Und bisher habe ich nicht gelebt?
Und die Zeit, da die mich hervorrufende Zelle aus dem Unbekannten aufgebrochen, auf daß sie den sich erfreuenden Körper meiner Mutter berühre?
Und die Zeit, da ich mit meiner Mutter zusammen gewesen, da mein Herz ihr Herz, mein Blut ihr Blut gewesen?
Heute Nacht wird es neununddreißig Jahre, daß ich zur Welt gekommen.
Ich fühle diese Nacht.
Als ich meiner Mutter Worte zu verstehen begann, erfuhr ich alsbald, daß meine Geburt in einer hochwasserbedrohten Nacht erfolgt war. Bei den Inselgrenzen hatte das Hochwasser die Dämme durchbrochen, das Volk warnende Mörser und Glocken hatten meine leidende Mutter geschreckt, die in dieser Nacht vor der stetig wachsenden Flut von ebener Erde ins Stockwerk gebracht worden war.
Ich ruhte noch ohne Leben im schützenden Körper meiner Mutter, hatte aber über die Ärmste bereits lange Krankheit gebracht.
Kaum daß meine beiden großen Kinderaugen sahen, was sie erblickten, begegnete ich über meinem Kopf, in den engen Straßen, auf den gelben Wänden allerhand Marmortafeln, auf diesen steife, kalte Finger, die auf eine Linie und auf ein Datum zeigten: 1876. 17. Februar ...
Heute Nacht wird es neununddreißig Jahre, daß ich zur Welt gekommen.
Und ich fühle diese Nacht.