einsame Glocke, die beim Gespensterspuk böser Gefühle erschrocken tönt,

voller Kelch, den Gottes Hand mit Unerbittlichkeit der Schöpfung an die Quellen ewigen Leids führt,

umwolkter Stern, der jauchzend auffunkelt und von lauernden Schleiern der Düsterheit verdeckt wird,

meeräugige Träne, die winkend blinkt, doch quellt in ihrer Tiefe bereits sprudelndes Weinen,

Leben, Tod, Sonnenglast, Schatten, alles, erlebte Vergangenheit, unbekannte Zukunft, alles, alles: meiner Mutter Herz ...

wie oft schon hat in seinem geschlossenen, schwülen, kleinen Hof die Bahre gestanden? ...

An der Schwelle flügger Jahre, ihr winziges, frisches Herz, als es zum erstenmal gezuckt? ... Vielleicht im dumpfen, kranken Stübchen, zwischen aufbegehrenden Menschen, die einander bis ans Grab lieben und von der Armut gehetzt miteinander hadern, Fluch, kreischende Hölle, gehobene Faust, sich selbst zerfleischender Haß, der die Sonne verdüstert ... Eine längst versunkene Winterdämmerung, draußen heulen die Berge vom Kanonengedröhn, die flüchtige Familie harrt des klirrenden Urteils über Gebetbücher gebeugt, und zur Türe herein stürzt, mit blutendem Kopf, ein Kossuth-Honvéd ... meiner Mutter Herz sieht ihn ... Der Wunderrabbi ist gestorben, der schwarze Tod hat ihn fortgerafft, wahnsinnige Menschen graben in hüllender Nacht den Heiligen aus der Kalkgrube, waschen ihn, kleiden ihn an, sprechen über ihn die überlieferten Worte, und es kommt in der rechenschaftfordernden Nacht der Rächer und schlägt mit fegenden Fransen seiner furchtbaren Schleppe auch meiner Mutter Herz ... Das trostlose Heim, in dem die Eltern bereits geschwächt umherlungern, die Kleinen angstzitternd erlahmen, auf das die Barmherzigkeit nicht mehr niederblickt, wo der Zusammensturz die einander anstarrende Familie eng zusammenschnürt ... Doch schlägt das Terno ein, das Lotterieterno, schmückt mit seinen Strahlen die gebrochenen Augen, behängt die ohnmächtigen Phantasien mit ausgelassenen Kühnheiten, und die Freude, die reine, unbekannte Freude zieht bei den armen Leuten ein, und bei dem freundlichen Zusammentreffen ist auch meiner Mutter Herz zugegen ... Bittere, schwere Schmach ist der lange Fasttag, da sie in den Tempel gehen, meine Mutter neben ihrer Mutter Rock, doch steht in der Türe bereits der Tempeldiener, es sei drinnen kein Platz, den Reichen gehöre das Vorrecht, die Armen mögen draußen auf dem Hof beten ... Als mannbares Mädchen, da meine Mutter schön war wie Maiflieder, von Palmenwuchs; ihre traurigen, sammetschweren Augen, ihr stolzer Mund, ihr scharfes, klares Gesicht ließen die Jünglinge komplimentieren, und die Schwindsüchtigen, die Häßlichen, die Mausäugigen heirateten alle vor ihr, sie aber stand mit ausgebreitetem Herzen auf dem Markt, und es pochte ihr ins Gehirn:

„Ein armes Mädchen sollte nicht geboren werden ...“

„Für arme Mädchen sind die blauen Blümlein da ... dort im Friedhof, recht tief unter der Erde ...“

Und die Zeit des Genusses? da ihr Herz wie ein sich öffnender Mund um die vollkommene Liebe sich krümmte, und in ihre traumversunkenen girrenden Worte das wache Leben hineinwütete: