„Was bin ich denn? ... Ein Spielzeug aus Papier ... das von ichsüchtigen Händen hin und her gezerrt wird? Ein seelenloses Geschöpf, das von den Stärkeren hin und her gezerrt wird? Ein abgefallenes Blatt, das von den Vorbeigehenden mit der Schleppe fortgefegt wird? Dienender Schemel der Auserkorenen, der getreten wird?“
„Was bin ich denn? ... Räuberisches Leben ...“
Vor meinen umflorten Augen tänzelt gröhlend der Bucklige.
Sein hungriges, großes Kinn hüpft nach dem Hals, sein zersprungener, wütender Mund klafft erstickend, noch während ihn das Lachen schüttelt, fährt er zusammen, fährt auf, stutzt, richtet sich steif auf, richtet mit seinen langen, knochigen Fingern die Weste, zieht auf seinem gewölbten Hemd tändelnd die verschobene Krawatte breit, bringt eilends die Flügel seines Jacketts in Ordnung, rafft seinen schiefen Kopf immer wieder und immer wieder zurück; der Arme ... weshalb schämt er sich? was verbirgt er? ...
Und wie oft schwindelt es ihn vor dem geheimen Gedanken, der mit Gott hadert? ... O, wenn jeder Mensch bucklig wäre? ... Wie oft erhebt sich in seiner umengten, verwaisten Einsamkeit dieses Phantom?: der Mensch würde so geboren, auf der Brust ein Buckel, auf dem Rücken ein Buckel, wäre jedes Menschen Hals kurz, zwischen Körper und Kopf vom Adamsapfel abgegrenzt? jeder Mensch wäre so, und der Bucklige könnte auf den lenzlichen Straßen promenieren wie die übrigen Menschen, könnte unter den Menschen sitzen wie die übrigen Menschen, stünde vor dem Chef wie die übrigen Menschen, badete auf dem Lido wie die übrigen Menschen? ...
Und der Hinkende? ... Der Hinkende? ... Ob wohl auch auf dem gehüpften Lebenspfad mitunter der spielerische Traum aufbebt? ... Gott schuf den Menschen ... Wenn Gott es so machte, daß bei jedem Menschen das eine Bein kürzer wäre, als das andere? Und jeder hinkte? Ich eile auf der Straße dahin, und auf der Straße hinkt jedermann? Die Soldaten hinken, die Buchhalter hinken? Um die große, blonde Frau herum hinkten alle Männer? Niemand spielte Fußball, niemand liefe Schlittschuhe, niemand spränge auf die Elektrische? ...
Wenn jeder Mann klein wäre? Der Krakeeler klein wäre? Der raufende Gentry klein wäre? Der betrunkene Husar klein wäre? Jeder Christ klein wäre? Jeder Zylinderhut, jeder Winterrock klein wäre? ... O, wenn jeder Mensch eine große Nase hätte? Wenn jeder Mensch stotterte? ...
Und der Blinde? der bloß die schwarzen Schleier löst und niemals den Lichtvorhang erreicht? Sendet auch er, in heimlicher Traumversunkenheit, Fächervögel der Sehnsüchte aus? Wenn die Menschen das Schlechte nicht sähen, ihnen nur die Berührung der Hand still verriete, ob Feind? treues Weib, guter Bruder? ... Wenn sie die Sterne nicht sähen, und die Dämmerung auf dem dunklen Vorhang mit herzversunkenen Farben auftauchte? ...
Und die übrigen? ...