[98.] Barillon, 24. Mai (3. Juni), 31. Mai (10. Juni) 1688; Citters, 1.(11.) Juli; Adda 25. Mai (4. Juni), 30. Mai (9. Juni), 1.(11.) Juni; Clarke’s Life of James the Second, II. 158.

[99.] Burnet, I. 740; Life of Prideaux; Citters, 12.(22.), 15.(25.) Juni 1688; Tanner MS.; Life and Correspondence of Pepys.

Sie werden im Geheimen Rathe verhört. [Am] Abend des 8. Juni begaben sich die sieben Prälaten, von den ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten Englands gehörig instruirt, in den Palast, wo sie alsbald in das Geheimrathszimmer gerufen wurden. Ihre Petition lag auf dem Tische. Der Kanzler nahm das Papier, zeigte es dem Erzbischofe und sagte: „Ist dies die Schrift, die Euer Gnaden aufgesetzt und welche die hier anwesenden Bischöfe Seiner Majestät überreicht haben?“ Sancroft warf einen Blick auf das Papier und sagte dann zum Könige: „Sire, ich stehe hier als Angeklagter. Ich war dies noch nie und hätte früher nicht geglaubt, daß ich es je einmal werden könnte. Am allerwenigsten aber habe ich daran gedacht, daß mir ein Vergehen gegen meinen König zur Last gelegt werden könnte. Da ich aber das Unglück habe, in diese Lage gekommen zu sein, so wird Eure Majestät es mir nicht übel nehmen, wenn ich von dem mir gesetzlich zustehenden Rechte Gebrauch mache, nichts zu sagen, was mich als schuldig erscheinen lassen könnte.“ — „Dies ist bloße Chikane,“ erwiederte der König. „Euer Gnaden werden hoffentlich nicht so gewissenlos sein, daß Sie Ihre eigne Hand verleugnen?“ — „Sire,“ sagte Lloyd, der die Casuistik gründlich studirt hatte, „alle Theologen stimmen darin überein, daß Jemand, der sich in unsrer Lage befindet, die Antwort auf eine solche Frage verweigern darf.“ Der König, der eben so beschränkten Verstandes, als heftigen Temperamentes war, wußte nicht sogleich was der Prälat meinte. Er beharrte jedoch auf seinem Verlangen und gerieth in sichtbaren Zorn. „Sire,“ hob der Erzbischof wieder an, „ich bin nicht verpflichtet, mich selbst anzuklagen. Dessenungeachtet will ich, wenn Eure Majestät es durchaus befiehlt, eine Antwort geben, in dem Vertrauen, daß ein gerechter und edelsinniger Fürst das was ich lediglich aus Gehorsam gegen Höchstdessen Befehl thue, nicht als Rechtsbeweis gegen mich anwenden lassen wird.“ — „Sie dürfen mit Ihrem Souverain nicht kapituliren,“ sagte der Kanzler. „Nein,“ setzte der König hinzu, „ich werde einen solchen Befehl nicht geben. Wenn Sie es vorziehen, Ihre eigenen Handschriften abzuleugnen, so habe ich Ihnen nichts mehr zu sagen.“

Die Bischöfe wurden zu wiederholten Malen ins Vorzimmer hinausgeschickt und eben so oft wieder hereingerufen. Endlich gab ihnen Jakob den bestimmten Befehl, auf die Frage zu antworten. Er verpflichtete sich allerdings nicht ausdrücklich dazu, daß ihr Geständniß nicht gegen sie angewendet werden sollte; aber nach dem was vorausgegangen war, mußten sie natürlich annehmen, daß diese Zusage selbstverständlich mit in dem Befehle enthalten sei. Sancroft erkannte seine Handschrift an, und seine Collegen folgten seinem Beispiele. Hierauf wurden sie über den Sinn einiger in der Petition vorkommenden Worte und über den Brief befragt, der im ganzen Lande verbreitet worden war und so großes Aufsehen gemacht hatte; aber ihre Antworten waren so vorsichtig, daß durch das Verhör nichts gewonnen wurde. Der Kanzler sagte ihnen nun, daß eine Criminaluntersuchung bei der Kings Bench gegen sie eingeleitet werden würde und forderte sie auf, sich wegen ihres Erscheinens jeder für seine eigne Person zu verpflichten. Dies lehnten sie aber ab. Sie seien Peers des Reiches, sagten sie, die besten Rechtsgelehrten von Westminster Hall hätten ihnen gesagt, daß keinem Peer in einer Untersuchung wegen Libells persönliche Bürgschaft angesonnen werden könne, und sie hielten sich nicht für berechtigt, auf eines ihrer Standesvorrechte zu verzichten. Der König war einfältig genug, es als eine persönliche Beleidigung gegen sich zu betrachten, daß die Bischöfe in einer Rechtsfrage sich durch juristischen Rath leiten ließen. „Sie glauben ja auch jedem Andren eher als mir,“ sagte er. Er fühlte sich ernstlich gedemüthigt und beunruhigt, denn er war so weit gegangen, daß ihm, wenn sie auf ihrem Vorsatze beharrten, nichts Andres übrig blieb, als sie in’s Gefängniß zu schicken, und wenn er auch keineswegs alle Folgen eines solchen Schrittes voraussah, so sah er doch so viel davon voraus, daß ihm bange wurde. Sie blieben fest. Es wurde daher wirklich ein Befehl ausgefertigt, welcher den Gouverneur des Tower anwies, sie in sicherem Gewahrsam zu halten und eine Barke brachte sie den Fluß hinunter nach dem Staatsgefängnisse.[100]

Ganz London wußte, daß die Bischöfe vor dem Geheimen Rathe standen. Das Publikum war in gespannter Erwartung. Eine große Menschenmenge füllte die Höfe von Whitehall und alle umliegenden Straßen. Viele Leute pflegten sich damals an Sommerabenden an der kühlen Themseluft zu erlaben; an diesem Abend aber war der ganze Fluß mit Böten bedeckt. Als die sieben Bischöfe in Begleitung einer Wache erschienen, konnte das Volk seine Gefühle nicht mehr beherrschen. Tausende fielen auf die Knie und beteten laut für die Männer, welche mit dem christlichen Muthe eines Ridley und Latimer einem von der ganzen Bigotterie der Maria erfüllten Tyrannen Trotz geboten hatten. Viele sprangen in den Fluß und riefen, bis über den Hüften in Schlamm und Wasser stehend, die heiligen Väter um ihren Segen an. Auf der ganzen Strecke von Whitehall bis zur London-Brücke fuhr die königliche Barke zwischen Reihen von Böten, aus denen beständig der Ruf: „Gott segne Eure Lordschaften!“ ertönte. Der König gab in seiner Angst Befehl, daß die Besatzung des Tower verstärkt, die Garden zum Feuern bereit gehalten und zwei Compagnien von jedem Regiment im ganzen Reiche unverzüglich nach London berufen werden sollten. Die Militairmacht aber, die er als das zuverlässigste Werkzeug zur Bändigung des Volkes ansah, theilte alle Gefühle desselben. Selbst die Schildwachen, welche am Verrätherthore unter Waffen standen, baten die Märtyrer, die sie bewachen sollten, um ihren Segen. Der Gouverneur des Tower war Sir Eduard Hales. Er war nicht eben geneigt, seine Gefangenen freundlich zu behandeln, denn er war von der Kirche, für die sie litten, abgefallen und bekleidete kraft der Dispensationsgewalt, gegen die sie protestirt hatten, mehrere einträgliche Stellen. Mit Entrüstung vernahm er, daß seine Soldaten auf das Wohl der Bischöfe tranken, und er befahl seinen Offizieren, dies ein für allemal zu verbieten; aber diese brachten ihm die Meldung, daß es sich nicht mehr verhindern lasse und daß in der ganzen Besatzung keine andre Gesundheit mehr ausgebracht werde. Übrigens bewiesen die Truppen ihre Verehrung für die Väter der Kirche nicht allein durch Toaste. Im ganzen Tower herrschte eine so andächtige Stimmung, daß fromme Geistliche dem Himmel dankten, daß er aus Bösem Gutes hervorgehen ließe und die Verfolgung seiner treuen Diener zum Rettungsmittel für viele Seelen machte. Tag für Tag sah man die Equipagen und Livreen der vornehmsten Kavaliere Englands vor den Eingängen des Gefängnisses, und Tausende von Zuschauern aus den bürgerlichen Klassen bedeckten fortwährend Towerhill.[101] Von den verschiedenen Zeichen der öffentlichen Verehrung und Theilnahme für die Prälaten erfüllte aber namentlich eines mehr als alle anderen den König mit Zorn und Besorgniß. Er erfuhr, daß eine Deputation von zehn nonconformistischen Geistlichen die Bischöfe im Tower besucht hatte. Er ließ vier von ihnen zu sich entbieten und machte ihnen persönlich heftige Vorwürfe; sie aber antworteten ihm muthig, daß sie es für ihre Pflicht hielten, vergangene Streitigkeiten zu vergessen und zu den Männern zu stehen, welche die Träger des protestantischen Glaubens seien.[102]

[100.] Sancroft’s Bericht, abgedruckt aus Tanner’s Handschriften.

[101.] Burnet, I. 741; Citters, 8.(18.), 12.(22.) Juni 1688; Luttrell’s Diary, June 8; Evelyn’s Diary, Brief von Dr. Ralson an seine Gattin vom 14. Juni abgedruckt aus Tanner’s Handschriften; Reresby’s Memoirs.

[102.] Reresby’s Memoirs.

Geburt des Prätendenten. [Kaum] hatten sich die Thore des Tower hinter den Gefangenen geschlossen, so trat ein Ereigniß ein, welches die allgemeine Aufregung noch vermehrte. Es war angekündigt worden, daß die Königin erst im Juli ihre Entbindung erwarte. Den Tag nach dem Verhöre der Bischöfe aber bemerkte man, daß der König sich angelegentlich nach ihrem Befinden erkundigte. Sie saß jedoch diesen Abend noch bis gegen Mitternacht in Whitehall am Spieltisch. Dann aber wurde sie in einer Sänfte in den St. Jamespalast gebracht, wo in aller Eil Zimmer für sie eingerichtet worden waren. Bald darauf eilten Boten nach allen Richtungen hin, um Ärzte und Priester, Staatsräthe und Kammerdamen herbeizuholen. Binnen wenigen Stunden waren eine Menge Staatsbeamte und vornehme Damen im Zimmer der Königin versammelt, und hier wurde am Morgen des 10. Juni, einem Sonntage, der von den allzutreuen Freunden einer schlechten Sache lange in Ehren gehalten wurde, der unglücklichste aller Fürsten geboren, bestimmt zu siebenundsiebzig Jahren der Verbannung und des Umherirrens, zu einem Leben voll eitler Pläne, voll Ehrenbezeigungen, welche kränkender sind als offene Beleidigungen, und voll Hoffnungen, die das Herz vor Gram vergehen lassen.

Man hält ihn allgemein für untergeschoben. [Die] traurigen Schicksale des armen Kindes begannen schon vor seiner Geburt. Die Nation über welche er nach der gewöhnlichen Erbfolgeordnung einst regiert haben würde, war fest überzeugt, daß seine Mutter gar nicht schwanger sei. Wäre seine Geburt auch durch noch so viele Zeugen bewiesen worden, ein großer Theil des Volks würde trotzdem wahrscheinlich bei der Behauptung geblieben sein, daß die Jesuiten ein geschicktes Taschenspielerkunststück ausgeführt hätten; der Beweis für die Thatsache ließ aber, theils durch Zufall, theils durch grobe Versehen manchen Einwürfen und Zweifeln Raum. Es waren zwar viele Personen beiderlei Geschlechts im königlichen Schlafgemache anwesend, als das Kind das Licht der Welt erblickte, aber keine von ihnen erfreute sich des öffentlichen Vertrauens im besonderen Grade. Von den anwesenden Geheimräthen waren die Hälfte Katholiken und die, welche sich Protestanten nannten, galten allgemein für Verräther an Gott und Vaterland. Unter den Kammerdamen befanden sich viele Französinnen, Italienerinnen und Portugiesinnen, und von den englischen Damen waren einige selbst Papistinnen, andere die Gattinnen von Papisten. Mehrere Personen, welche vorzugsweise hätten anwesend sein sollen, und deren Zeugniß allen Verständigen genügt haben würde, fehlten und man legte die Schuld an ihrer Abwesenheit dem Könige zur Last. Die Prinzessin Anna war von allen Bewohnern der ganzen Insel am meisten bei der Sache interessirt. Ihr Geschlecht und ihre Erfahrung berechtigte sie, als Wächterin des Geburtsrechts ihrer Schwester und ihres eigenen aufzutreten. Sie hatte starken Verdacht geschöpft, in welchem sie täglich durch geringfügige oder imaginäre Umstände bestärkt wurde. Es schien ihr, als ob die Königin geflissentlich ihren Fragen auswiche und sie schrieb diese Zurückhaltung, welche vielleicht im Zartgefühl ihren Grund hatte, dem Schuldbewußtsein zu.[103] In Folge dessen hatte Anna sich vorgenommen, an dem entscheidenden Tage anwesend zu sein und ein scharfes Auge zu haben. Sie hatte es aber nicht für nöthig gehalten, schon einen Monat vor diesem Tage auf ihrem Posten zu sein, sondern war mit Bewilligung und angeblich auf Anrathen ihres Vaters nach Bath gereist, um dort eine Brunnenkur zu gebrauchen. Sancroft, dessen hohe Stellung ihm die Pflicht auferlegte, anwesend zu sein, und in dessen Rechtschaffenheit die Nation volles Vertrauen setzte, war einige Stunden vorher von Jakob in den Tower geschickt worden. Die Hyde waren die geeigneten Beschützer der Rechte beider Prinzessinnen. Der holländische Gesandte konnte als der Vertreter Wilhelm’s betrachtet werden, der als der erste Prinz von Geblüt und als Gemahl der ältesten Tochter des Königs das größte Interesse an dem Ereignisse hatte. Jakob aber dachte nicht daran, ein männliches oder weibliches Mitglied der Familie Hyde herbeizurufen und eben so wenig wurde der holländische Gesandte zugezogen.