Von Foley wissen wir verhältnißmäßig wenig. Seine Geschichte hat bis zu einem gewissen Punkte große Aehnlichkeit mit der Geschichte Harley’s; aber er stand in Bezug auf Geistesgaben wie auf Charactergröße offenbar höher als Harley. Er war der Sohn Thomas Foley’s, eines bisher unbekannten Mannes von großer Begabung, der mit nichts ins Leben getreten war, sich aber durch Eisenwerke ein schönes Vermögen erworben hatte und der wegen seiner makellosen Rechtschaffenheit und seiner freigebigen Mildthätigkeit bekannt war. Die Foley waren, wie ihre Nachbarn, die Harley, Whigs und Puritaner. Thomas Foley lebte in intimer Freundschaft mit Baxter, in dessen Schriften er mit warmem Lobe erwähnt wird. Die Ansichten und Zuneigungen Paul Foley’s waren anfangs die seiner Familie. Aber er wurde, wie Harley, bloß durch die Heftigkeit seines Whiggismus, ein Bundesgenosse der Tories und wäre vielleicht, wie Harley, noch ganz in einen Tory verwandelt worden, hätte nicht der Tod den Umwandlungsprozeß unterbrochen. Foley’s Anlagen waren vortrefflich und waren durch eine sorgfältige Erziehung noch mehr ausgebildet worden. Er war so wohlhabend, daß er nicht nöthig hatte, die Jurisprudenz als Broterwerb zu studiren; aber er hatte sie gründlich als Wissenschaft studirt. Seine Moralität war tadellos, und der größte Fehler, den man ihm zum Vorwurf machen konnte, war der, daß er zu sehr mit seiner Unabhängigkeit und Uneigennützigkeit paradirte und so sehr fürchtete, für einen Speichellecker gehalten zu werden, daß er beständig murrte.
Howe.
Noch ein Convertit muß erwähnt werden. Howe, noch vor Kurzem der heftigste Whig, war durch den Verlust seines Amtes in einen der heftigsten Tories verwandelt worden. Der Deserteur brachte der Partei, zu der er übergegangen war, keinen großen Ruf, keine wirkliche oder anscheinende Befähigung zu wichtigen Geschäften, wohl aber eine bedeutende parlamentarische Geschicklichkeit niederer Art, viel Galle und große Unverschämtheit. Kein Redner der damaligen Zeit scheint in so reichem Maße sowohl die Gabe als den Hang besessen zu haben, seinen Gegnern wehe zu thun.
Die Unterstützung dieser Männer war der Torypartei höchst willkommen; aber unmöglich konnten sie schon jetzt die ganze Autorität von Führern über diese Partei ausüben. Denn sie nannten sich noch immer Whigs und rechtfertigten ihre toryistischen Voten durchgehends mit Argumenten, die sich auf whiggistische Prinzipien gründeten.[69]
Aus dieser Uebersicht des Standes der Parteien im Hause der Gemeinen geht klar hervor, daß Sunderland guten Grund hatte, den Rath zu geben, daß die Verwaltung in die Hände der Whigs gelegt werde. Der König zögerte jedoch lange, ehe er sich entschließen konnte, die neutrale Stellung aufzugeben, die er seit langer Zeit zwischen den streitenden Parteien einnahm. Wenn die eine dieser Parteien geneigt war, seinen Rechtstitel zu bestreiten, so war die andre aus Prinzip seiner Prärogative feindlich gesinnt. Er erinnerte sich noch mit Bitterkeit des unbilligen und rachsüchtigen Verfahrens des Conventionsparlaments zu Ende des Jahres 1689 und zu Anfang des Jahres 1690, und er erschrak vor dem Gedanken, gänzlich in der Gewalt von Männern zu sein, die sich der Indemnitätsbill widersetzt, für die Sacheverell’sche Klausel gestimmt, ihn von der Uebernahme des Commandos seiner Armee in Irland abzubringen versucht und ihn einen undankbaren Tyrannen genannt hatten, lediglich deshalb, weil er nicht ihr Sklave und Henker sein wollte. Er hatte einst durch eine kühne und unerwartete Anstrengung ihr Joch abgeschüttelt und hatte keine Lust, es wieder auf seinen Nacken zu laden. Wharton und Russell waren ihm persönlich zuwider. Dagegen hatte er eine hohe Meinung von Caermarthen’s Geschäftstüchtigkeit, von Nottingham’s Rechtschaffenheit und von Godolphin’s Fleiß und finanzieller Geschicklichkeit. Nur langsam siegten Sunderland’s Gründe, durch die Gewalt der obwaltenden Verhältnisse unterstützt, über alle Einwände.
Zusammentritt des Parlaments.
Am 7. Nov. 1693 trat das Parlament zusammen und sogleich begann auch der Kampf der Parteien. Wilhelm stellte vom Throne herab den beiden Häusern dringend die Nothwendigkeit vor, durch eine große Anstrengung den Fortschritten Frankreich’s auf dem Continent Einhalt zu thun. Während des letzten Feldzugs, sagte er, habe es auf jedem Punkte eine Uebermacht gehabt, und es sei deshalb unmöglich gewesen, mit ihm fertig zu werden. Seine Verbündeten hätten versprochen, ihre Armeen zu verstärken und er hege die vertrauensvolle Ueberzeugung, daß die Gemeinen ihn in den Stand setzen würden, ein Gleiches zu thun.[70]
Debatten über die Unfälle zur See.
Die Gemeinen zogen in ihrer nächsten Sitzung die Thronrede des Königs in Berathung. Den Hauptgegenstand der Discussion bildete die Zerstörung der Smyrnaflotte. Das Verlangen nach einer Untersuchung war allgemein, aber es lag auf der Hand, daß die beiden Parteien dieses Verlangen aus sehr verschiedenen Gründen stellten. Montague sprach die Ansicht der Whigs aus. Er erklärte, die Unglücksfälle vom vergangenen Sommer könnten seiner Meinung nach ihre Erklärung in der Unwissenheit und Schwäche der Männer finden, denen die Marineverwaltung übertragen sei. Es müsse Verrath stattgefunden haben. Man könne unmöglich annehmen, daß Ludwig, als er sein Brester Geschwader nach der Meerenge von Gibraltar sandte und die ganze Küste seines Königreichs von Dünkirchen bis Bayonne ohne Schutz ließ, nur aufs Gerathewohl gehandelt habe. Er müsse die feste Ueberzeugung gehabt haben, daß seine Flotte auf eine große Beute unter schwacher Bedeckung stoßen werde. Wie auf einigen Seiten Verrath stattgefunden habe, so habe es auf anderen Seiten Unfähigkeit gegeben. Der Staat werde schlecht bedient. Hierauf hielt der Redner eine warme Lobrede auf seinen Freund Somers. „Möchten doch alle am Staatsruder stehenden Männer das Beispiel des Lord Siegelbewahrers nachahmen! Wenn alle Stellen mit solcher Einsicht und Uneigennützigkeit besetzt würden, wie durch ihn, so würden wir die Staatsämter nicht von Männern bekleidet sehen, die Gehalte beziehen und nichts dafür thun!” Es wurde beantragt und einstimmig angenommen, daß die Gemeinen Ihre Majestäten unterstützen und unverzüglich eine Untersuchung der Ursachen des Unglücks in der Lagosbai anordnen wollten.[71] Die Lords der Admiralität erhielten die Weisung, eine große Masse schriftlicher Beweisstücke vorzulegen. Der König sandte Abschriften von den Resultaten der Nachforschungen ein, welche der von Marien zur Untersuchung der Beschwerden der mit der Türkei Handel treibenden Kaufleute ernannte Ausschuß des Geheimen Raths angestellt hatte. Die Kaufleute selbst wurden vorgeladen und vernommen. Rooke, der noch zu krank war, um stehen und sprechen zu können, wurde in einem Lehnstuhle vor die Schranke gebracht und überreichte hier eine Darstellung seines Verfahrens. Die Whigs glaubten bald, daß hinreichender Grund zu einem die Marineverwaltung tadelnden Votum vorliege und beantragten eine Resolution, welche den Verlust der Smyrnaflotte notorischer und verrätherischer Mißführung zuschrieb. Daß verkehrte Führung stattgefunden hatte, konnte nicht bestritten werden; daß aber falsches Spiel gespielt worden sei, war sicherlich durch nichts bewiesen. Die Tories schlugen vor, das Wort „verrätherisch” zu streichen. Es wurde abgestimmt, und die Whigs siegten mit hundertvierzig gegen hundertdrei Stimmen. Wharton war Stimmenzähler für die Majorität.[72]
Es war nunmehr entschieden, daß Verrath stattgefunden hatte, nicht aber, wer der Verräther war. Es folgten mehrere heftige Debatten. Die Whigs bemühten sich, die Schuld auf Killegrew und Delaval zu wälzen, welche Tories waren; die Tories thaten ihr Möglichstes, um zu beweisen, daß die Schuld an der Proviantverwaltung gelegen habe, die unter der Leitung von Whigs stand. Aber das Haus der Gemeinen ist stets viel mehr dazu geneigt gewesen, in allgemeine Ausdrücke gefaßte Tadelsvoten zu beschließen, als einzelne Personen speciell zu brandmarken. Eine Resolution, welche die Proviantverwaltung freisprach, wurde von Montague beantragt und nach einer zweitägigen Debatte mit hundertachtundachtzig gegen hundertzweiundfunfzig Stimmen angenommen.[73] Als aber die siegreiche Partei einen Antrag auf Schuldigerklärung der Admirale stellte, kamen die Tories in großer Anzahl vom Lande herein, und es gelang ihnen nach einer von neun Uhr Morgens bis gegen elf Uhr Abends dauernden Debatte ihre Freunde zu retten. Die Neins beliefen sich auf hundertsiebzig, die Jas auf nur hunderteinundsechzig. Einige Tage später wurde ein neuer Angriff mit nicht besserem Erfolge gemacht. Die Neins betrugen hundertfünfundachtzig, die Jas nur hundertfünfundsiebzig. Der unermüdliche und unversöhnliche Wharton war beide Male Stimmenzähler für die Minorität.[74]