[107.] Johnstone giebt in kurzen Worten eine treffliche Übersicht der gegen den König erhobenen Beschuldigungen. „Die große Masse des Volks ist der Meinung, daß Alles ein Betrug sei, denn, sagen sie, die Berechnung treffe nicht zu, die Prinzessin sei entfernt und weder Jemand von der Familie Clarendon noch der holländische Gesandte herbeigerufen worden; dazu komme noch der plötzliche Eintritt des Ereignisses, die Predigten, die Zuversicht der Priester und die Eil.“ — 13. Juni 1688.

[108.] Ronquillo, 26. Juli (5. Aug.). Ronquillo setzt hinzu, daß Zulestein’s Bericht über den Zustand der öffentlichen Meinung vollkommen wahr sei.

[109.] Citters, 12.(22.) Juni 1688; Luttrell’s Diary, June 18.

Die Bischöfe werden vor die Kings Bench gestellt und müssen Bürgschaft leisten. [Die] Bischöfe erbauten Alle, die sich ihnen näherten, durch die Standhaftigkeit und Freudigkeit, mit der sie ihre Haft ertrugen, durch die Bescheidenheit und Demuth, mit der sie die Beifallsbezeigungen und Segenswünsche der ganzen Nation aufnahmen, und durch die loyale Anhänglichkeit, die sie für den Tyrannen, der sie in’s Verderben stürzen wollte, an den Tag legten. Am Freitag den 15. Juni, dem ersten Sitzungstage der Kings Bench, wurden sie vor diesen Gerichtshof gestellt. Eine ungeheure Menschenmenge erwartete ihre Ankunft. Vom Landungsplatze bis zur Court of Requests gingen sie durch eine Doppelreihe von Zuschauern, welche ihnen Segenswünsche und Beifall zuriefen. „Lieben Freunde,“ sagten die Gefangenen im Vorübergehen, „ehret den König und gedenket unserer in Euren Gebeten.“ Diese demüthigen und frommen Worte rührten Viele bis zu Thränen. Als sich der Zug endlich durch das Gedränge einen Weg gebahnt hatte und vor den Richtern angekommen war, verlas der Generalfiskal die Anklage, welche er auf hohen Befehl ausgearbeitet hatte und stellte den Antrag, daß die Beklagten aufgefordert werden sollten, auf die Klage einzugehen. Der Vertheidiger wendete dagegen ein, die Bischöfe seien gesetzwidrig verhaftet worden, und ihr Erscheinen vor dem Gerichtshofe sei daher nicht ordnungsgemäß. Die Frage, ob ein Peer unter einer Anklage wegen Libells sein Erscheinen vor Gericht gehörig zu verbürgen habe, wurde ausführlich erörtert und endlich von der Mehrheit der Richter zu Gunsten der Krone entschieden. Die Gefangenen erklärten sich nun für nichtschuldig. Der vierzehnte Tag darauf, der 29. Juni, wurde zur Verhandlung ihres Prozesses anberaumt. Bis dahin wurden sie gegen das persönliche Versprechen, sich zu stellen, in Freiheit gesetzt. Die Kronanwälte thaten sehr weise daran, aß sie keine fremde Bürgschaft verlangten, denn Halifax hatte dafür gesorgt, daß einundzwanzig weltliche Peers vom höchsten Ansehen, je drei für einen Angeklagten, zur Bürgschaftleistung bereit waren, und eine solche Gesinnungsäußerung des hohen Adels würde für die Regierung ein harter Schlag gewesen sein. Eben so wußte man, daß einer der reichsten, Dissenters der Hauptstadt um die Ehre nachgesucht hatte, für Ken Bürgschaft leisten zu dürfen.

Die Bischöfe durften nun in ihre Heimath zurückkehren. Das niedere Volk, welches von dem bei der Kings Bench beobachteten Gerichtsverfahren nichts wußte und nur sah, daß ihre Lieblinge, nachdem sie unter Bedeckung nach Westminster Hall gebracht worden waren, jetzt sich in voller Freiheit wieder entfernen durften, glaubte, die gute Sache habe gesiegt, und brach in lauten Beifallsjubel aus, während zugleich fröhliches Glockengeläute von allen Thürmen ertönte. Sprat erstaunte nicht wenig, als er die Glocken seiner eigenen Abtei lustig erklingen hörte. Er brachte sie sofort zum Schweigen, aber seine Einmischung erregte viel unwilliges Murren. Die Bischöfe wußten gar nicht, wie sie sich vor der zudringlichen Masse ihrer Freunde retten sollten. Lloyd wurde im Palasthofe von Verehrern zurückgehalten, die sich um die Gunst stritten, seine Hände zu berühren und den Saum seines Rockes zu küssen, bis endlich Clarendon ihn nicht ohne Anstrengung befreite und ihn durch eine Seitengasse nach Hause führte. Man sagte, Cartwright sei so unvorsichtig gewesen, sich unter das Volk zu mischen. Jemand, der ihn an seinem Bischofsgewand erkannte, erbat sich und erhielt seinen Segen. „Wißt Ihr, von wem Ihr Euch eben habt segnen lassen?“ rief einer der Umstehenden. „Nun, es war doch gewiß einer von den Sieben?“ versetzte Der, welcher eben mit dem Segen beehrt worden war. „Nein,“ entgegnete der Andere, „es war der papistische Bischof von Chester.“ — „Papistischer Hund!“ rief der Protestant wüthend, „nimm Deinen Segen zurück!“

Der Zusammenlauf und die Aufregung waren so groß, daß der holländische Gesandte sich wunderte, den Tag ohne einen Aufstand enden zu sehen. Dem Könige war durchaus nicht wohl zu Muthe gewesen. Um jede Ruhestörung sogleich unterdrücken zu können, hatte er am Morgen in Hydepark mehrere Bataillone Infanterie gemustert. Es ist jedoch keineswegs ausgemacht, daß diese Truppen zu ihm gehalten haben würden, wenn er ihrer Dienste bedurft hätte. Als Sancroft am Nachmittag in Lambeth ankam, fand er die in dieser Vorstadt liegenden Grenadiergarden vor dem Eingange seines Palastes versammelt. Sie stellten sich in einer Doppelreihe auf und während er zwischen ihnen hinschritt, baten sie ihn um seinen Segen. Nur mit Mühe hielt er sie davon ab, daß sie zur Feier seiner Rückkehr in seine Wohnung ein Freudenfeuer anzündeten. Es brannten übrigens an jenem Abend mehrere Freudenfeuer in der Hauptstadt. Zwei Katholiken, welche so unbesonnen waren, einige Knaben zu schlagen, weil sie an diesen öffentlichen Freudenbezeigungen Theil nahmen, wurden vom Pöbel ergriffen, nackt ausgezogen und schimpflich gebrandmarkt[110].

Jetzt forderte Sir Eduard Hales seine Gebühren von den Bischöfen, die seine Gefangenen gewesen waren. Sie weigerten sich, einem Beamten, dessen Bestallung sie nach ihren Grundsätzen für null und nichtig ansahen, etwas für eine in ihren Augen gesetzwidrige Haft zu bezahlen. Hierauf gab ihnen der Gouverneur sehr deutlich zu verstehen, daß, wenn sie noch einmal in seine Hände kämen, er sie in schwere Eisen legen und auf die nackten Steine betten werde. „Wir haben uns die Ungnade unsres Königs zugezogen,“ war ihre Antwort, „und wir empfinden dies sehr schmerzlich; ein Mitunterthan aber, der uns droht, strengt nutzlos seine Lunge an.“ Man kann leicht denken, mit welchem Unwillen das ohnehin schon gereizte Volk erfuhr, daß ein vom protestantischen Glauben Abgefallener, der den Grundgesetzen Englands zum Hohn einen Commandoposten bekleidete, es gewagt hatte, ehrwürdigen Geistlichen mit allen Barbareien von Lollard’s Tower zu drohen[111].

[110.] Über die Ereignisse dieses Tages sehe man die Collection of State Trials; Clarendon’s Diary; Luttrell’s Diary; Citters, 15.(25.) Juni; Johnstone, 18. Juni und Revolution Politics.

[111.] Johnstone, 18. Juni 1688; Evelyn’s Diary, June 29.

Aufregung der Gemüther. [Bis] zu dem Tage des Prozesses hatte sich die Aufregung nach den entferntesten Winkeln der Insel verbreitet. Aus Schottland erhielten die Bischöfe Zuschriften, in denen sie der Sympathie aller Presbyterianer dieses dem Prälatenthum so lange und so bitter Feind gewesenen Landes versichert wurden[112]. Die Bevölkerung von Cornwall, ein trotziges, kühnes und herkulisches Geschlecht, das ein stärkeres Provinzialgefühl hatte, als man es in irgend einem andren Theile des Landes fand, nahm großen Antheil an der Gefahr, in welcher Trelawney schwebte, den sie weniger als einen Leiter der Kirche, denn als das Oberhaupt eines angesehenen Hauses und als den Erben von zwanzig Ahnen verehrten, welche schon in hohem Ansehen standen, ehe die Normannen den Fuß auf englischen Boden gesetzt hatten. In der ganzen Grafschaft sang das Landvolk eine Ballade, deren Refrain noch nicht vergessen ist: