach, während seine Stirn sich verfinsterte: „Dies ist eine große Überraschung für mich. Ich hätte dies von Ihrer Kirche, insbesondere von einigen unter Ihnen, nicht erwartet. Das heißt die Fahne des Aufruhrs aufpflanzen.“ Die Bischöfe ergossen sich in die wärmsten Versicherungen ihrer Loyalität; der König aber wiederholte seiner Gewohnheit nach die gesprochenen Worte von Anfang bis zu Ende. „Ich sage Ihnen, es ist eine Fahne des Aufruhrs!“ — „Des Aufruhrs?“ rief Trelawney auf die Knie fallend. „Um des Himmels willen, Sire, sprechen Sie nicht so hart von uns. Ein Trelawney kann nie ein Rebell werden. Erinnern Sie Sich, daß meine Familie für die Krone gekämpft hat, erinnern Sie Sich, wie ich Eurer Majestät gedient habe, als Monmouth im Westen war.“ — „Wir haben den letzten Aufstand unterdrückt,“ sagte Lake, „und wollen gewiß nicht einen neuen hervorrufen.“ — „Wir, Rebellen!“ rief Turner; „wir sind bereit, zu den Füßen Eurer Majestät zu sterben.“ — „Sire,“ hob jetzt Ken in einem männlicheren Tone an, „ich hoffe, Sie werden uns die Gewissensfreiheit zugestehen, die Sie Jedermann gewähren.“ Jakob aber wiederholte abermals: „Das ist Aufruhr! das ist eine Fahne des Aufruhrs! Hat jemals ein guter Diener der Staatskirche das Dispensationsrecht in Frage gestellt? Haben nicht einige von Ihnen zu Gunsten desselben gepredigt und geschrieben? Ich will durchaus, daß meine Erklärung verlesen werde!“ — „Wir haben zwei Pflichten zu erfüllen,“ erwiederte Ken, „unsre Pflicht gegen Gott und unsre Pflicht gegen Eure Majestät. Wir ehren Sie, aber wir fürchten Gott.“ — „Habe ich das um Sie verdient?“ versetzte der König mit wachsendem Zorne; „bin ich nicht stets ein Freund Ihrer Kirche gewesen? Ich hätte dies nicht von Ihnen erwartet. Aber ich verlange Gehorsam. Meine Erklärung muß verlesen werden. Sie sind die Trompeter des Aufruhrs. Was wollen Sie hier? Gehen Sie in Ihre Diöcesen und sorgen Sie dafür, daß meinen Befehlen gehorcht wird. Dieses Papier will ich behalten. Sie bekommen es nicht zurück. Ich werde Sie, die Unterzeichner, nicht vergessen.“ — „Gottes Wille geschehe,“ sagte Ken. — „Gott hat mir die Dispensationsgewalt verliehen,“ fuhr der König fort, „und ich werde sie zu behaupten wissen. Ich sage Ihnen, es sind noch Siebentausend in Ihrer Kirche, die das Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben.“ Die Bischöfe entfernten sich ehrerbietig[91]. Noch den nämlichen Abend erschien die Petition, die sie dem Könige überreicht hatten, Wort für Wort, in Druck und wurde in allen Kaffeehäusern ausgelegt und in den Straßen zum Verkauf ausgeboten. Allenthalben standen die Leute aus den Betten wieder auf und gingen hinunter auf die Straße, um zu sehen, was es gab. Man sagte, daß der Drucker binnen wenigen Stunden durch dieses Pennyblatt tausend Pfund verdient habe. Dies mag übertrieben sein, aber es beweist wenigstens, daß der Absatz ungeheuer war. Wie die Petition in die Öffentlichkeit kam, ist noch heute ein Geheimniß. Sancroft versicherte, daß er jede erdenkliche Vorsicht beobachtet habe und von keinem andren Exemplare wisse, als von dem, welches er selbst geschrieben und das der König aus Lloyd’s Händen entgegengenommen hatte. Die Wahrhaftigkeit des Erzbischofs ist über alle Zweifel erhaben. Nicht unwahrscheinlich aber ist es, daß einige von den anwesenden Geistlichen das kurze Schriftstück ihrem Gedächtniß genau eingeprägt und es zum Druck befördert hatten. Die vorherrschende Meinung war jedoch, daß eine Person aus der nächsten Umgebung des Königs eine Indiscretion oder einen Verrath begangen habe[92]. Kaum weniger Aufsehen machte ein kurzer, mit großer logischer Schärfe und in kräftiger Sprache geschriebener Brief, der im Geheimen gedruckt und an dem nämlichen Tage durch die Post und durch die gewöhnlichen Botenfuhrleute verbreitet wurde. Jedem Geistlichen im ganzen Lande wurde ein Exemplar zugesandt. Der Verfasser versuchte es nicht, die Gefahr zu verhehlen, der sich Diejenigen aussetzten, welche dem königlichen Befehle nicht gehorchten; aber er schilderte mit lebhaften Farben die noch größere Gefahr der Unterwerfung. „Wenn wir die Erklärung verlesen,“ sagte er, „so fallen wir, um uns nicht wieder zu erheben. Und wir werden nicht bedauert, sondern nur verachtet werden; wir fallen unter den Verwünschungen einer Nation, die unsre Willfährigkeit ins Verderben gestürzt hat.“ Einige waren der Meinung, die Schrift sei aus Holland herübergekommen, Andere schrieben sie Sherlock zu. Aber Prideaux, Dechant von Norwich, der bei der Verbreitung besonders thätig war, hielt sie für das Werk Halifax’.
Das Verfahren der Prälaten fand allgemeinen und lebhaften Beifall; aber hier und da ließ sich auch ein Murren vornehmen. Man sagte, daß so ernste Männer, wenn ihr Gewissen ihnen geboten hätte, beim Könige zu remonstriren, dies früher hätten thun sollen. Wäre es recht gegen ihn gehandelt, daß sie ihn bis sechsunddreißig Stunden vor der zur Verlesung der Erklärung festgesetzten Zeit im Dunkeln ließen? Selbst wenn er den Geheimrathsbefehl hätte zurücknehmen wollen, wäre es dazu zu spät gewesen. Aus dem Allen scheine hervorzugehen, daß die Petition nicht den Zweck gehabt habe, den König andren Sinnes zu machen, sondern nur die Unzufriedenheit des Volks zu erregen[93]. Diese Beschwerden waren jedoch völlig grundlos. Der König hatte den Bischöfen einen neuen, unerwarteten und in Verlegenheit setzenden Befehl gegeben. Es war ihre Pflicht, mit einander in Vernehmen zu treten und so weit als möglich die Ansicht des Standes, dessen Oberhäupter sie waren, einzuholen, ehe sie irgend einen Schritt thaten. Die Mitglieder waren im ganzen Lande zerstreut, einige waren eine volle Tagereise von einander entfernt. Jakob hatte ihnen nur vierzehn Tage Zeit gelassen, um sich zu erkundigen, zu berathschlagen und einen Entschluß zu fassen, und er konnte sich gewiß nicht darüber beklagen, daß diese vierzehn Tage zu Ende gingen, bevor er ihren Entschluß erfuhr. Ebenso ist es auch nicht wahr, daß sie ihm nicht Zeit ließen, seinen Befehl zurückzunehmen, wenn er hätte so klug sein wollen, dies zu thun. Er hätte am Samstag Morgen den Geheimen Rath zusammenberufen können und vor dem Abend konnte es in ganz London und dessen Vorstädten bekannt sein, daß er den Bitten der Väter der Kirche nachgegeben. Der Samstag ging jedoch ohne ein Zeichen von Sinnesänderung seitens der Regierung vorüber und der Sonntag kam heran, ein Tag, dessen man sich noch lange erinnerte.
[91.] Sancroft’s Bericht aus Tanner’s Handschriften abgedruckt; Citters, 22. Mai (1. Juni) 1688.
[92.] Burnet, I. 741; Revolution Politics; Higgins’s Short View.
[93.] Clarke’s Life of James the Second, II. 155.