So blond, rötlich-gülden, warm-glänzend ist an ihr alles, daß selbst aus ihrem appetitlichen Fleisch, aus ihren scharfen, kleinen Augen, aus ihrer geschwätzigen, seligen Stimme jauchzende Blondheit strahlt; sie hat kein ausgeprägtes Gesicht, keine bestimmte Form, bloß auf die gespannten Äpfel ihrer offenen Brust schimmert von ihrem ausgestreckten Hals das hin- und herpendelnde goldene Kreuz, und sie erzählt. Im Kreise sitzen auf niedrigen Schemeln die Kinder, und sie verrichtet die Abendarbeit; ihre emsig-harte Faust verschwindet in den Zugstiefeletten, in ihrer rechten Hand geht die breitrückige, große Glanzbürste taktmäßig auf und ab; sie schwingt den Arm und brummt mit verschmitzter, erschreckender Stimme:

„Liebes, schönes Mägdelein ...“

Die Glanzbürste schwingt ein zweites Mal, und sie zeigt den schönen kleinen Gesichtern ein entsetztes Gesicht:

„Öffne mir dein Kämmerlein ...“

Süß-üppig steigt der Schuhwichsgeruch in der Luft auf; in dem kleinen Kreis spiegeln sich in ermüdet aufflammenden Augen die blankgeputzten schwarzen Schuhe, schlafbefallene Menschlein kriechen schaudernd, verstohlen ins Bett ...

Meine Mutter umfängt mit Andacht die Traumgesichte der erschrockenen Herzlein, breitet ihre Liebe über die Betten aus und singt ihrem verängstigten Volk:

„Blas, blas zu, mein Schäferlein ...“

„Prinzessin war auch ich einmal ...“

Ihre langen Wimpern schlagen auf wie ein schwärmerischer Kuß, in der grünen Tiefe ihres Auges brütet Staunen, ihr Blick strahlt in die Ferne, wo das Neue, die Aufregung, in Untiefen kommender Nächte, düster wartet; meine Mutter summt es, singt, beschwichtigt:

„Blas ... blas zu ...“